«Es ist eine Katastrophe im Gang, aber der Bundesrat ruft nicht zurück»
Aktualisiert am 02.04.2009 3 Kommentare
Turbulente Zeiten im Konsulat: Schriftsteller Thomas Hürlimann. (Bild: Keystone)
Artikel zum Thema
Zur Person
Thomas Hürlimann wurde am 21. Dezember 1950 in Zug geboren. Nach der Matur studierte er Philosophie an der Universität Zürich und der Freien Universität Berlin. Dieses Studium brach er 1974 ab und liess sich als freier Schriftsteller in Berlin-Kreuzberg nieder. Von 1982 bis 1985 war er Regieassistent und Dramaturg am Berliner Schillertheater. 1985 kehrte er in die Schweiz zurück. Seit 2000 ist er Dozent am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er ist der Sohn von Bundesrat Hans Hürlimann.
Im Interview mit der «Zeit» berichtet Hürlimann von den turbulenten Zeiten im Konsulat: «Ich kam nach New York, es war Weihnachten, es gab kein Hotelzimmer. Also rief ich das Schweizer Generalkonsulat an. Konsul Alfred Defago stellte meiner Frau und mir sofort ein Gästezimmer zur Verfügung und sagte: ‹Es ist eine Katastrophe im Gang, eine gewaltige Kampagne gegen die Schweiz. Aber Bundesrat Cotti ruft mich seit drei Tagen einfach nicht zurück. Ich muss sofort in die Schweiz nach Bern, um denen zu sagen: Aufwachen! Das Haus brennt!› Meine Frau und ich hielten die Stellung. Das war noch die Zeit der Faxrollen. Wir hatten den Auftrag, die Rollen aufzuwickeln – aber wir schauten auch ein bisschen darauf. Wir trauten unseren Augen nicht. Die Kacke war wirklich am dampfen. Die Schweiz war auf allen Fernsehsendern. Wir sassen im Konsulat und dachten: Hoffentlich darf Defago beim Bundesrat vorsprechen.»
Konsul im Bademantel empfangen
Weiter sagt Hürlimann zu seiner Zeit im Konsulat: «Es gab noch zwei Angestellte, die haben mich am Weihnachtstag aus dem Bett geholt, weil der Generalkonsul der Philippinen da war. Er wollte in diesen schwierigen Zeiten seine Solidarität bekunden. Ich kam im Morgenmantel an die Tür, wollte ihm erklären, ich sei nicht Defago, aber der legte sofort los, so nahm ich seine Worte im Namen der Schweiz dankend an.»
Erst kürzlich hat Hürlimann in seinem Essay «Herr Steinbrück, Sie haben Mundgeruch» dargelegt, weshalb sich Deutsche und Schweizer nicht verstehen (siehe Artikel zum Thema). Im «Zeit»-Interview meint er zudem: «Die Schweiz ist ein Opfer ihres Erfolges. Die Schweiz ist eine Firma geworden, und ihre Qualitäten wurden zu einem Produkt.» Jetzt herrsche aber in der Schweiz eine «totale Müdigkeit». (rb)
Erstellt: 02.04.2009, 14:04 Uhr
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3 Kommentare
Schon das 2.Mal dass ich Freude habe an diesem Hürlimann, aber weniger mit unserem Wagon-lit in Bern. Aber halt ich vergass ganz nun wird gegackert und geweibelt nach der Berührung mit dem Prellbock. Die Firma Schweiz sollte wieder ein Land eine Natio werden und weniger den Kassenschrank pflegen, denn der ist nun rostig. Antworten
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Walter Kunz
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