Mit schmutzigen Tricks zum Bestseller
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 31.03.2009 3 Kommentare
«Das Buch gilt gemeinhin als höheres Gut. Davon bleibt bei genauerem Hinsehen nichts übrig», sagt die Stimme in der Dokumentation «Die Tricks hinter den Bestsellern», die am Montag auf ORF 2 ausgestrahlt wurde. Der Film zeigt die Buchbranche als knallhartes Business, bei dem auch vor ethisch fragwürdigen Methoden nicht zurückgeschreckt wird.
Als Beispiel wird der Fall des Mafia-Autors Roberto Saviano ausgebreitet. Nachdem die Mafia ihm mit dem Tod drohte, explodierten die Verkaufszahlen seines Bestsellers «Gomorrha». Die Morddrohung floss in die Vermarktung mit ein. Der Verleger findet dies nicht zynisch. Ein weiteres Beispiel für die fehlende Ethik in der Branche: Bei der Abdankung von Hanser-Verleger Christoph Schlotterer 1986 sollen einige Trauergäste bereits begonnen haben um Autorenrechte zu feilschen.
Manager statt Verleger
«Die Manager und Anzugträger verdrängen die Verleger», sagt Krimi-Autorin Donna Leon. Sie bleibt aber dem Schweizer Diogenes-Verlag und dem Verleger Daniel Keel treu. Sigrid Löffler, ein Schwergewicht unter den Lituraturkritikern, erklärt, was ein Buch bestenfalls beinhalten muss, um ein Bestseller zu werden:
- ein Reizthema
- einen Stoff, der international anschlussfähig ist
- besonders erfolgsversprechend ist ein All-Age-Buch, zum Beispiel ein avanciertes Kinderbuch, das auch Erwachene interessiert
Da Frauen mehr lesen als Männer, sind Frauenthemen bei Autoren besonders beliebt.
Auch das Fernsehen kann Bestsellerautoren kreieren. Marcel Reich-Ranicki nannte in seiner Sendung «Das literarische Quartett» 1996 den bislang praktisch unbekannten Autoren Javier Marias «einen der grössten lebenden Schriftsteller». Damit war über Nacht ein Weltstar geboren. Ähnliches geschah 2003 mit Carlos Ruiz Zafón, den Joschka Fischer in der Sendung «Lesen!» von Elke Heidenreich in höchsten Tönen lobte. «Sie werden alles liegenlassen und lesen», sagte der damalige deutsche Aussenminister. Hunderttausende glaubten ihm.
Drei Millionen Euro für Zafón
Der Film zeigt Bestsellerautoren, die behandelt werden wie Fussballstars und Agenten, die sie herumreichen und aus ihnen ideale Marketinginstrumente formen. Die Verlage bezahlen für den zu erwartenden Erfolg viel Geld. Der Fischer-Verlag zum Beispiel warb Zafón dem Suhrkamp-Verlag für einen Rekordpreis von drei Millionen Euro ab.
Der Film spitzt zu, zieht Extrembeispiele herbei, kreiert das Bild einer Branche, der für den Erfolg alle Mittel recht sind. Der Verlagsalltag ist weniger spektakulär. Und doch zeigt der Film auf: Auch das Verlagswesen ist schlussendlich einfach ein Geschäft. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 31.03.2009, 11:56 Uhr
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3 Kommentare
ach! ist die Welt verkommen ... die meisten Verlage müssen froh sein, wenn sie nach monatelanger Arbeit mit einem Buch ein wenig Gewinn machen. Ausserdem ist es ganz normal, und niemand findet es irgendwie komisch, dass man sich ein Buch in der Bibliothek ausleiht und liest, dieses aber nicht kauft. Die Musik/Film Industrie würde Amok laufen ... man nennt dies ganz einfach Marketing ... Antworten






tiemo wydler
@ michel gilgen ich leihe ab und zu auch cds und dvds von der bibliothek (ok, der name ist in dem zusammenhang eher verwirrend) aus - und wurde noch nie von einem amoklaufenden vertreter dieser industrie belästigt ... Antworten