Interview

«Wenn beidseitig keine sexuelle Anziehung besteht: Klar, geht »

Der vielleicht cleverste Humordeutsche tourt gerade, auf der Autobahn nimmt sich Heinz Strunk Zeit. Ein Gespräch über das grosse Thema seines neuen Buchs: Freundschaft.

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Herr Strunk, verändert Facebook unser Verständnis von Freundschaft?
Na, jeder vernünftige Mensch kann zwischen einer realen, normalen und einer Facebook-Bekanntschaft unterscheiden. Es kann aber tatsächlich sein, dass Facebook einen Einfluss hat, dass virtuelle Verhaltensweisen ins reale Leben übergehen. Aber das werden die Soziologen erst in einigen Jahrzehnten kompetent beurteilen können.

Was sind wahre Freunde?
Das ist natürlich schwer zu sagen. Lassen Sies mich mit einem Beispiel sagen: Es gibt ja das bekannte Sprichwort «Bei Geld hört die Freundschaft auf». Ich entgegne: «Beim Geld fängt die Freundschaft erst an!» Menschen, die ich zu meinen Freunden zähle, gebe ich Geld – und erwarte nicht, dass ich es zurückerhalte. Geiz ist für mich eine der schlimmsten Eigenschaften überhaupt.

Wie viele echte Freunde haben Sie seit der Kindheit?
Keinen einzigen. Meine engen Freunde habe ich erst tief in den 30ern kennengelernt. Wer mein Freund war, als ich 25 war, ists heute nicht mehr – ausser biografischem Gelichter ist da heute nicht mehr viel. Wenn ich diese Menschen heute kennenlernen würde, käme es mir nicht in den Sinn, mich mit ihnen zu befreunden.

Wieso das?
Meine persönliche und künstlerische Entwicklung war mit 25 oder mit 30 nicht beendet, sondern fing erst an. Meine heutigen engen Freunde stehen mir auch intellektuell nahe.

Im 19. Jahrhundert wurden solche Freundschaften häufig als «Seelenverwandtschaften» bezeichnet. Hört man heute nicht mehr so oft.
Ja, das hat halt was Pathosgeschwängertes. Für mich ist diese Seelenverwandtschaft implizit, jeweils im Freundschaftsbegriff mitgedacht. Sie ist weiterhin richtig und wahr.

«Freundschaft fliesst aus vielen Quellen, am reinsten aus Respekt», hat der englische Schriftsteller Daniel Defoe mal gesagt – sicher zu Recht. Verhindert andererseits zu viel Höflichkeit eine tiefgehende Freundschaft?
Wenn ich jemanden nicht respektiere, habe ich gar kein Interesse an einer Freundschaft. Andererseits: Klar, es gib unterschiedliche Formen der Freundschaft. Ich und mein Freund Christoph Grissemann beschimpfen uns etwa gegenseitig, so gagmässig – das tun wir aber nur, weil wir den gleichen Humor haben.

Cicero: «Einen sicheren Freund erkennt man in unsicherer Sache.» Wo und wann bewähren sich moderne Freundschaften?
Als Europäer leben wir auf einer Insel des Friedens, eine Bewährung im existenziellen Sinn ist also kaum möglich. Wohlgemerkt: Nicht, dass ich mir das wünschen würde!

Groucho Marx: «Es gibt kein schöneres Geräusch als das Zähneknirschen eines Kumpels.»
Total albern. Blöde Quatschbemerkung. Der wollte sich was Blumiges ausdenken und es ist was Bescheuertes rausgekommen.

Kürzlich machte ein Video auf Youtube (siehe Box) die Runde, in dem heterosexuelle Studentinnen und Studenten gefragt wurden, ob Frauen und Männer nur Freunde sein können. Ihre Meinung?
Wenn beidseitig keine sexuelle Anziehung besteht: Klar, geht.

Interessanterweise sagten die Männer jeweils: «Unmöglich!» Während die Frauen meinten: Doch, das sei durchaus möglich.
Die sexuellen Möglichkeiten, die sich den meisten Männer bieten sind halt… tja… schwierig. Und da ein bisschen cool zu bleiben, fällt den meisten schwer.

Haben Sie während Ihrer Arbeit an «Junge rettet Freund aus Teich» etwas über Freundschaft gelernt?
Nein, gar nicht. Keinerlei neue Erkenntnis. Ich verweise an dieser Stelle gern auf den Buchtitel von Gabriel Garcia Marquez’ Biografie: «Leben, um davon zu erzählen». Das ist ein guter Ansatz.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.04.2013, 09:29 Uhr

Strunk, Heinz, «Junge rettet Freund aus Teich», Rowohlt, Reinbek, 319 Seiten, ISBN 978-3-498-06426-6, CHF 31.90.

Junge rettet Freund aus Teich

Entertainer, Pseudopolitiker, Romancier

Heinz Strunk (*1962) ist ein Tausendsassa. Ursprünglich Saxophonist in einer Tanzband namens Tiffanys, wandte er sich in den 1990er dem Kabarett zu. Bekannt wurde er zumal mit dem Comedy-Trio Studio Braun. Auf Viva moderierte der Hamburger 2003 und 2004 Musiksendungen, 2005 kandidierte er für die Spassgruppierung Die Partei für den Bundestag. Seit 2004 veröffentlichte Strunk fünf Romane, so zuletzt «Junge rettet Freund aus Teich». (lsch)

Video

Über acht Millionen Clicks: «Why Men and Women Cant be Friends».

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