Frankfurt verleiht Goethepreis an Adonis
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Der in Syrien geborene Lyriker Adonis hat sich am Sonntag in der Paulskirche «im Namen der arabischen Dichtung» für die Auszeichnung mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt bedankt. «Dies ist eine Ehrung, auf die ich sehr stolz bin», sagte der 81-Jährige bei der Entgegennahme des mit 50.000 Euro dotierten Preises. Adonis sei «ein leidenschaftlicher Rebell gegen die geistige Erstarrung der arabischen Kultur», hatte die Jury ihre Entscheidung begründet, den seit 1986 in Paris lebenden Dichter auszuzeichnen.
Adonis sei ein Freigeist, sagte der Intendant der Berliner Festspiele, Joachim Sartorius, in seiner Laudatio. «Er verweigert sich der herkömmlichen Rolle des Dichters, er setzt sich für die Befreiung der Frau ein und lehnt die alten patriarchalischen Strukturen ab», unterstrich er. Adonis mache sich für einen befreiten Islam stark, der die heutigen Imane entmachte, erklärte der Laudator.
Dichtung frei von Tabus
Seinen bürgerlichen Namen Ali Ahmad Said legte der geborene Syrer mit 17 Jahren ab, nannte sich Adonis, veröffentlichte erste Gedichte und gab eine Literaturzeitschrift heraus. Bekannt wurde er 1960 mit seinem dritten Gedichtband «Die Gesänge Mihyars des Damaszeners». Zeitgenössische Landsleute und Lyrikkollegen lobten Adonis Rückgriff auf klassische arabische Dichter, die frei von Tabus auch die Religion kritisierten - andere lehnten seinen Stil ab. Adonis ist erklärter Laizist und kämpft für die Trennung von Kirche und Staat.
Mit seinem nie nachlassenden Ruf nach Eindämmung der Macht der monotheistischen Religionen habe Adonis den Boden für den arabischen Frühling mit vorbereitet, sagte Sartorius. In Zeitungsartikeln habe der Dichter die Abschaffung der Baath-Partei in seiner alten Heimat Syrien und den Rücktritt von Präsident Baschar el Assad gefordert. Es sei daher eine Fehleinschätzung, den Preisträger mit seiner Dichtung ausschliesslich «in höheren Sphären zu wähnen».
Goethes Sicht auf Weltliteratur von Offenheit bestimmt
Die Stadt Frankfurt vergibt den 1927 erstmals ausgelobten Goethepreis inzwischen alle drei Jahre am 28. August, Goethes Geburtstag. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, «deren schöpferisches Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung würdig ist». Zu den bisherigen Preisträgern zählen der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki und der israelische Schriftsteller Amos Oz. Adonis sagte in seiner Dankesrede, Goethes Sicht auf die Weltliteratur sei von Offenheit und Austausch bestimmt gewesen.
Mit dem diesjährigen Preisträger ehre Frankfurt, Goethes Geburtsstadt, auch einen Kämpfer für die Demokratisierung des arabischen Raums, sagte Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bei ihrer Begrüssungsrede in der Paulskirche. Adonis sei ein politischer Dichter und Essayist mit dem Blick eines Aufklärers. (pbe/dapd)
Erstellt: 28.08.2011, 16:31 Uhr






