Der Blockbuster im Gehirn

Die Gehirnaktivität beim Trailerschauen soll zeigen, ob ein Film zum Kassenschlager wird.

Fesselnd als Trailer, erfolgreich im Kino: «Noah».


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«Zeig mir deine Gehirnströme, und ich sag dir, ob aus einem Film ein Blockbuster wird.» Ungefähr so könnte man die Untersuchung «A Ticket for Your Thoughts» der beiden amerikanischen Neurowissenschaftler Samuel Barnett und Moran Cerf beschreiben. Die Erfolgsquote soll 20 Prozent höher liegen als bei herkömmlichen Messmethoden, zum Beispiel mit einem Testpublikum.

Das hört sich nach einer grandiosen Nachricht für Filmstudios in aller Welt an. Diese investieren oft viele Millionen pro Film (richtig grosse Kisten wie «Pirates of the Carribean» oder «Spiderman» können schnell zwischen 250 bis 350 Millionen Dollar kosten, die Marketingbudgets nicht eingerechnet), und das ohne zu wissen, ob sich der riesige finanzielle Aufwand überhaupt lohnt. Denn erst, wenn das Publikum im Kino sitzt, entscheidet sich, ob der Film zum Blockbuster wird oder floppt. Aber dann ist es leider schon zu spät, denn dann sind die Millionen bereits ausgegeben und werden schlimmstenfalls nicht wieder eingespielt.

Der Trailer ist bereits aufschlussreich

Viele Filmstudios testen ihre Filme deswegen schon während des Produktionsprozesses an einem Testpublikum, um abschätzen zu können, ob sie ankommen. Aber noch viel praktischer wäre es doch, wenn man schon viel früher, also bereits mit einem Trailer herausfinden könnte, wie gut ein Film möglicherweise ankommt und wo es harzt. Das dachten sich die beiden Neurowissenschaftler Samuel Barnett und Moran Cerf. Ihre Idee: die Hirnströme der Kinogänger beziehungsweise der Trailerzuschauer zu analysieren.

Barnetts und Cerfs Probanden durften sich einen Kinofilm ihrer Wahl anschauen und erhielten dabei eine Kappe mit Sensoren auf den Kopf gesetzt, die ihre Gehirnströme messen sollten. Nach dem Film mussten sie Fragen zu den Trailern beantworten, die sie vor dem Film zu sehen bekommen hatten; zum Beispiel, woran sie sich noch erinnern konnten, wie gut ihnen der Trailer gefallen hat und wie viel Geld sie ausgeben würden für den dazugehörigen Film. Diese Angaben verglichen die beiden Forscher mit den Hirnströmen während des Trailerschauens.

Je einfacher der Trailer, desto vielversprechender

Zudem untersuchten die Forscher, wie stark die Gehirnaktivität der verschiedenen Probanden übereinstimmte. Ihre These: Wenn ein Film beziehungsweise ein Trailer wirklich fesselnd ist, sieht die Gehirnaktivität der Testpersonen im Wesentlichen gleich aus. Es zeigte sich: Je übereinstimmender die Gehirnaktivität war, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Probanden sich an den Trailer erinnerten, und desto grösser der Betrag, den sie für den Film zu zahlen bereit gewesen wären. Und tatsächlich: Die drei Trailer mit den grössten Übereinstimmungswerten – «The Amazing Spider-Man 2», «Noah» und «X-Men: Days of Future Past» – spielten als Film am meisten Geld im Kino ein.

Trailer von «The Amazing Spider-Man 2»

Die Forscher untersuchten zudem, in welchem Moment die Zuschauer am stärksten gefesselt waren, und fanden heraus, dass wenn ein Trailer diesen Moment in den ersten 16 bis 21 Sekunden erreicht, die Wahrscheinlichkeit am grössten ist, dass der Film später ein Blockbuster wird. Am meisten vermochten Trailer mit einfacheren Inhalten, möglichst wenigen Worten und klarer visueller Sprache zu fesseln. Die These der beiden Forscher klingt bestechend, allerdings war die Anzahl der untersuchten Trailer – 13 Stück – relativ überschaubar. Ausserdem wurden hauptsächlich Action-, Superhelden- und Kinderfilme untersucht. Spannend wäre es, zu erfahren, ob die Methode auch mit ruhigen Filmen ohne viel Drama funktioniert.

Trailer von «X-Men: Days of Future Past» (dj)

Erstellt: 21.04.2017, 10:33 Uhr

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