Die Krankpflegerin

Jahrelang untersuchten mehrere Ärzte die kleine Sara. Vergeblich. Als sie herausfanden, was mit ihr los war, erschütterte sie der Befund mehr als jede Krankheit.

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Sara * kommt mit der Nabelschnur um den Hals zur Welt. Die Hebamme versucht, die Umschlingung zu lösen. Doch das gelingt ihr erst nach einigen Sekunden. Der erlittene Sauerstoffmangel führt bei Sara zu wiederholten Atemstillständen. Apnoen, wie die Ärzte den Eltern sagen. Nicht weiter schlimm, beteuern sie, und in ein paar Wochen ganz verschwunden, genau wie bei anderen Neugeborenen auch.

Sieben Tage später dürfen Judith und Bruno ihre Tochter mit nach Hause nehmen. Endlich eine Schwester für die fünfjährige Salome. Endlich ein gesundes Kind nach einer Fehlgeburt im fünften Monat. Im Kinderzimmer stapeln sich Geschenke von Freunden. Kleider in allen Farben, Gummienten für die Badewannen, eine Wärmeflasche in Herzform, drei Schnuller, ein Stoffhund. Salome nennt ihn Topsi. Alles ist gut. Wenn da nur nicht Saras Atemstillstände wären, sie kommen meistens im Schlaf.

Zur Kontrolle besucht Judith mit Sara alle zwei Wochen Kinderarzt Martin Weber. Er hat seine Praxis in der Nähe der Familie, die Fahrt ins Spital erübrigt sich, zumal die Mutter selbst Pflegefachfrau ist. Sie weiss, wie sie bei einem Atemstillstand reagieren muss. Bei schweren Anfällen manchmal läuft Sara blau an stimuliert Judith das Kind mit sanftem Streicheln, bis es wieder atmet. Gewissenhaft rapportiert sie dem Kinderarzt die mehrmals wöchentlichen Atemstillstände. Sie macht sich Sorgen. Weber hört zu, fragt nach, gibt der Mutter zusätzliche Ratschläge.

Vier Monate nach der Geburt sind die Apnoen bei Sara noch immer nicht verschwunden. Das ist unüblich. Vielleicht sind es keine Atemstillstände, denkt Martin Weber, sondern Krampfanfälle. Vielleicht leidet das Mädchen an frühkindlicher Epilepsie. Weber überweist Sara zur Abklärung an das nächste Kinderspital. Gerechtfertigt scheint ihm dies aus zwei Gründen: Zweimal, als Sara aufhörte zu atmen, litt sie gleichzeitig an Fieber. Fieber senkt die Schwelle für Krampfanfälle, das weiss Weber. Zudem ist das Mädchen nach den Atemaussetzern auffällig müde. Ebenfalls ein charakteristisches Verhalten nach Krämpfen. Weber teilt den Eltern seinen Epilepsieverdacht mit. Sie begrüssen die Überweisung. Wir müssen herausfinden, was mit Sara los ist, sagt die Mutter.

Im Kinderspital wird Sara von der Fachärztin Christa Gredig untersucht. Zur umfangreichen Abklärung gehört unter anderem ein Elektroenzephalogramm oder EEG. Zwanzig Elektroden an Saras Kopf zeichnen die elektrische Aktivität der Nervenzellen in ihrem Gehirn auf. Mit im Bettchen liegt Stoffhund Topsi. Die halbstündige Messung von Saras Hirntätigkeit zeigt nichts Auffälliges. Für Gredig kein Grund zur Entwarnung. Gerade bei Kleinkindern schliesst dies Epilepsie nicht zwingend aus. Aber auch andere Untersuchungen wie der Ultraschall von Saras Gehirn durch die offene Fontanelle bleiben ergebnislos. Für den Notfall gibt die Ärztin der Mutter das krampflösende Medikament Diazepam nach Hause, besser bekannt unter dem Namen Valium.

Drei Wochen später erleidet Sara am frühen Morgen ihr Vater Bruno ist bereits in der Gärtnerei einen besonders heftigen Anfall. Beim Wickeln verdreht sie plötzlich die Augen nach oben, Arme und Beine verkrampfen sich, zucken anschliessend rhythmisch. Judith verabreicht ihrer Tochter sofort das krampflösende Medikament Valium, nach ein paar Minuten lassen die Zuckungen nach. Sara schläft vor Erschöpfung ein. Kinderarzt Weber interpretiert die Schilderungen der Mutter später als tonisch-klonischen Krampfanfall. Also doch Epilepsie.

