Kultur
Peter von Matt gewinnt den Schweizer Buchpreis
Aktualisiert am 11.11.2012 12 Kommentare
Peter von Matt
Peter von Matt war von Kindsbeinen an ein Bücherwurm. Er wurde am 20. Mai 1937 in eine Familie hineingeboren, die seit Generationen Bücher verlegte und verkaufte. Sein Elternhaus in Stans sei «bis unters Dach mit Büchern gefüllt» gewesen, sagte er der «Zentralschweiz am Sonntag». Er habe früh gelernt, Bücher nur leicht aufgeschlagen zu lesen, so dass sie noch als neu verkauft werden konnten.
Später studierte Peter von Matt Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte in Zürich, London und Nottingham und promovierte bei Emil Staiger über Franz Grillparzer. Nach dem Studium unterrichtete er einige Jahre als Gymnasiallehrer in Luzern. 1976 übernahm er von seinem Lehrer Staiger den Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich, den er bis zur Emeritierung 2002 innehatte. (sda)
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Der 75-jährige Germanist Peter von Matt hat am Sonntag überraschend den Schweizer Buchpreis erhalten. Die mit 30'000 Franken dotierte Auszeichnung wurde ihm für seine Essaysammlung «Das Kalb vor der Gotthardpost. Zur Literatur und Politik der Schweiz» zugesprochen.
Die Jury würdigte das Werk bei der Verleihung im Rahmen der Messe Buch Basel als «ein Buch, das in herausragender Weise zur Gegenwart der Schweiz spricht. In Analysen von grosser sprachlicher Kraft und gedanklicher Originalität beleuchtet Peter von Matt den Zusammenhang zwischen Literatur und Politik».
Verkaufsfördernde Wirkung
Der Schweizer Buchpreis war 2008 vom Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverband (SBVV) in Zusammenarbeit mit der Literatur Basel geschaffen worden, um der Schweizer Literatur zu mehr Beachtung zu verhelfen. Alle ausgezeichneten Werke verzeichneten in der Folge des Schweizer Buchpreises einen markanten Anstieg an Verkäufen.
Bisherige Preisträger waren Rolf Lappert mit «Nach Hause schwimmen», Ilma Rakusa mit «Mehr Meer», Melinda Nadj Abonji mit «Tauben fliegen auf» und zuletzt Catalin Dorian Florescu mit «Jacob beschliesst zu lieben». Die Fachjury prüfte heuer 76 Werke; nur beim ersten Schweizer Buchpreis waren noch mehr Kandidaten eingereicht worden.
Mit «Das Kalb vor der Gotthardpost» ist erstmals ein nicht-belletristisches Werk mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet worden. Die anderen vier auf der Shortlist – Ursula Fricker, Alain Claude Sulzer, Sibylle Berg und Thomas Meyer – hatten alle Romane vorgelegt. Für ihre Nomination werden sie mit je 2500 Franken Preisgeld belohnt.
Der Schweizer Buchpreis habe sich nach fünf Jahren «als wichtigste literarische Auszeichnung des Landes etabliert und geniesst internationale Beachtung», teilten die Organisatoren am Sonntag mit. Allerdings erwächst der noch jungen Auszeichnung jetzt starke Konkurrenz: Am 3. Dezember werden erstmals die vom Bund verliehenen Eidgenössischen Literaturpreise vergeben.
Reich-Ranicki ist begeistert
Nicht überraschend dürfte die Auszeichnung für den deutschen «Literaturpapst» Marcel Reich-Ranicki kommen; er hatte den gebürtigen Innerschweizer von Matt vor Jahren schon als «bedeutendsten lebenden Schriftsteller der Schweiz» bezeichnet.
Peter von Matt gilt als Brückenbauer zwischen der akademischen Welt und dem öffentlichen Diskurs. In seinen Reden und Aufsätzen versteht er es, das Literarische mit dem Politischen, das Bildhafte mit dem Prägnanten zu verbinden.
Damit brilliert er nach übereinstimmender Ansicht der Kritiker auch im Essay «Das Kalb vor der Gotthardpost», der für die Veröffentlichung mit älteren, bereits erschienenen Texten angereichert wurde.
(mw/sda)
Erstellt: 11.11.2012, 11:58 Uhr
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