Kultur

Junge schreiben besser als Alte

Eine Studie bescheinigt jungen Menschen rhetorische Fähigkeiten, wie sie seit den alten Griechen nicht mehr vorgekommen sind. Dank Facebook und SMS.

Vorbild Aristoteles: Das Sprachverständnis junger Menschen ähnelt offenbar jenem der alten Griechen.

Vorbild Aristoteles: Das Sprachverständnis junger Menschen ähnelt offenbar jenem der alten Griechen.

Was trägt zur Schreibfähigkeit bei: Die Schule? Das Elternhaus? Angeborenes Talent? Sicher. Laut einer Studie der Stanford Universität spielen aber auch die neuen Medien eine wichtige Rolle. Ausgerechnet!, möchte man sagen: SMS, Facebook und Powerpoint-Präsentationen tragen mit ihrer dümmlichen Diktion zur Verkümmerung der Sprache bei, so ein viel gehörter Vorwurf.

Andrea Lunsford, Projektleiterin der «Stanford Study of Writing», ist anderer Meinung. Die Rhetorik-Professorin hat während fünf Jahren knapp 15'000 Textproben von Studenten untersucht. Darunter waren etwa Aufsätze, E-Mails, Text-Nachrichten und Chatprotokolle. «Wir befinden uns in einer regelrechten Revolutionsphase, was die die Lese- und Schreibfähigkeit angeht», so Lunsford gegenüber dem US-Magazin «Wired»: «So etwas hat es seit den alten Griechen nicht mehr gegeben.»

Aufsatzkultur im Niedergang

Denn: Junge Menschen würden heute bedeutend mehr schreiben, als ältere Generationen. Der Grund dafür liege in der Online-Sozialisation, die meistens über Text abläuft. Dies sei nicht zu unterschätzen: 38 Prozent der studentischen Schreibtätigkeit passiere ihretwegen ausserhalb der Uni. Lunsford weiter: «Vor dem Internet schrieben Leute, deren Job keine Schreibarbeiten erforderte, nichts - ausser obligatorische Schulaufsätze.»

Fragt sich bloss, ob die neue Schreibwut auch stilistische Ansprüche erfüllt. Doch auch hier gibt die Studie Entwarnung. Vor allem das rhetorische Prinzip des «Kairos» – die Fähigkeit, seinen Text so zu formulieren, dass man die Aufmerksamkeit des Lesers gewinnt – hätten die Studenten verinnerlicht. «Die öffentliche und lockere Art und Weise, wie man sich mit modernen Kommunikationsmitteln unterhält, erinnert an die klassische Argumentation der alten Griechen», so Lunsford. Mit der Aufsatzkultur der letzten Jahrzehnte hat dies freilich wenig zu tun – was die vielen negativen Berichte über die Schreibfähigkeit junger Menschen erklärt.

Was ist mit den Smileys?

Man könnte auch sagen: Wer heute schreibt, tut dies häufig für ein Publikum. Was wiederum einen Einfluss auf die Wahrnehmung hat, was einen guten Text ausmacht: Lunsfords Studenten jedenfalls gaben zu Protokoll, dass ein solcher nicht schön formuliert sein soll. Sondern den Adressaten im Idealfall in eine Debatte verwickle oder ihn von einem Argument überzeuge.

Und was ist mit den Emoticons, die angeblich in der Schriftsprache Einzug halten? Laut der Stanford Studie ein Mythos: Obwohl die meisten Studenten privat Emoticons benutzen, fand Lunsford keinen einzigen Smiley in den untersuchten Semesterarbeiten.

Was halten Sie von Facebook-Sprache, Schulaufsätzen und Emoticons? Ihre Meinung interessiert uns. (phz)

Erstellt: 16.03.2010, 15:42 Uhr

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25 Kommentare

Roland Peter

17.03.2010, 10:07 Uhr
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Letzte Woche las ich Sätze wie: „…blözlich soundede mein Handy und es war Jasmine auf Displei was ich foll grass fand.“ Heute Morgen im Bus hörte ich Sätze wie: OK, isch komme zu dir heute Abend, ich weiss wo dein Haus wohnt.“ Ich denke, dass sagt doch alles, Studie hin oder her. Antworten


Markus Niederberger

16.03.2010, 17:02 Uhr
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Ich sehe beides. Junge, die auf Basis einer beherrschten Muttersprache mit den neuen Möglichkeiten kontrolliert und spielerisch umgehen (Dazu zähle ich z.B. "'s bescht wo je hets gits!") Und dann die, die keinen Satz in korrekter Grammatik und Ortographie herausbringen. Ist das echtes Unvermögen, soll man es nicht verurteilen. Oft habe ich allerdings den Eindruck von "mir doch egal!" Antworten