Nach Rücksprache mit der Fachärztin am Kinderspital beschliesst Weber, Sara vorbeugend mit einem Antiepileptikum zu behandeln. Valium, nur für den Notfall gedacht, reicht nicht mehr aus. Ausschlaggebend für die Epilepsietherapie sind neben dem schweren Krampfanfall die präzisen Erzählungen der Mutter, die als Pflegefachfrau bereits ähnliche Anfälle bei Patienten beobachtet hat. Weber instruiert die Eltern in der Praxis über die abzugebende Tropfenmenge und macht sie auf die starken Nebenwirkungen des Medikaments aufmerksam. Judith begreift schnell. Fortan wird sie es sein, die das Medikament der Tochter verabreicht. Am Boden baut die fünfjährige Salome einen Turm mit Holzklötzen.

Immer mehr Krämpfe

Zehn Tage später, es ist ein Freitag, erleidet Sara erneut einen Anfall. Er dauert vier Minuten. Montag, sieben Minuten. Dienstag, drei Minuten. Mittwoch, acht Minuten. Sonntag, zwei Minuten. Saras Krämpfe häufen sich, sie finden jetzt täglich statt. Manchmal sogar mehrmals, erzählt die Mutter. Als Kinderarzt Weber die Tropfendosis nach Absprache mit Fachärztin Gredig erhöht, bleiben die Krämpfe für drei Wochen aus. Dann beginnen sie von neuem. Krämpfe am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonntag, zweimal am Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag. Bei besonders heftigen Krämpfen führt Judith ihrer Tochter mittels Rektiolen Valium in den After ein.

Bruno ist in der Gärtnerei, wenn die Anfälle passieren, nachts schläft er. Er arbeitet viel. Doch auch ihm fällt auf, was seine Frau dem Kinderarzt meldet: Mit sieben Monaten ist Sara plötzlich verändert. Müder, ruhiger, abwesender, benommener. Der Blick wie verladen. Das sind die Nebenwirkungen des Valiums, erklärt Weber. Und mahnt: Das Medikament ist wirklich nur für Notfälle bestimmt. Judith nickt. Nach der Sprechstunde setzt sich Weber an seinen Tisch. Denkt nach. Das arme Kind, die vielen Krämpfe. Hoffentlich schlägt die Therapie bald an. Dann ruft er seine Frau an. Ich komme jetzt nach Hause. Sind die Buben schon da?

Nach weiteren vier Wochen wirkt das Anti-Epileptikum noch immer nicht. Weber und Gredig wundern sich. Sie ordnen eine Magnetresonanztomografie von Saras Gehirn an. Vielleicht hat das Mädchen ja einen Hirntumor, denken sie. Auch dieser könnte die epileptischen Anfälle auslösen. Doch das MRI fördert nichts Auffälliges zutage. Drei Tage später krampft Sara erneut. Erhöhung der Dosis, keine Veränderung, Krämpfe, Krämpfe, Krämpfe, Krämpfe.

Mit neun Monaten bringen Saras Eltern ihre Tochter mit Verdacht auf eine schwere Mittelohrenentzündung ins Kinderspital. Der Befund bestätigt sich, Sara bleibt für zwei Nächte auf der Station. An ihrer Seite: Mutter Judith und Stoffhund Topsi. In der zweiten Nacht erleidet Sara einen heftigen Krampfanfall. Die Mutter klingelt, ruft um Hilfe, doch niemand hört sie. Sie verabreicht der Tochter Valium. Am nächsten Morgen berichtet sie den Ärzten und Krankenschwestern, was passiert ist. Warum hat mir niemand geholfen, sagt sie. Warum hat die Klingel nicht funktioniert. Wir haben Sie nicht rufen gehört, sagen die Krankenschwestern. Die Klingel hat doch funktioniert.

Kinderarzt Weber rät den Eltern nach dem aufwühlenden Vorfall, die Tochter an einem zweiten Kinderspital abklären zu lassen. Er sagt: Lassen Sie uns eine Zweitmeinung einholen. Er denkt: Irgendetwas stimmt hier nicht. Die Pflegefachfrauen beteuern, dass die Klingel in jener Nacht einwandfrei funktioniert habe. Die Mutter ist die einzige Zeugin der Anfälle. Zudem sind die Eltern der Forderung, einen der Anfälle mit ihrer Videokamera aufzuzeichnen, noch immer nicht nachgekommen. Kamera im Auto, Kamera bei den Nachbarn, Kamera in der Küche, Batterien leer. Dabei würden die Aufnahmen doch helfen, denkt Weber.

Die Untersuchungen am zweiten Kinderspital ergeben wieder nichts. Falls Sara erneut krampft, müssen Sie unbedingt Videoaufnahmen machen, damit wir die Anfälle genauer untersuchen können, mahnen die Ärzte. Unbedingt. Wenige Wo- chen später meldet die Mutter dem Kinderarzt neue Krämpfe. Doch die Videokamera funktioniert nicht. Salome, die ältere Tochter, hat sie versehentlich fallen gelassen, sie muss repariert werden, sagt Judith.

