Schöner Erfolg für die Schweizer Literatur

Gleich zwei junge Schweizer Autoren finden am Bachmann-Wettbewerb Beachtung: Dorothee Elmiger (24) wurde mir dem Kelag-Preis ausgezeichnet und Daniel Mezger (32) schaffte es unter die besten Sieben.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Doyen des diesjährigen Bachmann- Wettbewerbs, der deutsche Autor Peter Wawerzinek, hat sowohl den Bachmannpreis wie den Publikumspreis gewonnen. Die zweite Auszeichnung, der Kelag-Preis, ging an die erst 24 Jahre alte Schweizerin Dorothee Elmiger.

Der zweite Schweizer Bewerber, der 32-jährige Daniel Mezger, kam zwar auf die Shortlist der besten Sieben, blieb aber ohne Preis. Seine Nomination ergänzt aber den zweiten Rang von Elmiger zu einem schönen Erfolg für die Schweizer Literatur und speziell für das neue Literaturinstitut in Biel: Beide Schweizer Bewerber gehören zu dessen erstem Abschlussjahrgang.

Der 55-jährige Wawerzinek hatte 1991 bereits in Klagenfurt einen Nebenpreis gewonnen und galt als Favorit des vornehmlich von Nachwuchsautoren dominierten Wettbewerbs. In «Rabenliebe» beschreibt er den deprimierenden Einzug eines kleinen Jungen in ein DDR- Waisenhaus. Er selber war einst von seinen Eltern Richtung Westen verlassen worden und in Waisenhäusern und bei Pflegefamilien aufgewachsen.

Kleine Überraschungen

Die dritte Auszeichnung, der 3sat-Preis, ging überraschend an Judith Zander. Auch sie erzählte eine Geschichte über eine DDR- Jugend. Ihr Text über eine apathische jugendliche Schwangere war von der Jury am Freitag mehrheitlich als langweilig bezeichnet worden.

Ebenfalls überraschend erhielt der Deutsche Aleks Scholz nur den vierten, den Ernst-Willner-Preis. Sein Text «Google Earth» berichtet von zwei benachbarten Sonderlingen, von denen sich der eine selber kompostiert. Die immer wieder heranzoomende Satelliten-Perspektive hatte die Jury ursprünglich sehr eingenommen.

Der Bachmannpreis ist mit 25'000 Euro dotiert, der Kelag-Preis mit 10'000 Euro, der 3sat-Preis mit 7500 Euro und der Ernst-Willner- Preis und der Publikumspreis mit je 7000 Euro.

Elmiger: «Skeptisch»

Die in Appenzell Innerrhoden aufgewachsene zweitplatzierte Elmiger hatte sich im Vorfeld des Wettbwerbes skeptisch über die Bachmannpreis-Jury geäussert. Als Stipendiatin des letztjährigen Klagenfurter Literaturkurses sei ihr aufgefallen, dass die Jury einen koservativen Literaturbegriff pflegte.

Sie gab deshalb ihrem Text - über eine junge Frau, die in einem verwüsteten Landstrich in alten Sachbüchern eine neue Utopie sucht und sich auf die Suche nach dem mythischen Fluss «Buenaventura» macht - wenig Chancen, wie sie der St. Galler Zeitung sagte.

Entscheid fürs Herz

Elmigers gute Platzierung widerlegte nun den Eindruck, dass die Jury konservativ urteilte. Ganz ausgeräumt wurde der Verdacht allerdings nicht: So liess die Jury etwa den sehr experimentellen Text «Alphabeth der Indizien» der favorisierten Österreicherin Verena Rossbacher links liegen.

Und auch Scholz' nigelnagelneue «Google Earth»-Perspektive, am Freitag noch als nobelpreiswürdig gelobt, wurde unter Wert gehandelt. Der Einwand von Jury-Sprecher Bukhard Spinnen, der Text sei «zu makellos» und «herzlos», schien sich durchzusetzen.

Peter Wawerzineks «Glut- und Herzschlags»-Prosa, wie sie die Schweizerin Hildegard Keller bezeichnete, wurde schliesslich der Vorzug gegeben. Und das Publikum gab der Jury Recht. (bru/sda)

(Erstellt: 27.06.2010, 12:33 Uhr)

Zur Person

Dorothee Elmiger wurde 1985 in Wetzikon geboren und lebt in Leipzig. Nach dem Schulbesuch Auslandsaufenthalt in New Hampshire (USA). Studium der Philosophie und Politikwissenschaft in Zürich.

Anschliessend Studium am Schweizerischen Literaturinstitut/Institut littéraire suisse in Biel/ Bienne. Auslandssemester am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Teilnahme an Prosanova (Festival für junge Literatur, Hildesheim 2008).

Veröffentlichungen (Auswahl):

- Topographische Notizen. In: Neue Wege. Nr. 2 (2009).
- Sah nie ein wildes Tier. In: Tippgemeinschaft. Connewitzer Verlagsbuchhandlung 2009.
- Üblicher Horizont. In: BELLA triste. Nr. 22 (2008).

Schaffte es auf die Shortlist: Daniel Mezger.

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Die Welt in Bildern

Protest gegen Pipline: Mitglieder der Cowboy und Indianer Allianz demonstrieren vor dem Kapitol in Washington gegen eine geplante Ölpipline. (22. April 2014)
(Bild: Getty Images) Mehr...