Der Menschheit letztes Stündlein
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 02.07.2009 49 Kommentare
Wer den Trailer zum Blockbuster «2012» gesehen hat, weiss: Unser letztes Stündlein hat schon bald geschlagen. Am 21.12.2012 nämlich geht die Welt unter – und zwar spektakulär: In Rio donnert die riesige Jesus-Statue talwärts. Den Bischöfen im Vatikan fällt die sixtinische Kapelle auf die Häupter. Und in den USA schleudert ein Mega-Tsunami einen Flugzeugträger aufs Weisse Haus.
Umweltkatastrophe? Alienangriff? Nein, viel schlimmer: Schicksal. An besagtem Datum endet der Maya-Kalender und mit ihm die Menschheit, oder zumindest unser «Zeitalter», dessen sind sich Internet-Propheten und Esoteriker sicher. Der Grund für die Mayas, ihren Kalender 3114 vor Christus zu starten, sei die Ankunft der Götter gewesen. Und am Ende stünde deren Rückkehr. Uneinigkeit herrscht noch über die Details des Untergangs. Auf den geradezu metastasierenden «2012»-Sites schwankt man zwischen «Verschwinden in einem schwarzen Loch» und einer «Planetenkollision». Aber nicht verzagen: Es besteht durchaus die Möglichkeit eines «Aufstiegs in eine neue spirituelle Dimension».
Erich von Dänikens Vorhersage
Die Endzeitstimmung im Web ist auch den Machern von «2012» nicht entgangen. Im Trailer-Abspann raunt eine Männerstimme: «Entdecke die Wahrheit - suche nach 2012». Und wo ein Hype ist, sind Geschäftemacher nicht weit. Bereits unzählige Bücher wurden zum Thema verfasst. Etwa «2012: Das Ende aller Zeiten», ein Thriller im Dan-Brown-Stil. Und natürlich haufenweise New-Age-Literatur mit Titeln so kompliziert wie der Maya-Kalender selbst: «Zeitenwende 2012: Globale Transformation, das Erwachen der Menschheit und der Beginn des Goldenen Zeitalters» oder «Die Welt nach 2012: Zeitalter der Erleuchtung oder das Ende aller Tage?»
Weitere Höhepunkte der apokalyptischen Lektüre sind das «Survival-Handbuch für 2012 und danach» sowie der «Complete Idiot’s Guide to 2012» (keine Ironie!). Ein Buch von Erich von Däniken zum Kalenderende fehlt (bisher). Stattdessen verkündet der Schweizer Ufo-Spezialist in Talkshows, dass am 21.12.2012 «etwas Ungeheuerliches passieren wird». Wir sind gespannt. Damit man den Weltuntergang nicht verpasst, gibts übrigens eine iPhone-Applikation, die einen per Countdown auf dem Laufenden hält. Und die Möglichkeit, ein SMS an das zukünftige Ich zu schicken.
«Apocalypse no?»
Über Menschen, die auf ihrem Hightech-iPhone einen steinzeitlichen Kalender konsultieren, kann Vincent Malmström nur den Kopf schütteln. Der Geograph hat sich jahrelang mit dem Maya-Kalender beschäftigt. Sein Fazit: Dem ominösen Datum kommt keinerlei Bedeutung zu. Malmströms komplizierte aber einleuchtende Erklärungen sind online nachzulesen. An gleicher Stelle gibt der Professor seiner Hoffnung Ausdruck, dass 2012 nicht das gleiche esoterische Tamtam generiere wie einst der Hale-Bopp-Komet oder Y2K.
Fehlanzeige, Herr Professor. Die Erlösungssehnsüchte werden auch dieses Mal auf allen Kanälen bedient. Ob sie auch erfüllt werden, wissen wir am 21.12.2012. Spät-Blumenkinder, Verschwörungstheoretiker und Ekstatiker sollten dann einen weiten Bogen um Rio und den Vatikan machen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.07.2009, 10:29 Uhr
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49 Kommentare
Ich würde das ganze mal aus einer positiven sicht anschauen, als eine Bewusstseins-Revolution, so wie es Stanislav Grof, M.D. verdeutlicht in seinem Essay von der 2012 Konferenz letzten Mai in Fort Collins, Colorado USA. 2012 and Human Destiny: End of the World or Consciousness Revolution? http://www.gaiamedia.org/content/english/templates_06_medien/artikel_e_2012.ht Antworten
Ich würde das ganze mal aus einer positiven sicht anschauen, als eine Bewusstseins-Revolution, so wie es Stanislav Grof, M.D. verdeutlicht in seinem Essay von der 2012 Konferenz letzten Mai in Fort Collins, Colorado USA. 2012 and Human Destiny: End of the World or Consciousness Revolution? http://www.gaiamedia.org/content/english/templates_06_medien/artikel_e_2012.ht Antworten
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