Valium, immer wieder

Bei der nächsten Arztkontrolle ist Sara müde. Benommen. Apathisch. Weber kommt ein zweites Mal auf den hohen Verbrauch des Notfallmedikaments zu sprechen. Die Mutter bestätigt ihn. Was soll ich denn machen, wenn Sara krampft. Ich will doch, dass es ihr besser geht. Der Arzt wiederholt: Valium nützt als Prophylaxe nichts und ist bei kurzen Krämpfen unnötig. Er ruft die Apotheke an, wo Judith, wie alle Epilepsieeltern, ein Dauerrezept für das Notfallmedikament hat. Immer wieder, erfährt Weber dabei vom Apotheker, holt die Mutter neue Valiumrationen ab. Als er Judith beim nächsten Besuch darauf anspricht, liefert sie, wie immer, eine plausible Erklärung. Bei den Grosseltern vergessen, zu lange an der Sonne gelegen, aus der Tasche gefallen, abgelaufen.

Sara ist inzwischen elf, zwölf, dreizehn, vierzehn Monate alt. Weil das Anti-Epileptikum noch immer nichts nützt, beschliesst das Kinderspital eine neue Therapie. Ein anderer Wirkstoff, Sirup statt Tropfen. Auf die Videoaufnahmen warten die Ärzte noch immer vergeblich. Auch Kinderarzt Weber mahnt die Mutter: Lassen Sie die Kamera doch einfach laufen. Die Anfälle treten ja so häufig auf.

Bei den Untersuchungen in der Kinderarztpraxis, zu denen die Mutter fast immer ohne ihren Mann erscheint, hilft sie tatkräftig mit. Äusserst professionell, wie Weber auffällt. Im Umgang mit ihren eigenen Kindern verhalten sich meine Arztgehilfinnen stets gehemmter als mit fremden Kindern. Zurückhaltender. Besorgter. Bei Saras Mutter, der Pflegefachfrau, geht alles zack, zack. Blut abnehmen, zack, zack, impfen, zack, zack. Auch hat sie, anders als andere Eltern, keine Mühe damit, ihrem Kind Medikamente zu geben, denkt Weber. Am Abend bringt er seine beiden Söhne ins Bett. Als sie schlafen, sagt er leise: Hätte einer von euch Epilepsie, würde ich alles dafür tun, möglichst bald einen Krampfanfall auf Video aufzuzeichnen.

Bei einer Kontrolle vier Wochen später fällt dem Kinderarzt erneut Saras Verhalten auf. Apathisch, müde, matt. Ihr Blick ist verschleiert. Mehrfach lässt sie Stoffhund Topsi fallen. Weber fragt die Mut- ter: Haben Sie Ihrer Tochter Valium gegeben? Nein, sagt die Mutter. Sind Sie sicher, hakt der Arzt nach. Ja, sagt die Mutter, ich bin sicher. Weber denkt: Das kann nicht sein. Und nimmt an Saras Urin heimlich ein Drogenscreening vor. Es ist positiv.

Plötzlich macht alles Sinn, ordnet sich zu einem einzigen, glasklaren Ge- danken: Münchhausen-Stellvertretersyn-drom. Sara hat keine Epilepsie. Die Mutter erfindet die Anfälle. Sie verabreicht ihrer Tochter Valium, das diese nicht braucht. Sie ist gesund. Krank ist die Mutter.

Lass Dir nichts anmerken!

Der Arzt ist erschüttert. Will die Mutter anschreien. Sie misshandeln Ihr Kind! Doch er sagt nichts. Nach der Untersuchung ruft er die Fachärztin am Kinderspital an. Behalten Sie den Laborbefund für sich, sagt Gredig. Sonst ist die Mutter weg und sucht einen neuen, unwissenden Arzt auf. Das ist bei vielen Münchhausen-Müttern so. Lassen Sie uns die Frau weiter beobachten. Wir brauchen mehr als nur diesen Beweis. Weber ist einverstanden. Und doch, sagt er zur Fachärztin, ist die Situation unwahrscheinlich schwierig für mich. Ich lüge die Mutter an, sage den Eltern nicht, was ich weiss. Und vor allem: Ich setze Sara weiterhin den Misshandlungen aus. Ich will, ich muss Sara schützen. Ja, sagt Gredig, das machen Sie. Indem Sie die Mutter möglichst im Glauben lassen, dass alles in Ordnung ist. Sonst ist Sara verloren. Weber legt auf. Blickt zum Fenster hinaus. Im Hof der Praxis spielen zwei Kinder mit einem jungen Hund.

