Teenager im Todeskampf
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 11.08.2010 3 Kommentare
Bücher
-Suzanne Collins: «Die Tribute von Panem» («Hunger Games»). Oetinger.
-Scott Westerfield: «Ugly» («Ugly - Verlier nicht Dein Gesicht»). Carlsen.
-Mario Kunst: Gelöscht. dtv Junior.
-Reinhold Ziegler: «Version 5 Punkt 12». Beltz & Gelberg.
James Dashner: «The Maze Runner». Delacorte Press.
-Patrick Ness: «The Knife of Never Letting Go». Walker Books.«»
Schöne neuste Welt: In Scott Westerfields Roman «Ugly» werden Jugendliche Schönheitsoperationen unterzogen.
Artikel zum Thema
«Harry Potter» und «Biss (Twilight)» waren gestern, die Zukunft gehört noch furchteinflössenderen Jugendbüchern: Geschichten, die in dystopischen Gesellschaften angesiedelt sind, in denen Teenager geklont oder einer Gehirnwäsche unterzogen werden. Wie so oft, stammt der Trend aus dem angelsächsischen Raum. Erste europäische Autoren sind aber bereits auf den Zug aufgesprungen.
Königin des Genres ist die Amerikanerin Suzanne Collins. Ihre «Hunger Games»-Trilogie erscheint auf deutsch unter dem Titel «Die Tribute von Panem». Schauplatz ist die dekadente Hauptstadt Capitol City, in der zu einem unbestimmten Zeitpunkt in Amerikas Zukunft «Hungerspiele» ausgetragen werden, eine Art Gladiatorenkampf. Aus jedem Distrikt werden dafür ein Mädchen und ein Junge zwischen zwölf und sechzehn Jahren ausgelost. Der Sieger ist jenes Kind, das als letztes übrigbleibt.
Die Schule als Anti-Utopie
Eine beunruhigende Zukunft beschreibt auch Scott Westerfield in den «Ugly»- Büchern. Heldin Tally steht kurz vor ihrem 16. Geburtstag – ein besonderes Datum, denn mit 16 bekommt man die übliche Schönheitsoperation, die physische Unterschiede und Makel ausgleicht und somit allen die gleiche Chancen einräumt.
Wie die Klassiker der dystopischen Literatur, etwa Orwells «1984» oder Huxleys «Brave New World», sind die Teenager-Varianten als Warnung vor einer Zukunft zu verstehen, die es zu vermeiden gilt. Laut Scott Westerfield besteht zwischen Dystopien für Erwachsene und Jugendliche jedoch ein gewichtiger Unterschied. In letzteren liege die Horrorvision nicht nur in der Zukunft, sondern in der Realität: «Die Schule ist für viele Schüler eine Dystopie», schreibt Westerfield in seinem Blog.
Auch über die Grenzen des üblichen Fantasy-Szenarios hinaus geht «Gelöscht» von Mario Kunst. Der Holländer entwirft im Buch eine Gesellschaft, die durch riesige Mauern von der Aussenwelt abgeschirmt ist. Alle haben ihre Aufgaben, allen wird zugeteilt, was sie brauchen, alle sind glücklich. Ab und zu verschwindet jemand, aber dies belastet niemanden, denn mit der Person wird auch die Erinnerung an sie komplett gelöscht. Der Zentralcomputer regelt alles – bis sich der Teenager Sig unvermittelt ausserhalb der Mauern wiederfindet.
Der Einfluss der Videogamekultur
Ebenfalls Orwell ins nächste Jahrtausend weitergedacht hat Reinhold Ziegler. In «Version 5 Punkt 12» erzählt er von einer Welt, die vollständig vom Computer kontrolliert wird. Als der junge Tubor Both versucht, diesem Superhirn den Strom abzudrehen, wird alles noch schlimmer.
Ein weiterer erfolgreicher Genre-Vertreter ist «The Maze Runner» von James Dashner. Darin lesen wir von Jugendlichen, die mit totalem Gedächtnisschwund in einem Labyrinth aufwachen, das von allerlei Monstern bevölkert ist. In diesem Szenario schlägt sich sowohl Teenager-Angst wie Videogamekultur nieder: Ahnungslos und alleine in einer feindlichen Welt, die man nicht versteht. Dass in den Geschichten auffallend viele Nahkämpfe stattfinden, erstaunt da nicht weiter.
Noch düsterer ist «The Knife of Never Letting Go» von Patrick Ness. Darin überträgt ein (biologischer) Virus Gedanken von Menschen in die Hirne ihrer Mitmenschen – eine clevere Satire auf das Informationsbombardement im Medienzeitalter. Protagonist Todd flüchtet daraufhin in die Natur. Dort ist er zwar den Gedanken von Tieren ausgeliefert, doch die sind im Vergleich zu ihren menschlichen Pendants weniger besitzergreifend. Zivilisationsflucht 2.0 – nicht zuletzt, weil das Virus sämtliche Frauen ausgerottet hat. Weiter von «Twilight» entfernt geht es nun wirklich nicht.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 11.08.2010, 14:09 Uhr
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3 Kommentare
"...Teenager werden geklont oder einer Gehirnwäsche unterzogen." Schaut man aber genau hin, fällt einem auf, dass die Mehrheit aller Teenager tatsächlich wie geklont daherkommen: Strikter Gruppenzwang in Sachen Kleidung, Frisur, Musik etc.; Gehirnwäsche von Trendsettern inklusive! Erschreckend, wie faschistoid solches Verhalten eigentlich ist; eine gegenseitige Unterdrückung. Wer ist da das Opfer? Antworten






