Benimmregeln für Ausländer

Güzin Kar nennt 30 Tipps für jene, die noch nicht so lange dazugehören.

Unsere Kolumnistin Güzin Kar. Bild: Keystone

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1. Passt euch nicht an. Anpassung ist für Menschen ohne Ideen, und die Welt lebt von Veränderung.
2. Bekennt euch nicht zu Werten, denn dies ist nicht möglich.
3. Zu Gesetzen muss man sich nicht bekennen, diese gelten für alle, insbesondere für jene, die sich nicht daran halten.
4. Entschuldigt euch nur für Dinge, die ihr selbst getan habt.
5. Ihr geniesst hier kein Gastrecht, denn Gäste arbeiten nicht, und Menschen, die Länder mit Wohnhäusern verwechseln, sind ungebildet oder ignorant.
6. Schaut euch jene, die von euch korrektes Benehmen fordern, an. Wollt ihr so werden wie sie?
7. Wenn sich jemand vor euch und eurem Aus­sehen fürchtet, ist dies nicht euer Problem, sondern seines. Er hat sich zu entschuldigen, nicht ihr.
8. Lernt die Schweizer Geschichte, denn ihr seid Teil davon. Und eure Argumente werden dadurch schärfer.
9. Lernt und perfektioniert die Landessprache, damit ihr nicht nur scharf, sondern elegant seid.
10. Wann immer sich in den Blättern die Rufe nach Anpassung überschlagen, denkt daran: Journalisten arbeiten in einem unsicheren ­Metier. Sie müssen laut sein, um ihren Stuhl zu ver­teidigen.
11. Nicht nur sie haben Angst, dass ihr ihnen den Job wegnehmt, sondern alle, die von euch Zurückhaltung fordern.
12. Nehmt ihnen den Job weg, wenn ihr ihn besser könnt. Dies ist kein Diebstahl, sondern Marktwirtschaft.
13. Viele gute Menschen sitzen auf einflussreichen Posten. Seht sie als Verbündete an.
14. Man wird von euch Ernsthaftigkeit, Geräuscharmut und Demut erwarten. Seid salopp, laut und fordernd, wenn es keiner erwartet, und ernst, wenn ihr unterhalten sollt.
15. Lasst euch nie als Anschauungsmaterial benutzen, auch nicht von denen, die es gut meinen. Ihr seid kein Zoo.
16. Wenn jemand exzessiv die Sexualmoral anderer Völker kritisiert, ist dies meistens eine kaschierte Form von Faszination. Schlaft mit der Person, denn Sex mit Idioten kann lustig sein.
17. Wenn ihr aus irgendwelchen Gründen eure wahre Meinung verschweigen müsst, dann haltet die aufgezwungene nicht für die richtige.
18. Stellt alles infrage, und verhandelt alles, was euch wichtig ist.
19. Selbst Menschenrechte sind verhandelbar, sonst wären sie nie aufgeschrieben worden.
20. Auch Frauenrechte sind verhandelbar, sonst gäbe es das Frauenstimmrecht bis heute nicht.
21. Fragt euch bei allem, ob und wie man es besser machen könnte und was ihr dazu beitragen könnt.
22. Eure Vorschläge sind wertvoll. Gebt sie nicht unter Wert her.
23. Lasst euch nie gegen andere ohne Privilegien ausspielen.
24. Wenn euch Unrecht geschieht, wehrt euch und holt Hilfe. Das Land ist voller Menschen, die Gerechtigkeit leben und euch beistehen werden.
25. Helft denen, die Hilfe brauchen.
26. Vergesst nicht, gut zu essen.
27. Sucht die Poesie, denn sie zeigt eine andere Wahrheit.
28. Verlernt nicht zu küssen und zu lieben.
29. Seid diesem Land niemals für etwas dankbar, denn ihr seid Teil des Landes.
30. Macht alles anders, als es hier steht, denn in eurem Leben seid ihr die Experten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 15.01.2016, 12:20 Uhr)

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