Mit achtzehn Monaten läuft Sara. Endlich, sagt die Mutter. Den Grosseltern fällt auf, dass das Mädchen immer wieder hinfällt, torkelt, wie betrunken. Einen Krampfanfall beobachten sie jedoch nie, ebenso wenig Vater Bruno und Schwester Salome. Sara krampft noch immer mehrmals pro Woche, erzählt die Mutter dem Kinderarzt. Weber presst die Hände gegeneinander. Richtet sich in seinem Stuhl auf. Lass dir nichts anmerken! Sagt dann: Ich verstehe. Wir müssen uns weitere Schritte überlegen.

Plötzlich macht alles Sinn: Sara ist gesund. Krank ist die Mutter.

Am nächsten Tag überweist er das Mädchen an ein Epilepsiezentrum. Ein Langzeit-EEG über zwei Nächte ist unauffällig. Auch einen Krampfanfall registriert der behandelnde Arzt Felix Schulz nicht. Diagnose: frühkindliche generalisierte Epilepsie mit tonisch-klonischen Anfällen. Denn auch für Schulz gilt: Ein unauffälliges EEG schliesst, besonders bei Kleinkindern, Epilepsie nicht aus. So steht es in der Fachliteratur. Und: Solange sich der Verdacht gegen die Mutter nicht bestätigt, gilt die Unschuldsvermutung. Judith sagt, sie erlebe die Anfälle mit, sie schildert sie präzise, also muss man ihr glauben und sie weiter beobachten. Bei der Besprechung verhält sich Judith wie das EEG unauffällig. Nicht sonderlich besorgt zwar, aber korrekt. Schulz fordert die Eltern auf, unmittelbar nach dem nächsten Anfall ins Kinderspital zu fahren. Vielleicht haben wir dann die Chance, Veränderungen im EEG zu sehen, sagt Schulz. Doch dazu kommt es nie.

Bei einer weiteren Abklärung vier Monate später wirkt Sara erneut wie sediert. Sie torkelt, fällt beim Laufen um. Die Fachärztin Gredig fragt die Mutter: Haben Sie dem Mädchen Valium gegeben? Nein, sagt die Mutter, schon seit drei Wochen nicht mehr. Sind Sie sicher? Ja, ich bin sicher. Gredig denkt: Also stimmt unser Verdacht doch. Münchhausen-Stellvertretersyndrom. Die Mutter ist krank. Erfindet die Anfälle. Vergiftet das Mädchen mit Valium. Tatsächlich ist das Drogenscreening von Saras Urin positiv. Gredig ruft Kinderarzt Weber an. Es ist wieder passiert, sagt sie. Jetzt müssen wir handeln. Die Ärzte schalten die Kinderschutzgruppe des Kinderspitals ein. Sie kümmert sich um Kinder, bei denen Verdacht oder Gewissheit besteht, dass sie misshandelt werden.

Die Kinderschutzgruppe, das sind Kinderärzte, Kinderpsychiater, Pflegefachleute und Juristen, beruft sofort eine Sitzung ein. Weber und Gredig erklären ihren Verdacht. Das Risiko, dass dem Kind etwas passiert, ist zu gross, als dass man länger zuwarten könnte: Das finden alle. Wir müssen Sara der Mutter wegnehmen. Der Kaffee auf dem Tisch bleibt unberührt. Die Kinderschutzgruppe beruft eine zweite Sitzung ein, dieses Mal mit Remo Stucky, dem Vormundschaftspräsidenten des Wohnorts der Familie. Stucky hat noch nie vom Münchhausen-Stellvertretersyndrom gehört. Doch was die Ärzte erzählen, erschreckt ihn. Eine Krankheit, bei der Erwachsene, fast immer Mütter, bei ihren Kindern Krankheiten erfinden oder aber aktiv verursachen, um eine medizinische Behandlung zu verlangen. Um sich die Aufmerksamkeit der Ärzte zu sichern.

Zur Erklärung führt die Kinderschutzgruppe Stucky ein Video aus den USA vor, heimlich in einem Spital aufgenommen. Eine Mutter drückt ihrem Kind ein Kissen auf den Kopf, sekundenlang. Dann schreit sie um Hilfe und behauptet, das Kind hätte einen akuten Atemstillstand erlitten. Der Vormundschaftspräsident hört weitere Beispiele: Eine Mutter spritzt ihrem Sohn Luft in die Adern, um seinen Aufenthalt im Spital zu verlängern. Eine andere bricht ihrer Tochter heimlich Beine und Arme, schlägt mit dem Hammer auf die Bruchstellen und infiziert die Wunden mit Schmutz. Gemeinsam mit Ärzten wundert sie sich später über die seltsamen Infektionen am Körper ihres Kindes. So eine Mutter lebt in unserem Dorf, denkt Stucky.

Sie wird nicht mit den Misshandlungen aufhören. Sie kann nicht.

