Kultur

Die grosse Literatur-Lüge

65 Prozent der Briten geben zu, schon einmal gelogen zu haben, wenn es darum ging, ob sie einen Klassiker gelesen hatten. Wir zeigen die Werke, deren Lektüre am häufigsten bloss vorgetäuscht ist.

1/5 1start.JPG
65 Prozent der Befragten geben an, zu lügen, wenn es darum geht, ob sie Klassiker gelesen hätten oder nicht. Bei folgenden Büchern lügen die Briten am häufigsten:
Bild: Keystone

   

Wer kennt die Situation nicht, eine angeregte Diskussion über ein Buch der Weltliteratur, dann kommt die gefürchtete Frage: «Hast du es gelesen?» 65 Prozent der Teilnehmer einer britischen Umfrage geben an, in einer solchen Situation schon einmal mit «Ja» geantwortet zu haben – auch wenn sie das Buch nicht gelesen haben. 33 Prozent sagen, dass sie in diesem Zusammenhang nie lügen.

Gut möglich, dass diese 33 Prozent die grösste Lüge der Umfrage sind. Denn das Lügen wird einem einfach gemacht. Heute sind auf dem Internet gute Zusammenfassungen aller Bücher mit wenigen Mausklicks aufzufinden, früher griff man dafür zu «Kindlers Literaturlexikon». Dies sei aber gar nicht negativ, meint ein vom Guardian zitierter Literaturfachmann: «Die Umfrage zeigt, wie bedeutsam das Lesen hinsichtlich dem Bild ist, das wir von uns als intelligente und engagierte Menschen kreieren möchten.»

Folgende Bücher stehen bei der Umfrage zuoberst auf der Mogel-Liste:

  • George Orwell, «1984» – 42 Prozent
  • Leo Tolstoi, «Krieg und Frieden» – 31 Prozent
  • James Joyce, «Ulysses» – 25 Prozent
  • Die Bibel – 24 Prozent

Erstaunlich dabei sind zwei Dinge. Erstens wird in dieser britischen Umfrage nicht wie vermutet bei Shakespeare am meisten gelogen. Zweitens steht mit «1984» ein Buch ganz oben auf der Liste, das eigentlich sehr leicht zu lesen ist – im Gegensatz zu «Krieg und Frieden» und «Ulysses» auf den folgenden Plätzen. 1'342 Menschen haben an der Erhebung des World Book Day teilgenommen. Weitere Resultate der Umfrage:

  • 14 Prozent machen Notizen in Bücher aus Bibliotheken
  • 61 Prozent geben an, anstatt Buchzeichen zu benutzen, Buchecken zu falten, im Volksmund «Eselsohren» genannt.
  • 48 Prozent lesen die Bücher, die sie verschenken, zuerst selber.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.10.2009, 11:04 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

6 Kommentare

Mario Monaro

14.10.2009, 12:51 Uhr
Melden

@Paul Linder: da haben Sie wohl die falschen Klassiker gelesen. Immerhin waren wohl auch welche darunter, die Sie nicht enttäuscht haben... Antworten


Oliver Affolter

06.03.2009, 10:03 Uhr
Melden

fragte mich heute beim business lunch ein kv-kollege, ob ich diesen tagi-artikel von rico bandle gelesen hätte. hey mann, voll cool sagte ich. Antworten


Urs Spörri

06.03.2009, 10:00 Uhr
Melden

Es ist erschreckend, wie auch bei uns je länger je mehr sehr wenig gelesen wird. Im Gegensatz zu früher kann man heutzutage in der Gesellschaft kaum noch über Literatur sprechen, auch nicht mit Intellektuellen. Eine Umfrage ergäbe in der Schweiz wahrscheinlich ein ähnliches Bild wie in England. Antworten


Paul Linder

06.03.2009, 09:54 Uhr
Melden

Ich habe viele Klassiker gelesen und war meistens sehr enttäuscht! Sie haben oft nur noch historischen Wert, denn der Inhalt ist kaum auf das heutige Selbstverständnis zu übertragen und wer es trotzdem tut, "leidet" oft unter Nostalgie und macht sich was vor. Viele Texte sind ätzend und langweilig. Zeitgenössische Autoren sind mir viel lieber, zB. Houellebecq uä... Antworten


Grazia Annen

06.03.2009, 09:21 Uhr
Melden

Dabei wäre es gerade heute nötig, Orwells Vision des totalitären Überwachungsstaates zu lesen. Im Namen der Sicherheit verzichten wir willfährig auf Privatsphäre und Rechte. So wurde in Finland eben ein Gesetz verabschiedet, das es den Firmen erlaubt, die E-mails ihres Personals zu "monitorieren". Überall stehen webcams, hinterlassen wir "digitale Spuren". Big Brother gibt's nicht nur im TV. Antworten


karl kündig

06.03.2009, 09:07 Uhr
Melden

ich habe diesen artikel nicht gelesen. klappt auch bei zeitungen hervorragend.. Antworten



Sponsored by:

Lokale Suche

Marktplatz