Kultur

«Absurd und praxisfremd»

Von Alexander Sury. Aktualisiert am 01.12.2011

Suisseculture kritisiert die Richtlinien der Pro Helvetia und fordert mehr Einfluss.

«Plattformen, die niemanden interessieren»: Es sei nicht Aufgabe der Pro Helvetia, eine «Intendantenrolle» einzunehmen, findet Suisseculture – im Bild eine Aufführung von Pro-Helvetia-Tänzerinnen in Delhi.

«Plattformen, die niemanden interessieren»: Es sei nicht Aufgabe der Pro Helvetia, eine «Intendantenrolle» einzunehmen, findet Suisseculture – im Bild eine Aufführung von Pro-Helvetia-Tänzerinnen in Delhi.
Bild: Reuters

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«Es ist grundsätzlich nicht die Aufgabe der Pro Helvetia, Projekte zu initiieren, sondern zu prüfen, was an sie herangetragen wird.» So pointiert widerspricht Suisseculture der Pro Helvetia. Der Dachverband der Schweizer Kulturverbände kritisiert in einem Grundsatzpapier einige Neuerungen, die mit dem am 1. Januar 2012 in Kraft tretenden Kulturförderungsgesetz zusammenhängen. Suisseculture sieht die Prioritäten der Pro Helvetia bei der Unterstützung der Werkförderung und –vermittlung sowie der Nachwuchsförderung. Es sei nicht Aufgabe der Pro Helvetia, sich mit eigenen Projekten zu profilieren und eine «Intendantenrolle» einzunehmen, findet der Suisseculture-Geschäftsleiter Hans Läubli.

Weiter kritisiert Suisseculture eine immer stärkere Reglementierung der Gesuche, die Antragsteller als «absurd und praxisfremd» empfänden. Hier widerspricht Sabina Schwarzenbach, Leiterin Kommunikation bei Pro Helvetia: «In Form und Umfang haben die Reglemente nicht zugenommen, und sie werden auf 2012 auch nicht erweitert.» Sie besteht auch auf der Freiheit, eigene Programme vorzulegen und nicht nur auf Gesuche zu reagieren.

Eingriffe in die Kunstfreiheit

Suisseculture moniert weiter «Eingriffe in die künstlerische Freiheit», wenn eine Förderstelle bei eingereichten Projekten «korrigierend» mitwirke und inhaltliche oder künstlerische Bedingungen stelle. «Es gibt eine Tendenz, dass unter dem Deckmantel der Effizienzsteigerung von staatlichen Förderstellen vermehrt Einfluss genommen wird auf die Kunst», sagt Hans Läubli. Sabina Schwarzenbach widerspricht: «Wir beraten Kulturschaffende auf deren Wunsch im Hinblick auf zusätzliche Veranstaltungsorte, mögliche Partner oder eine Optimierung des finanziellen Rahmens.»

Weiter fordert das Suisseculture-Papier von der Pro Helvetia, stärker auf die Kulturverbände zuzugehen und deren Initiativen anzunehmen statt selber «mit Plattformen, die niemanden interessieren, Geld in den Sand» zu setzen. Auch die Förderreglemente müssten mit den Kulturverbänden abgestimmt werden. Die Bereichsleiter und Experten der Pro Helvetia «sind oft weit von der Praxis entfernt und kennen deren Bedürfnisse kaum». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.12.2011, 07:36 Uhr

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