Der Vormundschaftspräsident erfährt, dass die ungewöhnliche Mutter-Krankheit 1977 vom britischen Kinderarzt Roy Meadow entdeckt wurde. Bei einer sechsjährigen Patientin fand dieser immer wieder Blut im Urin aber keine Ursache. Dann stellte sich heraus, dass die Mutter des Mädchens ihr eigenes Blut in die Urinproben gemischt hatte. Den Namen für die Erscheinung wählte Meadow in Anlehnung an das 1952 entdeckte und nach dem deutschen Lügenbaron Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen benannte Münchhausen-Syndrom, bei dem Patienten Krankheiten vortäuschen oder sich selbst verletzen.

Noch weiss Vormundschaftspräsident Stucky nicht, wer die Frau in seinem Dorf ist. Doch was die Ärzte erzählen, klingt plausibel für ihn. Nur die Mutter hat die Anfälle beobachtet, sämtliche abgeleiteten EEG sind unauffällig, die Valiumwerte im Urin trotz gegenteiliger Behauptung der Mutter positiv alles Indizien, die gegen die Frau und für eine Kindesmisshandlung sprechen. Stucky weiss auch: Wenn dem Kind etwas passiert, trage ich die Verantwortung. Er stimmt dem Vorschlag der Kinderschutzgruppe zu, Sara für drei Monate zur eingehenden Abklärung in ein Epilepsiezentrum zu bringen. Stationär, ohne Kontakt zur Mutter. Zwei Monate, so deren Behauptung, habe die längste Pause zwischen zwei Krampfanfällen gedauert. Tauchen im Epilepsiezentrum während dreier Monate keine Anfälle auf, erhär-tet sich der Verdacht auf Misshandlung. Sind sämtliche in dieser Zeit abgeleiteten EEG weiterhin unauffällig, ist dies ein weiterer Beweis. Gegen die Epilepsie. Für das Münchhausen-Stellvertretersyn- drom. Auch das Epilepsiezentrum ist einverstanden mit dem Vorgehen.

Keine Wut, ein paar Tränen

Dann geht alles schnell: Die Kinder-schutzgruppe erlässt eine Gefährdungsmeldung, die Vormundschaftsbehörde setzt schriftlich einen Obhutsentzug auf. Darauf bestellen die Ärzte Judith und Sara unter einem Vorwand ans Kinderspital. Anders geht es nicht, erklären sie Vormundschaftspräsident Stucky. Wieso sagen Sie ihr nicht, sie solle mit den Misshandlungen aufhören, fragt er. Drohen Sie ihr doch mit dem Obhutsentzug, dann lenkt sie bestimmt ein. Einer Mutter das Kind wegzunehmen, ist brutal. Das stimmt, sagen die Ärzte, aber mit Drohungen kommen wir bei dieser Mutter nicht weit. Sie wird nicht mit den Misshandlungen aufhören. Sie kann nicht. Sie ist psychisch krank.

Vater Bruno ist an einer Gartenbaumesse im Ausland, Tochter Salome im Kindergarten, als Judith mit Sara am Tag darauf ins Kinderspital kommt. Dort erwartet sie der Leiter der Kinderschutzgruppe, Kinderarzt Werner Zimmermann. Er sagt: Wir müssen klären, ob Ihre Tochter tatsächlich an Epilepsie leidet. Warum sie so apathisch ist, torkelt, umfällt. Bis jetzt haben nur Sie die Anfälle beobachtet. Deshalb ist es nötig, dass wir Sara für drei Monate zur eingehenden Abklärung in ein Epilepsiezentrum geben. In dieser Zeit dürfen Sie Ihre Tochter nicht sehen.

Die Mutter reagiert gefasst. Keine Wut, keine Trauer, ein paar Tränen. Sie hört zu, wie versteinert, sagt irgendwann: Jetzt verstehe ich. Sie meinen, dass ich am Münchhausen-Stellvertretersyndrom leide. Genau, antwortet Zimmermann. Könnte jemand anders Sara Valium verabreicht haben? Eigentlich nicht, sagt die Mutter, vielleicht mein Mann. Ich muss ihn fragen. Sie sagt auch: Es geht mir nicht gut. Ich schlafe schlecht. Ich habe psychische Probleme. Möchten Sie Ihr Kind in das Epilepsiezentrum begleiten, fragt Zimmermann. Nein, sagt die Mutter. Zimmermann denkt: Sie redet nur von sich. Sie fragt nicht nach den Untersuchungen, die man an Sara vornehmen wird. Sie äussert sich nicht zum Besuchsverbot. Sara ist für Judith wie ein Objekt. Zum Abschied küsst die Mutter die Tochter auf die Stirn.

In einem zweiten Raum wartet Vormundschaftspräsident Remo Stucky auf die Mutter. Jetzt weint sie. Sie haben mir mein Kind weggenommen. Ich konnte nicht anders, als die Empfehlung auszuführen, sagt Stucky. Es spricht zu viel gegen Sie. Judith schluchzt. Stucky reicht ihr Taschentücher. Es ist brutal, denkt er. Aber ich kann nicht ignorieren, was ich gehört habe.

