Der kleine Unterschied
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 30.05.2011 23 Kommentare
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Es gibt ja allerhand Unterschiede und entsprechend auch allerhand Missverständnisse zwischen den Geschlechtern. Das mache die Sache doch gerade spannend, finden die Optimisten und sind ob der anstehenden Herausforderungen euphorisiert, während die Pessimisten eher dazu neigen, die Differenzen als derart schwerwiegend zu betrachten, dass recht eigentlich von einer Unvereinbarkeit gesprochen werden müsse.
Und weil ja das Thema sozusagen ein ewiges ist und die Problematik ungelöst, dient sie als steter Quell für Studien und Untersuchungen, die Licht ins Dunkel bringen wollen. Wobei in der Regel nur bestätigt wird, was man eh schon weiss – da hilft es auch nicht, wenn sich eine Universität des Sujets annimmt. So berichtete unlängst die englische «Times» von der Analyse einer Uni, die zum vollkommen überraschenden Resultat kam, dass immens unterschiedliche Erwartungen bestünden, wenn ein Paar beschlossen habe, zusammenzuziehen – ja sie würden nachgerade auseinanderklaffen, denn die Überlegungen, auf denen der Schritt beruhe, seien gänzlich verschieden. Die Frau denke: Das läuft auf Heirat und Kinder hinaus. Oder anders gesagt: Jetzt mache ich den Sack zu! Der Mann denke: Das verspricht mehr Sex. Oder anders gesagt: Sex.
Bleichcreme auf die Schnurrbarthaare
Der Punkt ist: Die Frau hat recht. Der Weg zu ihrem Ziel wird zwar ein steiniger sein, aber sie wird bekommen, was sie will. Zunächst wird sie seiner stupenden Neigung zur Unordentlichkeit und seiner mangelnden Körperhygiene und seines exzessiven Fernsehkonsums und seiner ausgeprägten Schweigsamkeit wegen immer mal wieder mit dem Ausziehen drohen. Das wiederum möchte er anfangs noch verhindern, weil eben, die Sache mit dem Sex. Dann aber stellt er irgendwann fest, dass das ohnehin eine Fehlüberlegung war. Dass sie nämlich nicht länger diesen raffinierten Hauch von nichts trägt, wenn man ins Bett geht. Dass sie stattdessen mehr so auf die praktische Schiene geraten ist und ausgeleierte T-Shirts bevorzugt. Dass sie abgesehen davon zweimal wöchentlich eine Gesichtsmaske aufträgt und Bleichcreme auf die Schnurrbarthaare, Vorgänge, von deren Existenz er bis zum Zusammenziehen nichts wusste und auf deren Kenntnis er gerne verzichtet hätte, denn er findet sie doch der Erotik in ausgeprägtem Masse abträglich.
Die gegenseitige Entzauberung wird also kolossal sein. Weil aber das Leben zeigt, dass die meisten Paare dennoch irgendwann heiraten und Kinder bekommen, lässt das nur einen Schluss zu: Dem genau durchdachten Lebensplan im weiblichen Kopf hat der Mann schlicht nichts entgegenzusetzen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 30.05.2011, 07:10 Uhr
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