Er wollte nicht heiraten, er wollte nur Sex
Von Bettina Weber. Aktualisiert am 21.07.2010 19 Kommentare
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«Me, you, fuck, fuck» soll er gesagt haben, der Real-Madrid-Star Cristiano Ronaldo, als er vor rund zehn Monaten in einem Restaurant in Los Angeles einer Kellnerin gewahr wurde, die ihm gefiel. Weil das in der sprachlichen Verknappung vermutlich etwas uncharmant rüberkam, sah er sich gezwungen, noch ein «Me, you, kiss» nachzuschieben, worauf die Dame dann gewillt war, die Nacht mit ihm zu verbringen. «Kiss» verspricht ja doch ein wenig mehr Romantik als «fuck, fuck».
Die beiden Kürzestsätze sagen allerhand aus, über Ronaldo, über Kellnerinnen in Los Angeles und über das heutige Verhältnis von Männern und Frauen an sich.
1. Ein wohlerzogener Mensch nennt sich nie als Erster in einer Aufzählung. Höflicherweise hätte es heissen müssen: «You, me, fuck, fuck». 2. Mit dem Benimm scheint es der Fussballer nicht so zu haben, mit der Sprache auch nicht. Ronaldo spielte von 2003 bis 2009 bei Manchester United. Der Club zahlte zwar eine Millionen-Gage, aber sein Integrationsprogramm muss bescheiden gewesen sein. Nur so lässt sich ein derart kümmerliches Englisch nach sechs Jahren in Grossbritannien erklären. Wobei: Vielleicht handelte es sich gar nicht um sprachliches Unvermögen. Sondern, 3., um eine möglichst effiziente Herangehensweise an ein Problem, bei dem viele Männer scheitern, wenn sie wollen, was sie so unverblümt nicht zu sagen getrauen: Sex. Da herrscht bei Ronaldo, 4., ein gesunder Pragmatismus. Warum die Zeit mit Komplimenten vergeuden, wenn eine simple Frage viel schneller ans Ziel führt? Ein Fussballer kennt nur eine Richtung: aufs Tor zustürmen. 5. Das ist nicht bloss effizient, sondern auch ehrlich. Der wollte nicht heiraten, der wollte nur Sex. Und das hat er zum Ausdruck gebracht, völlig transparent. 6. Weil Fussballer ja bisweilen als Trendsetter gelten, muss an dieser Stelle unbedingt festgehalten werden: Die Kürzestsätze entfalten die gewünschte Wirkung natürlich nur, wenn man Ronaldo ist. Konkret: millionenschwer. 7. Das spricht nicht für die Frauen. 8. Aber es spiegelt die Welt, in der wir leben. Und deshalb kann eine Kellnerin aus Los Angeles, die sich von einem berühmten und reichen Mann zu einem One-NightStand verleiten lässt und nicht auf Verhütung besteht, heute immer noch 12 Millionen Dollar rausschlagen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.07.2010, 08:24 Uhr
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