Was ist mit dem Vater?

Nach Saras Ankunft im Epilepsiezentrum verschliesst die Klinikleitung sämtliche Türen. Der behandelnde Arzt, Felix Schulz, befürchtet, dass die Eltern mit Gewalt in die Station eindringen und das Kind entführen. Am Empfang muss sich fortan ausweisen, wer ins Gebäude will. Besucher, Patienten, Ärzte, Pflegekräfte, Klinikleitung, alle, immer, drei Monate lang. Besuchen darf Sara vorerst niemand. Schulz fällt sogleich der Gang des Mädchens auf. Sie schwankt. Fällt um. Ihre Muskeln sind schlaff. Symptome einer Valiumüberdosierung. Die Untersuchungen von Blut und Urin fallen positiv aus.

Saras Eltern reichen Beschwerde ge- gen den dreimonatigen Obhutsentzug ein. Die Ärzte haben uns gesagt, wir dürften unserem Kind so viel Valium geben, wie wir wollen. In der Apotheke haben wir solch grosse Mengen an Valium bezogen, weil wir Grosseltern und Nachbarn mit Rationen versorgt haben. Für den Notfall. Dem Gericht fehlen die Beweise. Nach einer Woche im Epilepsiezentrum erhält der Vater ein Besuchsrecht. Es ist genau geregelt: alleine kommen, zu einer bestimmten Zeit, vorher anmelden, stets unter Aufsicht einer Pflegeperson. Zudem darf Sara während des Besuchs ihres Va-ters weder essen noch trinken.

Schulz spricht Vater Bruno bei seinem ersten Besuch auf die positiven Valiumwerte an. Er kann sich den Befund nicht erklären. Vielleicht hat Sara das Notfallmedikament selbst eingenommen? Der Arzt denkt: Der Mann scheint seiner Frau zu glauben. Oder aber er will die Wahrheit nicht sehen. Martin Weber wird Schulzs Eindrücke später bestätigen. Der Mann überlässt die Kinder seiner Ehefrau. In der Praxis wirkt er, wenn er denn zur Kontrolle mitkommt, abwesend. Wie nicht vorhanden. Er ist der dominanten Judith intellektuell unterlegen. Er ist abhängig von ihr.

Die Symptome der Valiumüberdosierung sind bei Sara nach einer Woche verschwunden. Ihr Gang ist jetzt sicher. Ihr Blick wach. Beim Essen trifft sie mit dem Löffel ihren Mund. Einen Krampfanfall erleidet sie nie. Auch in der Nacht nicht, wenn eine Videokamera Sara durchgehend überwacht, während sie mit Stoffhund Topsi im Arm schläft. Die EEG-Ableitungen sind unauffällig. Sara freundet sich mit zwei gleichaltrigen Jungen auf der Station an. An ihrem zweiten Geburtstag isst Sara Schokoladekuchen. Und lacht.

Ein Rollstuhl für Sara

Nach fünf Wochen erkämpft sich die Mutter die Erlaubnis, ihre Tochter einmal pro Woche für eine Stunde im Epilepsiezentrum zu besuchen. Alleine. Kein Essen, kein Trinken, zwei Aufsichtspersonen. Beim ersten Treffen verlässt Judith die Station nach einer halben Stunde. Auch bei den nächsten Treffen ändert sich das Verhalten der Mutter nicht. Sie weiss nicht, was sie mit dem Kind anfangen soll, denkt Arzt Schulz. Sie wirkt distanziert und emotionslos. Als gäbe es eine Kontaktstörung zwischen ihr und dem Kind. Judith beantragt beim Arzt einen Rollstuhl für Sara. Sie hat Mühe mit dem Laufen, sagt sie. Etwas mit ihren Beinen stimmt nicht. Eine Abklärung beim Orthopäden gibt Entwarnung. Die Mutter verlangt eine Zweitmeinung: Bringen Sie Sara zu einem anderen Orthopäden. Der wird es schon merken.

Kinderarzt Weber erhält einen Brief von den Eltern. Die Vorwürfe sind massiv. Sie haben uns angelogen und falsch beraten. Wir machen den Skandal um unser Kind öffentlich. Wir überlegen uns juristische Schritte wegen Verleumdung und Körperverletzung. Auch Felix Schulz, Saras behandelnder Arzt im Epilepsie- zentrum, steht unter Druck. Immer wieder versuchen die Eltern, das Besuchsrecht mithilfe ihres Anwalts auszudehnen. Sobald mit Mühe eine Regelung vereinbart ist, soll eine neue her. Telefonanrufe, E-Mails, Briefe. Am schwersten aber wiegt für Schulz die Verantwortung. Was, wenn die Eltern ihr Kind mit Gewalt holen, fragt er die Klinikleitung. Was, wenn dem Kind im Epilepsiezentrum etwas passiert.

