E-Book im Test: Schöne neue Lesewelt

Geht es nach den Online-Buchhändlern, lesen wir Bücher bald in elektronischer Form. Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat ein Lesegerät getestet. Und ist begeistert.

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«Doch, doch, wir verkaufen schon viele E-Books», sagt Christoph Bürgin von books.ch bei der Übergabe des Testgeräts. Beim Auspacken zeigt sich jedoch: auf der Redaktion hat noch nie jemand ein solches Teil gesehen, obwohl Online-Journalisten durchaus technikaffin sind. Wie ein übergrosser Palm-Organizer wirkt der «iLiad», steif wie ein Holzklotz. Rund 1000 Franken müsste man im Laden dafür ausgeben. Schaltet man ihn ein, dauert es eine Ewigkeit, bis das System gestartet ist. «Muss von Microsoft sein», so der erste Gedanke.

Angebot wie im Bahnhofkiosk

Und darauf soll man Max Frisch oder Henning Mankell lesen? Selbst wenn man wollte, man kann nicht. Das Roman-Angebot an E-Books in den Schweizer Online-Buchläden entspricht vom Umfang und Niveau her jenem eines Bahnhofkiosks. Dafür gibt es einige Seiten auf dem Netz, von denen man Klassiker kostenlos herunterladen kann. Da der Urheberschutz 70 Jahre nach dem Tod des Autors abläuft, sind Gottelf, Schiller und Co. frei verfügbar – ein wunderbarer Fundus.

Ich suche auf gutenberg.org nach einem Wachtmeister-Studer-Krimi – vier Monate zu früh, Autor Friedrich Glauser starb am 8. Dezember 1938. Stattdessen wähle ich eine Kurzgeschichte von Franz Kafka. Das Lesegerät ist an den Computer angeschlossen, der Download und die Übertragung auf das Gerät klappen einwandfrei. Im Ordner «Books» ist Kafkas «Das Urteil» rasch gefunden und angewählt, bis die kleine Textdatei geladen ist, dauert es wieder ein paar lange Sekunden.

Zum Lesen ist's perfekt

Dann die angenehme Überraschung: Die Typografie wirkt gepflegt, der Text ist angenehm zu lesen, die Oberfläche spiegelt kaum, selbst bei Sonneneinstrahlung sind Kafkas lange Sätze perfekt lesbar. Der schwarz-weiss Bildschirm funktioniert nicht wie ein Computerbildschirm mit Lichtpunkten; benutzt wird eine Technik namens E-Ink (elektronische Tinte). Diese leuchtet nicht, verhält sich wie normale Tinte, das heisst, dass in der Dunkelheit wie bei einem herkömmlichen Buch eine Leselampe nötig ist. Die Textgrösse ist anpassbar, das dürfte das Gerät selbst für Senioren attraktiv machen.

Auf einer Parkbank am Fluss kommen die wahren Vorzüge des Geräts zum Tragen. Während meine Begleitung ihr altmodisches Papierbuch mit beiden Händen vor Windböen schützen muss, halte ich mein Gerät locker mit einer Hand, zum Blättern reicht eine leichte Daumenbewegung. Nur: Schon nach 30 Seiten stürzt sich Georg, der Held in Kafkas «Urteil», von der Brücke und setzt seinem Leben und der Geschichte ein Ende. Kein Problem. Ich suche mir einfach einen neuen Text. Mehrere Hundert Bücher lassen sich auf dem Gerät speichern, Büchergestelle sind bald nur noch Dekoration. Hätte ich W-Lan-Empfang, könnte ich auch ein beliebiges Werk aus dem Internet herunterladen.

Doch wie stabil ist das Ding? Auf einen Härtetest verzichte ich nun mal - zu teuer ist das Gerät. Was aber, wenn die E-Bettlektüre von der Bettkannte fällt? Was, wenn der Frühstückskaffe den Bildschirm überflutet? Trotz diesen offenen Fragen: Das Testgerät werde ich nach der Rückgabe vermissen. Bestimmt wird man mich bald wieder eBook-lesend auf der Parkbank antreffen – sobald der Preis für die Geräte geschrumpft und das Angebot an elektronischen Büchern gewachsen ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 07.10.2008, 22:33 Uhr)

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