«DRS-2-Mitarbeiter sind wahnsinnig verwöhnt»

Interview: Rico Bandle. Aktualisiert am 12.01.2009 64 Kommentare

Die Journalistin Margrit Sprecher hat ein Buch über Radio DRS 2 geschrieben – und nimmt darin kein Blatt vor den Mund. Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt sie, was am Kultursender am meisten stört.

Erstaunt über die Bedingungen bei DRS 2: Journalistin und Buchautorin Margrit Sprecher. (Foto: Fabian Biasio)

Erstaunt über die Bedingungen bei DRS 2: Journalistin und Buchautorin Margrit Sprecher. (Foto: Fabian Biasio)

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Das Buch

Margrit Sprecher: Das andere Radio DRS 2. Reportagen vom Bruderholz. Fotos von Lucia Degonda. Verlag Neue Zürcher Zeitung. 205 S., ca. 48 Fr.

Sie kritisieren die DRS-2-Macher in Ihrem Buch scharf. Sollte man DRS 2 abschaffen?
Nein, auf keinen Fall. Seit ich das Buch geschrieben habe, höre ich mehr DRS 2 als je zuvor. Ich begreife aber nicht, weshalb der Sender ausschliesslich bewundert und gelobt wird. Mit so viel Mitteln und Freiheiten ist es keine Kunst, ein gutes Kulturradio zu machen. Im Vergleich zu Print-Journalisten sind die wahnsinnig verwöhnt.

Wie sind Sie vorgegangen bei Ihrer Recherche?
Ich bin Reporterin, eigentlich wollte ich das Buch erst gar nicht machen, da es sehr schwierig ist, schreibend ein Radio zum Leben zu erwecken. Deshalb gibt es auch kaum Bücher über Radio. Die Herausforderung hat mich dann trotzdem gereizt, zudem konnte ich so ein Gebiet kennen lernen, von dem ich nichts wusste. Von Januar bis Mai war ich fast täglich im Studio oder habe Mitarbeiter begleitet bei ihren Einsätzen.

Was hat Sie dabei am meisten erstaunt?
Ich dachte, ich würde Journalistenkollegen antreffen, doch bei DRS 2 arbeitet eine ganz andere Gattung Leute. Das sind eigentlich gar keine Journalisten, sondern Kulturschaffende, die auch Radio machen. Sie sind, gewissermassen, Partei.

Sie waren neidisch?
Ich bin kein neidischer Mensch, aber ich habe gestaunt, dass dies möglich ist.

Das finden Sie nicht richtig?
Doch, das ist doch wundervoll, wenn die das können. Aber noch einmal: Ich finde, dass die uneingeschränkte Bewunderung, die dieser Sender rundherum erhält, nicht zuletzt auch für die DRS2-Mitarbeitenden gefährlich ist: Es verdickt die Wände ihres Elfenbeinturms.

Sie beschreiben die DRS-2-Mitarbeiter als weltfremd. Wie kommen Sie darauf?
Es sind alles wohl abgefederte Existenzen, in jeder Beziehung. Jeder hat seinen eigenen Arbeitsvertrag, mal 45, mal 75 Prozent, je nach Hobby oder Familiensituation.

Man könnte mehr aus dem Sender herausholen?
Nicht mehr herausholen, aber mehr wagen. Auf DRS 2 hört man eigentlich nur, was zuvor schon mit dem 1A-Kultur-Gütestempel abgesegnet wurde. Alles andere, gerade auch was jüngere Menschen interessiert, wird dort weniger behandelt.

Wie sähe für Sie ein idealer Kultursender aus?
Etwa wie Ö1. Die sind viel lebendiger, der Sender hat auch viel mehr Zuhörer. Auch in Deutschland gibt es Kultursender, die viel zupackender und aktueller sind. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2009, 16:41 Uhr

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64 Kommentare

Marc Baumann

05.01.2009, 15:19 Uhr
Melden

DRS2 ist d a s Ausnahmeradio in der Schweiz: Hochstehend und journalistischer Qualität verpflichtet. Ein solcher Sender ist nicht kostendeckend und braucht Mitarbeitende, die sich dafür engagieren. Dass sie dafür ein paar Privilegien haben, ist angesichts der kulturellen Leistung zumutbar. Sonst könnten wir z.B. auch die Grundlagenforschung abschaffen. Antworten


Boris Horlacher

05.01.2009, 13:39 Uhr
Melden

Ich kann mich nur den gelungenen Aussagen von Herrn R. Kaiser ( Mail von 10:15) anschliessen. Weiter so DRS2! Antworten



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