Kultur

Adolf Muschg schiesst scharf gegen die Schweiz

Aktualisiert am 17.09.2009 79 Kommentare

In einem Essay, der morgen in der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» erscheint, lässt der Schweizer Schriftsteller kein gutes Haar an seinem Heimatland.

«Der Schweiz ist die Selbstachtung abhanden gekommen»: Adolf Muschg.

«Der Schweiz ist die Selbstachtung abhanden gekommen»: Adolf Muschg.

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Am nächsten Sonntag ist wieder einmal eidgenössischer Dank- Buss- und Bettag - ein Anlass für den Schriftsteller Adolf Muschg, für die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» einen Essay zur Schweiz zu verfassen. Allerdings zeigt sich Muschg darin weder besonders dankbar noch besonders demütig. Entschuldigend schickt er voraus: «Bettagsbetrachtungen sind keine politischen Leitartikel.»

Was dann aber kommt, ist nicht nur eine intellektuelle Analyse zum aktuellen Zustand der Schweiz, sondern auch eine politische Standpauke für sein Heimatland: «Ein Land, das so wenig Freunde hat, braucht keine Feinde mehr», heisst es da etwa. Er schiesst gegen die Politiker, die prinzipienlose Geldwirtschaft, die orientierungslosen «Sachwalter des Staates».

Der Schweiz, so stellt Muschg fest, sei die Selbstachtung abhandengekommen. Die Gründe dafür formuliert er so: «Eigentlich befindet sich die Schweiz schon seit dem Bergier-Bericht, spätestens seit dem Grounding der Swissair in einem kollektiven Dauerschock, an dem vielleicht das Typische, aber auch das Bedenklichste seine Verleugnung ist. Wenigstens hat die Schweiz das Problem nicht mehr, vor dem sie Keller 1862 noch glaubte warnen zu müssen: sich auf dem Lorbeer auszuruhen, den ihr andere spenden.»

Muschg fordert mehr Gemeinsinn

Muschg weiter: «Die immer noch reiche Schweiz erlebt etwas, was sie sich nicht leisten kann: Isolation. Die Rechthaberei der Glücklichen, an denen Krieg und Elend ohne eigenes Verdienst vorübergegangen sind, schlägt auf sie selbst zurück. Ob es uns passt oder nicht: Jetzt sind wir dabei - nur nicht in bester Form und unverhofft einsam. In unserem Selbstverständnis hat sich eine Lücke geöffnet, durch welche eine unverstandene Welt verdächtig mühelos einbricht, ohne einer soliden Selbstachtung zu begegnen. Die alten Grenzbefestigungen waren schon lange brüchiger, als ihre Verteidiger wissen wollten. Dass das Land sich 1992 gegen die EU so dicht wie möglich gemacht hat, war ein Fehler - was in der Politik bekanntlich schlimmer ist als ein Verbrechen. Ein paar Dutzend bilaterale Verträge sind, bei aller nötigen Pfiffigkeit, kein Ersatz für ehrliche Teilnahme und ehrenhafte Beteiligung.»

Die Schweiz, so fordert Muschg, müsse wieder in Bewegung kommen, mehr Gemeinsinn entwickeln, mehr Vorstellungskraft. Denn diese sei nicht das Vorrecht der Dichter, sondern erste Bürgerpflicht. (mcb)

Erstellt: 17.09.2009, 09:54 Uhr

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79 Kommentare

christian Mathys

16.09.2009, 16:29 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Ein weiterer Fall von Aroganz der Kulturschaffenden. Dieser Gilde sollten jegliche öffentliche Gelder gestrichen werden. Antworten


Peter Meier

16.09.2009, 16:15 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Die Gedanken eines 75jährigen mögen manchen erheitern, doch hat niemand darauf gewartet. Antworten




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