Kultur

Die Feinde des Herbsts

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 01.11.2011 109 Kommentare

Weshalb auch elektrische Laubbläser ein Ärgernis sind.

Trotz neuem Hochfrequenzton: Laubbläser bleiben eine dubiose Sache.

Trotz neuem Hochfrequenzton: Laubbläser bleiben eine dubiose Sache.

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Die Stadt Zürich will offenbar ihr Laubbläser-Arsenal umrüsten. Statt mit Benzin betriebene Maschinen, will man dem Herbst mit elektrischen Geräten zu Leibe rücken. Doch die Ungeheuerlichkeit von Laubbläsern ist damit nicht gebannt. Zwar sind die neuen Dinger leiser, aber sie lärmen nichtsdestotrotz, in einer höheren Frequenz – «was gewisse Ohren weniger störend empfinden mögen als das tiefe Brummen herkömmlicher Geräte», heisst es bei Grün Stadt Zürich.

Wer nachts im Schlafzimmer schon mal von einer Mücke belästigt worden ist, weiss: Hochfrequenztöne sind Folter. Aber wir wollen den neuen Ton nicht vorverurteilen. Vielleicht ist das Säuseln eines Laubbläsers ja tatsächlich Musik in gewissen Ohren. Ob sich der neue Klang allerdings auch bei den privaten Laubbläsern durchsetzen wird, ist eine andere Frage. In Amerika jedenfalls, wo es bereits leisere Modelle gibt, kaufen die Laub-Rambos nach wie vor die alten Geräte – weil sie den neuen nichts zutrauen. Das Geräusch ist ihnen zu wenig röhrend, zu wenig maskulin. Man kennt das vom Sounddesign für Rasierapparate: Ein Model für Männer klingt aggressiver als ein Epiliergerät.

Sauberkeitstandards?

In Amerika, im Land des goldenen Indian Summer, sind Laubbläser übrigens in vielen Städten verboten. Nicht nur wegen des Lärms, der ja nur eine von vielen Plagen ist, die Laubbläser mit sich bringen. So wirbeln die Maschinen ein toxisches Partikel-Gemisch in die Luft, das dort tagelang hängenbleibt. Wenn einem also schon das Rauchen verboten wird, sollte man auch den Laubbläsern den Garaus machen. Zumal das Laub unter den Büschen Insekten und Kleintieren Unterschlupf bietet und die Verrottung der Blätter den Boden nährt.

«Es ist uns bewusst, dass der Einsatz von Laubbläsern problematisch ist. Doch wir sind darauf angewiesen, wenn wir den Sauberkeitsstandard auf dem heutigen Niveau aufrechterhalten wollen», gibt Grün Stadt Zürich zu. In diesem Statement gipfelt das grösste Ärgernis von Laubbläsern: Die spiessige Überzeugung, dass man irgendeinen Sauberkeitsstandard zu erfüllen habe. Als ob ein Hinterhof oder eine öffentliche Wiese mit Laub eine verschmutzte Toilette sei.

Sehen die Verwaltungen den faustischen Pakt nicht? Die Höllenmaschinen versprechen Ordnung, doch der Preis dafür ist hoch, zu hoch. Lärm, toxische Partikel, Kleinkriege unter Nachbarn. Vom brutalen Eingriff in die Herbststimmung ganz zu schweigen. Dass die Laubbläser jetzt elektrisch sind, mag Grünliberale zum Jubeln bringen. Freunde der Jahreszeit aber wissen: Blätter sollten jetzt zu Boden schaukeln, nicht den umgekehrten Weg nehmen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.11.2011, 13:00 Uhr

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109 Kommentare

Caroline Egger

01.11.2011, 08:20 Uhr
Melden 47 Empfehlung

Es ist eine glatte Lüge, zu behaupten, dass man die Bläser benötige, um an Stellen zu gelangen, die mit dem Rechen nicht erreichbar sind: es gibt kleine, handliche Rechen, mit denen man überall hinkommt. Dass es mit Laubbläsern schneller geht, stimmt überhaupt nicht. Man benützt sie, weil es sie gibt und weil die Jungs sich mit einem dröhnenden Gerät wichtiger vorkommen als mit einem simplen Reche Antworten


Amon Scherrer

01.11.2011, 09:23 Uhr
Melden 29 Empfehlung

Da werden sogar Blätter und Büschen hervorgeblasen. Am Ende hat der Igel kein Winterquartier mehr. Antworten



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