Kultur

Der Computer wars!

Aktualisiert am 22.02.2011 100 Kommentare

Zuerst abstreiten, dann kleinreden: Wenn Plagiatoren auffliegen, wähnt man sich im Kindergarten.

1/5 Guttenberg bezeichnete die Plagiatsvorfürfe gegen ihn zuerst als unwahr. Später räumte er ein, Fehler gemacht zu haben. Inzwischen hat er seinen Doktortitel freiwillig abgegeben.

   

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Mit der Bandbreite des Internets stieg auch die Anzahl Plagiatoren. Doch die Liste der Plagiate aus Wissenschaft und Kunst war schon zuvor eindrücklich. Sie reicht von A wie Blaise Auriol bis Z wie Emile Zola. Irgendwo dazwischen reiht sich neuerdings bekanntlich der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ein. Und freilich treten Plagiate auch bei Journalisten auf. So verschieden die Plagiate, so ähnlich sind die Ausreden, wenn die Plagiatoren auffliegen. Hier die Top fünf:

1. Das Plagiat entstand unabsichtlich: Diese Ausrede ist mit Abstand die beliebteste. Auch Guttenberg griff auf sie zurück. «Zu keinem Zeitpunkt habe ich bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft von Textpassagen nicht kenntlich gemacht», hiess es in seiner ersten Stellungnahme vor ein paar Tagen.

2. Die plagierten Stellen sind nichts im Vergleich zur Bedeutsamkeit und schieren Masse des eigenen Werks. Mit dieser Ausrede einher geht meistens eine Verniedlichung der Plagiate, die typischerweise hypothetisch behandelt werden: «Sollte sich jemand durch versäumtes Setzen von Fussnoten...verletzt fühlen, so tut mir dies aufrichtig leid.» (Zitat Guttenberg)

3. «Wieso sollte ich überhaupt plagieren – das habe ich nicht nötig!»

4. Zeitdruck und Arbeitsbelastung waren immens. (Will heissen: Der Output des Plagiators ist beeindruckend gross und entschuldigt etwaige Inkorrektheiten).

5. Der Computer wars. Diese Ausrede hatte in Deutschland ein Chemiker vor Gericht parat. Er habe zum ersten Mal mit PDF-Dateien in einem Textverarbeitungsprogramm gearbeitet. Die kopierten Passagen sollten als Gerüst für seine Arbeit dienen - blieben dann wegen technischen Unwissens dummerweise liegen.

Greifen diese Ausflüchte nicht, kann es in ganz seltenen Fällen vorkommen, dass sich ein Plagiator schuldig bekennt. Seit dem Guttenberg-Fall ist ausserdem eine weitere Strategie bekannt: Man pocht auf seine Unschuld, verzichtet aber grosszügig auf den fragwürdig erarbeiteten Titel. Auch eine Art Entschuldigung. (phz)

Erstellt: 22.02.2011, 15:17 Uhr

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100 Kommentare

Thomas Läubli

23.02.2011, 22:53 Uhr
Melden 2 Empfehlung

"Es wird so viel gelogen und betrogen, dass man ruhig alle lügen und betrügen lassen soll." Sind wir etwa schon so weit? Ist der Antiintellektualismus und der Geistessozialismus schon überall angekommen, so dass ein "Dr." einfach ein dämlicher Titel ist, der nichts aussagt? Dann lebt weiter in eurer Paris-Hilton-Traumwelt und fühlt euch "happy", dass ihr mit Lügen und Betrügen durchs Leben kommt. Antworten


Manfred Grieshaber

23.02.2011, 01:06 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Wieso redet niemand über seine grossartige Leistung, die Abschaffung der Wehrpflicht. Er brachte es fertig eine heute nur noch störende Tradition innert kürzester Zeit abzuschaffen. Und das obwohl er damit vielen im öffentlichen Dienst ihre Pfründe entriss.Das hat vor ihm noch keiner geschafft. Und wieso spricht niemand von seinem Doktorvater, der hat seine Arbeit als korrekt befunden. Antworten




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