Judith sei eine gute Mutter, sagt die Psychologin.

Nach drei Monaten im Epilepsiezentrum hat Sara keinen einzigen Krampfanfall erlitten. Auch nach dem langsamen Absetzen des antiepileptischen Medikamentes nicht, bei dem ein erhöhtes Risiko für Entzugsanfälle besteht. Da ist nichts, sagt Schulz dem Gericht. Wir haben Saras Hirntätigkeit über zweihundert Stunden lang im EEG gemessen. Das ist sehr lange. Wir haben sie dreizehn Wochen lang rund um die Uhr beobachtet. Die Symptome, die Sara beim Eintritt in unsere Station gezeigt hat, wurden durch Valium verursacht, das Judith ihrer Tochter in zu hoher Dosis verabreicht hat. Das Kind ist gesund. Krank ist die Mutter.

Das Gericht erklärt die dreimonatige Trennung von Mutter und Kind für rechtmässig. Und weist die Beschwerde der Eltern gegen den Obhutsentzug ab. Das Kind sei gesund, das habe der Aufenthalt im Epilepsiezentrum eindeutig bewiesen, heisst es in der Begründung. Es sei nach wie vor gefährdet durch die Mutter, die ihm Valium verabreicht und Symptome angedichtet habe. Trotz diesem Urteil entlässt das Gericht Sara nach Hause. Ein weiterer Aufenthalt im Epilepsiezentrum sei nicht nötig, die Diagnose klar. Wir haben unsere Aufgabe erledigt, sagt das Gericht. Es ist nicht an uns, die Vormundschaftsbehörde ein weiteres Mal einzuschalten und zu beraten. Das ist verantwortungslos, sagen die Ärzte. Inkonsequent. Gefährlich. Unverständlich. Falsch.

Die Kinderschutzgruppe erlässt innert weniger Tage eine neue Gefährdungsmeldung. Wer garantiert uns, dass die Mutter mit den Misshandlungen aufhört, sagt Werner Zimmermann. Sie ist krank. Bevor Judith nicht Einsicht zeigt und in eine Therapie einwilligt, können wir Sara nicht in die Familie zurückgeben. Ebenso entscheidend ist, dass der Vater endlich Verantwortung übernimmt. Die Vormundschaftsbehörde verlängert daraufhin den Obhutsentzug, ebenso die Beistandschaft, die seit drei Monaten besteht. Wir platzieren Sara für mindestens eineinhalb Jahre in einer Pflegefamilie, sagt Remo Stucky. Bis eine geeignete Familie gefunden ist, sind die Eltern verpflichtet, ihr Kind jederzeit zu unplanmässigen Arztkontrollen bei Weber zu bringen. Medikamente dürfen die Eltern Sara keine mehr abgeben. Zudem muss sich Judith einer psychiatrischen Behandlung unterziehen.

Der Vormundschaftspräsident ist müde und erschöpft, schläft schlecht. Im Dorf wird er von Nachbarn, Freunden und Bekannten der Familie nicht mehr gegrüsst. Wenn er nachts wach liegt, denkt er: Ich führe doch nur aus, was die Kinderschutzgruppe von mir verlangt. Diese Leute sind einseitig informiert, ich aber darf niemandem die Wahrheit über Judith sagen. Ich kann nicht mehr.

Die Eltern wehren sich

Die Eltern wehren sich erneut schriftlich gegen den Obhutsentzug. Beim Gericht, bei den Ärzten, bei der Vormundschaftsbehörde. Verantwortlich für den massiven Medikamentenmissbrauch sind die Ärzte, die uns falsch instruiert haben, schreiben sie. Nicht nur Judith, sondern mindestens sechs andere Personen haben Sara krampfen sehen. Vater Bruno. Schwester Salome. Judiths Mutter. Zwei Nachbarinnen. Eine Pflegefachfrau im Epilepsie-zentrum. Briefe von Judith: Als kleines Kind wurde ich geschlagen. Eine Psychologin hilft mir, dieses Trauma zu verarbeiten. Wenn Sie uns Sara noch mal wegnehmen, bringe ich mich um. Ich kann ohne sie nicht leben. Ich leide nicht am Münchhausen-Stellvertretersyndrom.

Sara entwickelt sich weiterhin gut. Auch zu Hause tritt kein einziger Krampfanfall auf. Sämtliche Urinkontrollen auf Valium sind negativ. Meist erscheint jetzt Vater Bruno in der Praxis. Er schaut seiner Tochter zu, wie sie für ihren Stoffhund Topsi ein Bettchen aus Holzklötzen baut. Gut gemacht, Sara! Bei einer der Kontrollen kommt Mutter Judith mit. Sie verlangt erneut einen Rollstuhl für ihre Tochter. Sara hat Mühe beim Gehen, sagt sie. Hat sie nicht, sagt Weber und denkt: Jetzt hat die Mutter ein neues Leiden gefunden.