Johann Dorian

16.03.2010, 16:25 Uhr
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@Meyer: Für die Ironiekennzeichnung ist mir noch von einem grösseren deutschsprachigen Fachforum die Variante "Grüne Schrift" (aka Ironiegrün") bekannt, welche dort ziemlich konsequent eingefordert und benutzt wird. Es gab sonst zu oft Missverständnisse und verbal ausgelebte Empfindlichkeitsabtausche in den ernsthaften Themen... Antworten


Weinfeld Monika

16.03.2010, 16:12 Uhr
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"ta panta rhein" - griech. für: alles ist ständig im fluss oder anders ausgedrückt, der wandel ist die einzige konstante. jaja, das haben schon die alten griechen bzw. heraklit gesagt und es hat, wie so mancher anderer weiser spruch der hellenen, nach wie vor gültigkeit. so viel zu den alten griechen. Antworten


eugen bissegger

16.03.2010, 16:10 Uhr
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@Ramon Paxus: Das könnte man auch anders betrachten. Wenn man alles macht, was machbar ist, nennt sich das nicht immer Veränderung im positiven Sinne, das kann auch ganz schön tödlich enden. Der Faden dazu kann weiter gesponnen werden. "Junge schreiben besser als Alte" vermittelt das gegeneinander Ausspielen, "Jung / Alt". Oder welche Schlüsse sollten daraus gezogen werden? Alt = blöd, Jung = top? Antworten


leo spescha

16.03.2010, 15:52 Uhr
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@e.albrecht, Sie haben recht mit dem geist, wenn er denn vorhanden ist, will sagen, wenn er, der geist in gutem masse vorhanden ist, konnte man schon immer schreiben. wenn ich heute in der praxis höre, dass 50% der jungen frauen anstelle von geschlechtsverkehr schlechtsverkehr sagen, dann spricht das bände über das sprachvermögen.... Antworten


Ramon Paxus

16.03.2010, 15:12 Uhr
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@Hans Noetig: Ihr Kommentar liest sich, als ob 'andauernde Veränderung' etwas negatives wäre. Andauernde Veränderung ist das Leben, was sich nicht ändert ist tot. Antworten


ignaz wrobel

16.03.2010, 14:41 Uhr
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Junge Leute sprechen vulgär und verhalten sich immer daneben! Wie unten kommentiert, verherrlichen sie auch schon das Banale. Ich dachte immer, sie sind nur an sich banal. Ihre Respektlosigkeit macht vor nichts halt, nicht einmal beim Schreiben: Hätten sie mehr Achtung, würden sie stumpf schreiben - dem Papier zuliebe... @Hans Nötig; Alles ändert sich, oder sprechen sie so, wie Lessing damals? Antworten


Vladan Nigsdic

16.03.2010, 14:38 Uhr
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wer dems studie glaubsch ischs voll selberschult Antworten


Max Feucht

16.03.2010, 14:35 Uhr
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@Hans Noetig: Wer Konstant inne harrt verliert, wer dynamisch bleibt gewinnt. Das lernen wir nun auch bei der aktuellen Finanzdikussion. Eine Sprache kann durch Veränderung profitieren. Eventuell Hans Sie auch eine Veränderung Nötig. Antworten


Hans Inauen

16.03.2010, 14:27 Uhr
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Etwas wäre noch anzumerken, es gibt kaum junge Menschen die noch eine schöne Handschrift haben; aber vermutlich wird bald einmal anstelle einer Trauerkarte ein SMS oder ein E-Mail gesandt, in meinen Augen halt doch eine Verarmung. Antworten


Fabian Gehrig

16.03.2010, 14:20 Uhr
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@Max Feucht Dein Beitrag ist hier der beste wo es je hets gits, wen interessieren schon die alten Griechen ? Antworten


Hans Noetig

16.03.2010, 14:19 Uhr
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@Max Feucht: Sollten wir nicht im Angesicht der andauerenden Veränderungen die gewisse Konstante der Stetigkeit vermehrt suchen und finden? Antworten


Max Feucht

16.03.2010, 13:49 Uhr
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@Roger: Weil die USA keine Probleme mit der Ausländerpolitik, Slang oder Vermischung von Sprachen hat? Finde die Studie begrüssenswert. Es anerkennt bzw. respektiert die neue Welt, in der unsere Jugend aufwächst. Es wäre langsam an der Zeit, dass auch ältere Semester, nicht immer alles verteufeln, denn unsere Jugendlichen sind uns in einigen Themen und Verhaltensweisen voraus. Ohne Ironie. Antworten


