Die grosse Literatur-Lüge
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 14.10.2009 6 Kommentare
Wer kennt die Situation nicht, eine angeregte Diskussion über ein Buch der Weltliteratur, dann kommt die gefürchtete Frage: «Hast du es gelesen?» 65 Prozent der Teilnehmer einer britischen Umfrage geben an, in einer solchen Situation schon einmal mit «Ja» geantwortet zu haben – auch wenn sie das Buch nicht gelesen haben. 33 Prozent sagen, dass sie in diesem Zusammenhang nie lügen.
Gut möglich, dass diese 33 Prozent die grösste Lüge der Umfrage sind. Denn das Lügen wird einem einfach gemacht. Heute sind auf dem Internet gute Zusammenfassungen aller Bücher mit wenigen Mausklicks aufzufinden, früher griff man dafür zu «Kindlers Literaturlexikon». Dies sei aber gar nicht negativ, meint ein vom Guardian zitierter Literaturfachmann: «Die Umfrage zeigt, wie bedeutsam das Lesen hinsichtlich dem Bild ist, das wir von uns als intelligente und engagierte Menschen kreieren möchten.»
Folgende Bücher stehen bei der Umfrage zuoberst auf der Mogel-Liste:
- George Orwell, «1984» – 42 Prozent
- Leo Tolstoi, «Krieg und Frieden» – 31 Prozent
- James Joyce, «Ulysses» – 25 Prozent
- Die Bibel – 24 Prozent
Erstaunlich dabei sind zwei Dinge. Erstens wird in dieser britischen Umfrage nicht wie vermutet bei Shakespeare am meisten gelogen. Zweitens steht mit «1984» ein Buch ganz oben auf der Liste, das eigentlich sehr leicht zu lesen ist – im Gegensatz zu «Krieg und Frieden» und «Ulysses» auf den folgenden Plätzen. 1'342 Menschen haben an der Erhebung des World Book Day teilgenommen. Weitere Resultate der Umfrage:
- 14 Prozent machen Notizen in Bücher aus Bibliotheken
- 61 Prozent geben an, anstatt Buchzeichen zu benutzen, Buchecken zu falten, im Volksmund «Eselsohren» genannt.
- 48 Prozent lesen die Bücher, die sie verschenken, zuerst selber.
Erstellt: 14.10.2009, 11:04 Uhr
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6 Kommentare
Dabei wäre es gerade heute nötig, Orwells Vision des totalitären Überwachungsstaates zu lesen. Im Namen der Sicherheit verzichten wir willfährig auf Privatsphäre und Rechte. So wurde in Finland eben ein Gesetz verabschiedet, das es den Firmen erlaubt, die E-mails ihres Personals zu "monitorieren". Überall stehen webcams, hinterlassen wir "digitale Spuren". Big Brother gibt's nicht nur im TV. Antworten












