Die Tragödie der O.: Futter für die Borderline-Gesellschaft

Der Fall der Paula O. ist ein Lehrstück über Medienmanipulation und zeigt das immense Interesse unserer Gesellschaft nach Borderline-Persönlichkeiten. Eine Analyse von Michèle Binswanger, Kulturredaktorin von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Es ist eine Geschichte, die Aufmerksamkeit garantiert: Eine Schwangere wird von Neonazis am Zürcher S-Bahnhof Stettbach gefoltert. Die Meldung geht um die Welt, Brasiliens Staatspräsident Lula fordert von den Zürcher Behörden eine lückenlose Aufklärung des Falles. Doch die Ermittlungen deuten mittlerweile darauf hin, dass das Ganze eine Inszenierung einer ausser Kontrolle geratenen Psyche sein könnte.

Weibliches Kalkül und Körpereinsatz

Bezeichnenderweise macht diese Wendung die Geschichte nicht weniger brisant. Sie zeigt nicht nur, wie bereitwillig Mediengesellschaften sich manipulieren lassen, sondern auch, worauf sie fixiert sind: den weiblichen Körper und seine Fähigkeit zur Transformation.

Im Fall der Brasilianerin garantiert nicht nur das Gefälle zwischen Macht und Ohnmacht eine breite Berichterstattung, sondern vor allem auch, dass es um einen weiblichen Körper geht - zu allem hin um den Leib einer Schwangeren, der missbraucht worden sein will. Dazu kommt, dass hier eine Frau offenbar ihren Körper ganz bewusst einsetzt, um eine vermeintliche Ohnmacht in mediale Aufmerksamkeit zu verwandeln und damit in Macht. Es ist eine Form weiblichen Kalküls, das in den zeitgenössischen Medien ununterbrochen zu beobachten ist.

Kulturell anerkannte Symptome

Sollte sich dieser Befund als Tatsache herausstellen, dürfte der betroffenen Frau wohl eine Borderline-Diagnose gestellt werden, zu der Symptome wie Ritzen, Geltungsdrang und Hochstapelei gehören, genau so wie Narzissmus und übersteigerte Selbsteinschätzung. Laut Andreas Heinz, Chefarzt der Psychiatrie der Berliner Charité, suchen sich Borderline-Patienten «Symptome, die kulturell anerkannt sind». Was für diesen Fall in besonderem Mass gilt.

Der deutsche Psychiater und Buchautor Borwin Bandelow charakterisiert das Borderline-Syndrom als Leitdiagnose unserer Zeit. Einerseits ist unserer heutige Internet- und Castingshow-Gesellschaft ein Nährboden für übersteigerten Narzissmus, der belohnt wird, selbst wenn die Teilnehmenden als Medienopfer enden. Umgekehrt hegen wir heimlich Bewunderung für solches Verhalten, was sich auch darin zeigt, dass die Stars, denen in den Medien gehuldigt wird, zum grossen Teil Borderline-Charakterzüge aufweisen, so Bandelow.

So ist absehbar, welche Wendung die Berichterstattung über den Fall nehmen dürfte: Die öffentliche Empörung über den vermeintlich brutalen Akt wird sich gegen die Frau selbst richten. Eines sollte man dabei jedoch nicht vergessen: In jedem Fall steht hinter der öffentlich aufgeführten Tragödie der O. ein Missbrauch in der einen oder anderen Form. Wir sollten uns nicht so sehr für die Frau interessieren. Sondern dafür, weshalb unsere Gesellschaft für solche Geschichten so empfänglich ist.

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125 Kommentare

Gerhard Keller

14.02.2009, 19:34 Uhr
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Würde sich die Brasilianische Regierung ebenso für die allgemeine Menschenrechtslage in ihrem Land einsetzen wie für dieses bedauernswerte Einzelschicksal........ Antworten


Augusto Brasil

14.02.2009, 18:23 Uhr
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Ich bin brasilianischen Ich bin müde von Ihnen Europäer entriegelt Brasilien. Impresa spricht schlecht über unsere Frauen, die Behandlung von Ausländern der Sie wissen nichts von unserer Gewohnheiten sind ein glückliches Volk, als Sie, dass die Kälte und Eis hat eine der höchsten Selbstmordraten in der Welt..Wenn sie richtig ist, ich bin nicht da, aber es destratar unsere Leute in die Hölle. Antworten



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