Judiths Psychologin bestreitet derweil vehement, dass ihre Patientin am Münchhausen-Stellvertretersyndrom leidet. Sie habe zwar, ausgelöst durch die Gewalt-problematik in der frühen Kindheit und die Fehlgeburt, mit Depressionen und Schlafstörungen zu kämpfen, doch sie misshandle ihr Kind bestimmt nicht, schreibt sie dem Gericht. Die plötzliche Trennung von Sara habe vielmehr das Trauma aus der Kindheit hochkommen lassen. Sie sei eine gute Mutter. Auch das ist beim Münchhausen-Stellvertretersyndrom typisch, erklärt Kinderschutzgruppenleiter Werner Zimmermann seinen Kollegen: Die Mütter finden immer irgendeine Fachperson, die ihnen glaubt. Meist sind es die Hausärzte, welche sich von ihnen manipulieren lassen. Jetzt also die Psychologin.

Drei Monate nach der Entlassung aus dem Epilepsiezentrum, Sara ist mittlerweile zweieinhalb Jahre alt, tagt das Gericht erneut. Es weist auch die zweite Beschwerde der Eltern gegen die Vormundschaftsbehörde ab und verfügt die sofortige Fremdplatzierung von Sara. Die Eltern verlieren die Obhut über ihr Kind für mindestens achtzehn Monate. Nur wenn sie konstruktiv mit der Pflegefamilie zusammenarbeiten, nur wenn Judith sich in eine Psychotherapie begibt, besteht eine Chance für eine Rückplatzierung. Die Besuchszeiten bei der Pflegefamilie sind streng geregelt. Zwei Stunden pro Woche, dann vier, dann sechs. Nach einem halben Jahr darf Sara über das Wochenende nach Hause, so das Gericht. Wenn alles gut läuft.

In der Pflegefamilie spielt Sara, sie isst und trinkt und schläft und spricht und lacht und weint, genau wie ihre beiden Pflegegeschwister auch. Einen Krampfanfall erleidet sie nie. Derweil kämpfen Judith und Bruno weiter um ihr Kind. Judith leugnet ihre Taten noch immer vehement. Ein psychiatrisches Gutachten ergibt eine schwere Persönlichkeitsstörung. In eine Therapie willigt sie dennoch nicht ein.

Ein ganz normales Kind

Weber, Gredig, Schulz, Zimmermann und Stucky suchen Antworten auf die Frage nach dem Warum. Sie sagen: Judith war auf der Suche nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Alle haben sie für ihre Stärke und Belastbarkeit bewundert. Wie du es schaffst mit einem kranken Kind! Was für eine fürsorgliche Mutter du bist! Sie sagen auch: Schaden oder gar töten wollte Judith Sara nicht. Doch sie musste es krank machen, um es gesund zu pflegen, als Rettungsengel.

Eine rationale Erklärung für das Unfassbare hat niemand. Die Ärzte wissen: Mütter, die am Münchhausen-Stellvertretersyndrom leiden, sind fast immer psychisch krank. Sie verletzen sich selbst oder nehmen übermässig Medikamente ein. Sie leiden an Depressionen oder Angstzuständen. Fühlen sich isoliert und einsam. Einige entwickeln ein Borderlinesyndrom, manche sind abhängig von Drogen oder Alkohol. Viele von ihnen waren in ihrer Kindheit oder Jugend selbst Opfer von Misshandlungen. Mit einem kranken Kind wendet sich das Blatt: Plötzlich finden sie Anerkennung, gelten als perfekte Mütter, die ihrem Kind nicht von der Seite weichen.

Heute ist Sara sieben Jahre alt. Seit drei Jahren lebt sie wieder bei ihren Eltern, deren Beschwerde gegen den Obhutsentzug nach achtzehnmonatiger Fremdplatzierung teilweise gutgeheissen worden ist. Das Mädchen besucht die erste Klasse, mag Radfahren und ihre grosse Schwester Salome. Sara ist ein ganz normales Kind.

Wenn da nicht ihr auffälliges Verhalten wäre. Wir müssen sie psychologisch abklären lassen, sagt die Mutter.

* Sämtliche Namen und einige weitere Details sind aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes abgeändert worden. Die Fotografie auf Seite 20 ist ein Symbolbild.

Für diesen Text hat die Autorin mehrstündige Gespräche mit vier in den Fall involvierten Ärzten sowie der zuständigen Vormundschaftsbehörde geführt. Ein Treffen mit der Mutter oder dem Vater war nicht möglich. Sie streiten die Misshandlungen bis heute ab. (Das Magazin)

(Erstellt: 04.09.2011, 20:52 Uhr)

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Simone Rau.

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