Kultur

«Es ist schwierig, die Schweiz nicht schön abzubilden»

Interview: Philippe Zweifel. Aktualisiert am 22.09.2011 11 Kommentare

Was für den Fotografen Robert Boesch die Schweizer Landschaft einzigartig macht. Diese hat er in einem neuen Buch festgehalten.

1/16 Aufnahmen aus Böschs neuem Bildband: Die Rheinschlucht in Graubünden samt RHB-Zug.
Robert Bösch

   

Robert Bösch, Fotograf, Bergführer und Geograf ist seit über 20 Jahren als freischaffender Berufsfotograf tätig mit dem Spezialgebiet Outdoor- und Actionfotografie. Neben Aufträgen aus Industrie und Werbung, arbeitet er für Magazine und Zeitschriften (u.a. Stern, Geo, National Geografic Adventure, Spiegel, Schweizer Illustrierte). Bösch ist Autor vieler Bildbände. 2009 wurde er für sein langjähriges Schaffen im Bereich alpine Fotografie mit dem Eiger Special Award ausgezeichnet. Robert Bösch ist Opinionleader der Firma Nikon. Als Bergsteiger und Kletterer kennt er viele extreme Kletter- und Bergtouren in den meisten Gebirgen der Welt. 2001 bestieg er für einen Auftrag als Fotograf und Kameramann den Mount Everest. In den letzten Jahren dokumentierte er viele der Extremtouren von Ueli Steck.

«Switzerland» von Robert Boesch mit Texten von Emil Zopfi. 50 x 35cm. Das Buch entstand zum 20-jährigen Jubiläum des AS Verlags. Idee und Gestaltung: Heinz von Arx.

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Sie haben in Ihrem neuen Bildband die Schweiz fotografiert. Wie haben Sie Sujets und Orte ausgewählt?
Es gab keine konkreten Vorgaben, höchstens ein paar klassische Musts, wie das Matterhorn oder die grossen Seen, und dass die Bilder die gesamte Schweiz regional umfassen müssen. Ansonsten war das Kriterium schlicht und einfach «ein gutes Bild». Wenn ich zum Beispiel ein gutes Bild vom Thunersee hatte, aber der Genfersee noch besser war, dann flog der Thunersee raus.

Was ist ein gutes Bild für Sie?
Ein Bild, bei dem man als Betrachter haften bleibt. Es muss – zumindest ein bisschen – anders sein als Bilder, die man vom gleichen Sujet schon gesehen hat.

Was sollen die Aufnahmen transportieren?
Nicht unbedingt die Schönheit der Schweiz – wie man annehmen könnte. Schon eher: die Schönheit meiner Bilder (lacht). Aber es ist ja sowieso fast unmöglich, die Schweizer Landschaft nicht als schön zu zeigen.

Haben Sie deshalb auf Städteaufnahmen verzichtet?
Ja, die haben wir bewusst ausgelassen. Nicht, weil sie hässlich wären, aber weil sie im Naturkontext – das Buch ist gegliedert in die drei Themen Wald, Berge, Wasser – keinen Sinn machten. Ausserdem könnte man ja nicht nur eine Stadt zeigen, man müsste dann etliche Städte und Dörfer zeigen, was den Rahmen des Bands gesprengt hätte.

Besteht nicht die Gefahr, dass man bei ausschliesslichen Naturaufnahmen ein klischiertes Bild der Schweiz zeigt?
Nein, überhaupt nicht. Ich wollte definitiv nicht eine Postkartenschweiz zeigen. Ich wollte spannende Landschaftsaufnahmen fotografieren – und das halt in der Schweiz. Es ging natürlich auch nicht darum, ein kritisches Bild der Schweiz wiederzugeben.

Was ist Ihre persönliche Lieblingsaufnahme des Bildbands? Warum?
Es ist natürlich nie ein einziges Bild. Aber ich wähle das Bodenseefoto. Ich war mehrere Male am Bodensee. Ich wollte dessen Grösse irgendwie zum Ausdruck bringen – und natürlich ein interessantes Foto schiessen. Aber es gelang mir nicht. Der Entscheid, es mit dem Helikopter zu versuchen, war sozusagen ein Akt der Verzweiflung. Es hat sich gelohnt: Ich hätte nicht gedacht, dass diese Wasserfläche so imposant ausschaut.

Was macht für Sie als Fotograf die Schweizer Landschaft einzigartig?
Fast alle Bilder, die man in der Schweiz macht, kann man auch in anderen Ländern machen. Das gilt natürlich nicht für die Siedlungsstrukturen. Aber unsere Seelandschaften erinnern etwa an Patagonien, die Berge an Peru. Was man jedoch nirgends findet, ist diese Vielfalt von Palmen, Seen, Bergen und Wäldern auf einem derart kleinen Raum.

War die Arbeit an diesem Buch nicht langweilig im Vergleich zur Alpinfotografie?
Im Gegenteil. Landschaftsfotografie interessiert mich sowieso sehr. Überhaupt finde ich alles spannend, was neu ist. Alpinfotografie ist für mich nach wie vor ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Aber nachdem ich in den letzten Jahren unzählige Male in der Eigernordwand fotografiert habe, ist es schon nicht mehr dasselbe wie damals vor über 20 Jahren, als ich die erste Eins-zu-eins-Reportage über eine Besteigung dieser Route machte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.09.2011, 10:19 Uhr

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11 Kommentare

Werner Meier

22.09.2011, 11:02 Uhr
Melden 33 Empfehlung

Ich mag Boeschs Bilder, aber leider zeigt er nur die heile Welt. Wie wär's mal, die Agglo von Netstal bis Windisch, von Frauenfeld bis Lenzburg abzubilden? Oder die weggeworfenen Petflaschen entlang der Strassen? Das ist (leider) auch Teil der Schweiz. Antworten


Ursula Walder

22.09.2011, 10:53 Uhr
Melden 15 Empfehlung

Wunderschön - da bekommt man fast «Fernweh» und möchte losreisen! Danke für die tollen Impulse, um doch auch mal die Schweiz gründlich abzuwandern.. Antworten



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