«Das ist nicht unser Satire-Verständnis»

Schock nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo»: Das Schweizer Satiremagazin «Nebelspalter» distanziert sich vom «Tabubruch zum Selbstzweck».

Marco Ratschiller: «Satire ist nicht das beste Mittel der Stunde, um die Medienfreiheit hochzuhalten.»

Marco Ratschiller: «Satire ist nicht das beste Mittel der Stunde, um die Medienfreiheit hochzuhalten.» Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Journalisten vom «Nebelspalter» sind schockiert vom Attentat auf die «Charlie Hebdo»-Redaktion. Das Schweizer Satiremagazin hat allerdings ein anderes Verständnis von Satire und Tabubruch in Zusammenhang mit Mohammed-Abbildungen.

Marco Ratschiller ist seit zehn Jahren Chefredaktor des «Nebelspalters». Er sagt: In dieser Zeit habe es keine einzige Drohung in Zusammenhang mit Glaube oder Religion gegeben.

«Keine exakte Wissenschaft»

Satire ist für Ratschiller «keine exakte Wissenschaft». Sie spiele mit Zweideutigkeiten und sei mitunter nicht das beste Mittel der Stunde, um die Medienfreiheit hochzuhalten.

Die «Nebelspalter»-Redaktion fährt denn auch einen anderen Kurs als «Charlie Hebdo». Laut Ratschiller habe man immer die Zielgruppe im Auge. Es gilt: die Menschen unterhalten und zum Denken anregen. Als das französische Magazin im Jahr 2012 Mohammed-Karikaturen publizierte, hat sich der «Nebelspalter»bewusst gegen einen Abdruck entschieden. «Das ist nicht unser Satire-Verständnis.»

Westen «versteht Bilderverbot nicht»

Ratschiller: Die westliche Kultur verstehe das Bilderverbot im Islam nicht. Dort sei die Darstellung Mohammeds ein Tabubruch.«Während wir selbst darin im Grunde nicht einmal eine satirische Pointe erkennen». Denn: Eine solche Karikatur habe eine Zielgruppe, zu der man nicht selbst gehört. Diese Form des «Tabubruchs zum Selbstzweck» mache der «Nebelspalter» nicht.

Die Redaktion der Zeitschrift liegt in ländlichem Gebiet und beschäftigt zudem zahlreiche freie Mitarbeitende. Sie dürfte also weniger exponiert sein als eine zentrale Redaktion in einer Grossstadt.

Der «Nebelspalter» erscheint seit 141 Jahren und ist laut eigenen Angaben die älteste Satirezeitschrift der Welt. Das deutschsprachige Magazin kommt zehn Mal pro Jahr heraus und hat eine Auflage von 21'000 Exemplaren.

Keinen Kommentar zu Fragen der Sicherheit abgeben wollte am Mittwoch Roger Köppel, Chefredaktor der «Weltwoche». Satiriker Andreas Thiel hatte in einer «Streitschrift» Ende November den Koran und Mohammed kritisiert und damit für Aufruhr gesorgt. (spu/sda)

(Erstellt: 07.01.2015, 23:19 Uhr)

Artikel zum Thema

«Man musste mit diesem Anschlag rechnen»

Interview Terrorexperte Guido Steinberg fragt sich, weshalb die Sicherheitsmassnahmen bei «Charlie Hebdo» nicht strenger waren. Mehr...

Terror in Paris: Attentäter sind identifiziert

Mehrere Stunden nach dem Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» in Paris ist die Identität der Täter geklärt. Die Polizei sucht zwei Brüder und einen Komplizen. Mehr...

#JeSuisCharlie

Der Pariser Anschlag ist auch auf Facebook und Twitter das grosse Thema. Irritation löst ein Tweet des Uvek aus. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Werbung

Blogs

Von Kopf bis Fuss Naomi Campbells «kleine Schwester»

Blog Mag Völlig unmöglich

TA Marktplatz

Die Welt in Bildern

Platte Mode: Wer als Kind gerne mit Paper Dolls spielte, wird sich allenfalls an den Kleidern erfreuen, welche Moschino an der Milan Fashion Week in Italien zeigt (22. September 2016).
(Bild: Tristan Fewings/Getty Images) Mehr...