Kultur

Kulturschaffende bangen um Fotografie

Von Brigitta Niederhauser. Aktualisiert am 24.09.2011 2 Kommentare

Das Bundesamt für Kultur gibt die zeitgenössische Fotografie nächstes Jahr ab. Die Fotoszene ist alarmiert.

Die Schweiz verfügt über zahlreiche Fotoschätze: 150-jährige Daguerreotypien.

Die Schweiz verfügt über zahlreiche Fotoschätze: 150-jährige Daguerreotypien.
Bild: Keystone

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Das Unbehagen unter den Leitern der Schweizer Foto-Institutionen ist gross. Auslöser ist das neue Kulturförderungsgesetz, das im Januar 2012 in Kraft tritt. Der Fotografie, so die Fachleute, bringe das neue Gesetz nur Nachteile. Es sieht vor, dass das Bundesamt für Kultur (BAK) ab Januar 2012 nicht mehr allein für die Fotografie zuständig ist. Die zeitgenössische Fotografie wird künftig von der Abteilung Visuelle Künste von Pro Helvetia betreut, beim BAK bleibt die Fotografiegeschichte.

Gegen diese Aufteilung hat sich der Verband der Foto-Institutionen der Schweiz (FIS) erfolglos gewehrt: «Wir haben bei der Vernehmlassung des neuen Gesetzes unmissverständlich darauf aufmerksam gemacht, dass die geplante Aufteilung keinen Sinn macht, aber wir wurden nicht erhört», sagt FIS-Präsident Peter Pfrunder, der Leiter der Fotostiftung Schweiz. Auch die übrigen Mitglieder des Verbandes teilen seine Ansicht, dass die Aufteilung das gut funktionierende Netzwerk der Institutionen zerstört und damit auch die erfolgreiche Aufbauarbeit der letzten zehn Jahre.

Dieser Befund wurde dem BAK in einer gemeinsamen Stellungsnahme vor knapp einem Jahr mitgeteilt. Der FIS forderte eine stärkere und explizite Positionierung der Fotografie als eigenständiges Medium. Die simple Aufteilung in Fotogeschichte und Kunstprojekte werde der Komplexität des Mediums Fotografie nicht gerecht.Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Aufteilung unter anderem darum zustande gekommen ist, weil Pius Knüsel, dem Leiter von Pro Helvetia, viel daran gelegen ist, Macht und Einfluss der Kulturstiftung zu vergrössern. Und BAK-Direktor Jean-Frédéric Jauslin unterliegt ihm in Verhandlungen öfters.

Unsicheres Budget

Doch nicht nur die unglückliche Aufteilung sorgt in der Fotoszene für erhebliche Unruhe. Gross ist auch die Befürchtung, dass die Fotografie künftig mit weniger Mitteln auskommen muss. Das Bundesamt für Kultur verfügte bisher über einen Fonds von 700'000 Franken jährlich, aus dem Fotoprojekte unterstützt wurden. Ob weiterhin mit dieser Summe gerechnet werden kann, ist unsicher. Denn bis heute ist das Budget von Pro Helvetia trotz neuer Aufgaben nicht erhöht worden. Der Ständerat stimmte in der Junisession zwar knapp einer Erhöhung um 2,1 Millionen Franken jährlich zu, doch die Ausgabenbremse wurde nicht gelöst.

Am nächsten Montag befindet nun der Nationalrat über die Kulturbotschaft. Dass sich der Nationalrat für die Kultur starkmacht, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Denn die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates (WBK) hat sich Anfang September bereits gegen eine Aufstockung der Gelder für Pro Helvetia ausgesprochen. (Der Bund)

Erstellt: 24.09.2011, 10:25 Uhr

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2 Kommentare

david arjuna

24.09.2011, 19:22 Uhr
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kultur ist in schweizer politik seit jeher ein stiefkind! wir sind eine bankennation, die kultur nach gewinnerwartungen fördert. dass es ein wunderbares fotozentrum in winterthur von internationaler bedeutung gibt, ist vor allem privaten gönnern und förderern zu verdanken. Antworten


Luzia Keller

25.09.2011, 15:39 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Ich bin schlichtweg schockiert über diese Kulturesistenz und Diskriminierung der Fotokunst! Schon immer war sie ein Stiefkind in der Kunstszene und es wäre jetzt an der Zeit, Kunstexperten in die Pflicht zu nehmen. Fotografien sind Zeitdokumente und sind mMn höher zu bewerten als manche avantgardistische Kunstperformance! Wer bestimmt eigentlich über Sinn bzw. Unsinn in der Kulturszene?! Antworten



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