Kultur
«Es vo Weschte herbiiziehends Tüüf»
Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 19.05.2011 70 Kommentare
Verpackung Dialekt, Inhalt Hochdeutsch? Radio-Energy-Moderator Roman Kilchsperger.
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In Zürcher Kindergärten soll auf Mundart unterrichtet werden, haben die Stimmbürger verfügt. Die Verfechter des Hochdeutschen haben verloren – und gewonnen. Eigentlich ist dieser Dialekt längst zu einem Gutteil Hochdeutsch; er ist ein Schatten seiner selbst. Auf Züritüütsch: «Er isch en Schatte siner sälbscht.»
Wem diese Formulierung eines Zürcher Lokalradios, die auf einen Prominenten gemünzt war, holprig vorkommt, der lausche einmal einem Mundartsprecher im Radio oder TV. Vom Sprachbild bis zum Satzbau ist so manches Hochdeutsch, was sich mundartlich gibt. «Ihres Warte hät es Änd.» – «Die folgende Pünkt hät ihm de Staatsaawalt im laufende Verfahre aaglaschtet.» – «D Fabrik a de Töss isch nöd uf en grüene Zwiig choo.»
Des Öftern schreiben Moderatoren ihre Texte auf Hochdeutsch oder verwenden hochdeutsche Agenturtexte, um die Vorlage dann Wort für Wort ins hiesige Idiom zu übertragen – Verpackung Dialekt, Inhalt Hochdeutsch. So entstand auch, was Spötter «Lokalradiofutur» nennen: An sich kennt die Mundart keine Zukunftsform, und doch findet man den Satz «2012 wird de Zirkus wider in Züri gaschtiere» schon als normal. (Übrigens hiesse es richtig: «z Züri»). Der längliche Relativsatz mit «wo» wird gemieden, dafür streut man nach Art der elektronischen Medien Partizip-Wendungen in den Wortbrei: «Es vo Weschte herbiiziehends Tüüf» statt «Es Tüüf, wo vo Weschte herbiizieht». Einige Partikeln und Adverbien wie «eh» sind purlauteres Hochdeutsch: «De US-Star isch eh sehr chrank.»
Kürzlich zeigte auch eine Studie, dass sich unsere Dialekte einander angleichen und dem Hochdeutschen erliegen. «Butter» verdrängt «Anke». «Pfütze» verdrängt «Glungge» und andere Wörter. «Summersprosse» verdrängt «Märzeflecke» und Ähnliches. Aus «es Gschänk überchoo» wird «es Gschänk bechoo». Und statt «coole Hose» im Plural kauft man «e cooli Hose» im Singular. So hat sich das Hochdeutsche hierzulande dauerhaft eingenistet, Spezialist Christoph Landolt vom schweizerdeutschen Wörterbuch «Idiotikon» spricht von «Aushöhlung der Mundart».
Diesen teutonisierten Dialekt kriegen unsere Kindergärtler serviert. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.05.2011, 08:02 Uhr
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70 Kommentare
ganz schlimm und kaum zu ertragen auch die Schokowerbung wo sich Milch und Schoggi gegenübersitzen und er (die Schoggi) sagt. volländ bitte folgändä Satz....Dann lieber ein Kindergärtner der wenigstens vernünftiges Hochdeutsch spricht. Antworten

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