Roger Geller

16.03.2010, 13:26 Uhr
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Diese Stanford-Studie ist durchaus glaubwürdig und wäre - hätten wir eine andere Ausländerpolitik betrieben - auch für die Schweiz zutreffend gewesen. Antworten


Stephan Frehner

16.03.2010, 13:07 Uhr
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Mir genügt meine tägliche Zugfahrt um festzustellen, dass jugendliche Ausdrucksfähigkeit und Formulierkunst sicher KEINE Verbesserung erfahren hat... "und denn erso und denn ich so und denn voll krass mann." Antworten


Ernst Albrecht

16.03.2010, 12:33 Uhr
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Schön die in obigem Artikel kommunizierte Erkenntnis zu vernehmen! Habe ich doch schon vor 20 Jahren, als ich im Rahmen meiner Ausbildung schon früh mit den neuen Komminkationsmedien (Email, Newsgroups, ...) konforntiert wurde, genau dies prophezeit.... :-) Schreiben trainiert auch den Geist, mehr schreiben trainiert ihn mehr! Das ist doch jedenfalls mindestens etwas positives! ^^ Antworten


René Hofstetter

16.03.2010, 12:31 Uhr
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@Thomas Meyer: Emoticons braucht, wer einen emotionalen Zusatzwert an den Adressaten übermitteln will, weil weder Tonlage der Stimme noch Mimik durch Text wiedergegeben weren können. Dennoch sind genau diese nonverbalen Inhalte im Alltag (im Gegensatz zum Aufsatz) unerlässlich, weil sie die Kommunikation wesentlich vereinfachen und verkürzen. - Mit Ironie hat das a priori nichts zu tun. Antworten


Christian Binder

16.03.2010, 12:11 Uhr
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@ Meyer Falsch, schriftliche Ironie ist nur sehr schwer festzustellen. Je nach Standpunkt ändert sich das Verstandene beträchtlich. Schreiben Sie mal für Ältere und Kinder/Jugendliche ironisch oder zynisch. Da werden Sie ihre Aussage schnell überdenken und korrigieren müssen. Antworten


Matthias Vogelsanger

16.03.2010, 12:09 Uhr
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Veherrlichung des Banalen, typisch für die Kultur der wir das das Wort "Hype" verdanken. Antworten


Christian Binder

16.03.2010, 12:08 Uhr
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So, so, statthaft also. Wann erschliesst es sich ihnen, dass die heutige Generation ihre Regeln selbst definiert. Alterstümliches Pochen auf strikte und machmal 100 Jahre alte Schreibweisen und Konventionen, werden grosszügig übersehen. Völlig zu Recht. Antworten


rolf kuhner

16.03.2010, 12:06 Uhr
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diese Analyse mag für Studenten zutreffen. Wie steht es aber mit der Sprachfähigkeit von Schulabgängern der 1. Sekundarschulstufe? Vielleicht sollten auch diese schon vermehrt lernen Artikel statt Aufsätze zu schreiben. Das bedingt recherchiere und beihaltet zugleich sprachliche Auseinandersetzung. Antworten


Roland Peter

16.03.2010, 11:59 Uhr
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Ich würde gerne diese erwähnte Studie sehen. Meine Erfahrungen mit „jungen Menschen“ in Bezug auf Rhetorik ist katastrophal. Von Simleys bis Balkan-Slang habe ich schon alles gelesen. Antworten


Thomas Meyer

16.03.2010, 11:45 Uhr
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Emoticons braucht, wer nicht in der Lage ist, Ironie so auszudrücken, dass sie erkannt wird. Der Vorläufer davon ist übrigens das Ironiezeichen (siehe Wikipedia), das sich aber nicht durchsetzen konnte, weil die Ironie keine mehr ist, wenn man sie markiert. Als reiner Ausdruck von Freude oder Missmut ist das Emoticon, wenn man will, statthaft. Antworten


Heidi Gut

16.03.2010, 11:35 Uhr
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Das wäre ja noch schöner, wenn Studenten, deren Eltern 20000 Dollar pro Semester für's Studium bezahlen, sich in ihren Aufsätzen mit Smileys ausdrücken würden. Auch würde ich gerne einmal sehen, worauf sich die Aussagen dieser Professorin beziehen. Antworten



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