«Die haben zu lange EU-Gegner als Dorftrottel hingestellt»

Aktualisiert am 10.09.2010 310 Kommentare

Herrscht in der Schweiz eine intellektuellenfeindliche Stimmung? In den Kommentarspalten von Tagesanzeiger.ch/Newsnet bewegt diese Frage die Gemüter.

Mehrere Schweizer Kulturschaffende beklagen, dass sie zunehmend Anfeindungen und Beschimpfungen ausgesetzt sind. Als Ursachen nennen sie das rauere politische Klima, in der Verunglimpfungen zum Programm gehören sowie die Möglichkeit, im Internet anonym seinen Frust auszulassen. Die Künstler und Intellektuellen müssten als Zielscheibe für die Frustrierten herhalten.

Ist das wirklich so? Die Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet sind in der Frage gespalten. Einigen bereitet die Entwicklung Sorge: «In letzter Zeit bildet sich wirklich eine intellektuellenfeindliche Stimmung heraus. Jeder der es wagt, Einwände zu äussern, soll sofort das Land verlassen. Am absurdesten ist aber die Beschimpfung der Eliten durch die Eliten. Wenn Maurer und Blocher über die Elite herziehen frage ich mich schon wieso sie sich nicht selbst dazuzählen.» Andere fordern die Intellektuellen zum Weitermachen auf. So Marianne Gautschi: «Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir Menschen, die denken, mehr den je.»

«Dünnhäutiges Gejammer»

Viele Leser finden, die Intellektuellen teilten aus, dann müssten sie auch einstecken können. So Andreas Ungericht: «Wer den Wind säht, wird Sturm ernten. Gewisse Künstler meinen, sie können andere Meinungen verunglimpfen – und Leute, die nicht in die EU wollen, in die Pfanne hauen.» Die Intellektuellen hätten keine Sonderbehandlung verdient, so der Tenor. «Die Aussagen der so genannten ‹Intellektuellen› stehen häufig im klaren Gegensatz zum Volkswillen und damit gegen die direkte Demokratie. Diese selbstgerechte Kaste hat nicht die Weisheit für sich exklusiv gepachtet», schreibt Derek Richter. Und Richard Marti meint: «Das dünnhäutige Gejammere dieser sich selbst als ‹intellektuell› bezeichnenden Personen ist nicht grad ‹intellektuell›, eher peinlich und dumm.» Maria Manzoni schreibt: «Und wie lange wurden EU-Gegner, Direktdemokraten und Neutralitätsfreunde als hinterwäldlerische Dorftrottel hingestellt? Geschätzte 20 Jahre.»

Verschiedentlich versuchen die Leser zu erklären, weshalb das Verhältnis zu den Intellektuellen in der Schweiz anders ist als andernorts. Alexander Müller: «Intellektuelle haben in der Schweiz keinen Sonderstatus und das ist gut so. Wir brauchen keinen Standesdünkel. Jeder, der eine Position vertritt, muss mit Anfeindungen von Leuten, die anderer Meinung sind rechnen. Das hat mit der vorherrschenden Streitkultur zu tun.» Heinz Zurbuchen meint, der «gehässige Antiintellektualismus» und die gefeierte «Überlegenheit des Durchschnitts» habe in der Schweiz Tradition: «Die mit Presse- und Lehrerfeindlichkeit gewürzte Strategie ist eine historische Grundkonstante des eidgenössischen Rechtspopulismus und an so manchem Stammtisch anzutreffen. Fröntler und Schwarzenbach lassen grüssen.»

Oft wird auch die Frage aufgeworfen, was denn überhaupt ein Intellektueller sei und bemängelt, dass diese Bezeichnung nirgends definiert sei. Viele Künstler würden zu unrecht als Intellektuelle bezeichnet, so der Tenor. «Seit wann ist denn ein Künstler ein Intellektueller?», fragt zum Beispiel Anita Beeler.

Ist die Schweiz zu einem intellektuellenfeindlichen Land geworden? Lesen Sie nachfolgend alle Kommentare und diskutieren Sie mit! (rb)

Erstellt: 10.09.2010, 14:31 Uhr

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310 Kommentare

Shane Hill

18.09.2010, 02:47 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Lustig, wie die Kommentierenden mit Wut und Hass gegenüber diesem Artikel reagieren, der es wagt, ihnen zu unterstellen, sie würden mit Wut und Hass auf Intellektuelle reagieren. Lustig auch wie die ganzen Leute, die die hochgebildeten mit Hass und Verachtung schmähen, nach eben diesen schreien, sobald sie einen Arzt oder Anwalt benötigen. Oder geht ihr da auch lieber zum Stammtischler? Antworten


Mike Albrecht

09.09.2010, 12:52 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Unsinn, es ist genau umgekehrt! Die Schweizer Intellektuellen sind leider schweizfeindlich geworden. Sie brandmarken gesunden Patriotismus als Bünzlitum und fühlen sich erst als EU-Befürworter und Globalisierer so richtig weltmännisch. Dabei geht es um ganz banale Interessenvertretung: Intellektuelle Eliten gewinnen durch die Globalisierung. Die grosse Mehrheit der Schweizer aber verliert dabei. Antworten



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