Kultur

Migros-Werbung ein Trauerspiel – wann gibts wieder etwas zu lachen?

Von Simone Matthieu. Aktualisiert am 13.03.2009 20 Kommentare

Die Migros-Spots – sie liessen ganze Kinosäle in Gelächter ausbrechen: Etwas Einmaliges in der Schweizer Werbegeschichte, das 2008 ein abruptes Ende nahm. Der orange Riese verspricht: Bald darf die Schweiz wieder über die Migros lachen.

Der Klassiker: Jeans kauft man besser in der Migros. Zigaretten übrigens nicht.

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Die berühmte Szene aus Alfred Hitchcocks «Psycho» flimmert über den Bildschirm: Eine junge Frau sinkt, von einem Fremden erstochen, in der Badewanne in sich zusammen, versucht sich am Duschvorhang festzuhalten, reisst ihn von der Stange. «Duschvorhänge kauft man besser in der Migros...» wird eingeblendet. Blut rinnt in den Wannenabfluss. Mit der Pointe «...Putzmittel übrigens auch» endet der Film. Natürlich handelt es sich nicht um eine Szene aus dem Original «Psycho», sondern um einen Werbespot für den Schweizer Detailriesen. Ein Werbespot, nach dessen Strickmuster die Migros in den 90er-Jahren unzählige produzierte, die sich im kollektiven Gedächtnis des Landes festgesetzt haben.

Mit dieser und anderen überraschenden Ideen erreichte die Migros-Werbung Kultstatus. Werbung, bei der man gerne hinsieht und sich bestens amüsiert, ist ein rares Gut. Duttweilers Genossenschaft hat sich mit ihren Image-Kampagnen die Sympathien der Konsumenten gesichert.

Wie vom Erdboden verschluckt

Doch 2008 war plötzlich fertig lustig. Die Migros kam zum Schluss, dass sie sich mit zu vielen Marken und den dazugehörigen Spots verzettelt und in der Vergangenheit mehr Geld für Werbung ausgegeben hatte, als nötig. Den drei Agenturen, welche die Kommunikationsstrategie der Migros in den letzten Jahren umgesetzt hatten, wurde gekündigt und praktisch alle laufenden Werbekampagnen gestoppt.

Das wenige, was zurzeit in Sachen Migros-Werbung zu sehen ist, gleicht einem Trauerspiel. Ein Beispiel: Eine Stimme aus dem Off heisst den Zuschauer willkommen zu einer nicht näher definierten «Plusplus»-Show. Daraufhin nennt man uns Name, Marke, Preis und Vorzüge eines Staubsaugers, um mit dem belanglosen Statement «M Electronics - einfach Freude» zu schliessen.

Aufatmen

Das soll kein Dauerzustand bleiben. Die Migros arbeitet mit ihrer neuen Werbeagentur auf Hochtouren an einer neuen Image-Kampagne. Seit Februar ist nur noch eine Agentur für das Image des Detailhändlers zuständig: Jung von Matt / Limmat aus Zürich. Ein grosser Druck lastet auf den Kreativen: Noch in der ersten Jahreshälfte 2009 sollen die neuen Image-Spots erscheinen. Der Anspruch an die Migros-Werbung ist hoch. Es gilt, den Schritt von der aktuellen Plumpheit zur früheren Grösse oder zu ganz neuen Geniestreichen zu vollziehen.

Migros-Sprecherin Martina Bosshard stellt in Aussicht, dass der Migros-Genossenschafts-Bund seine Kunden mit seiner neuen Image-Kampagne wieder in altbekannter Manier unterhalten wird. Wie genau, soll noch nicht verraten werden. «Wir sind mitten in der Planung», sagt Bosshard gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Eines ist sicher: «Wir wollen mit den neuen Spots überraschen und dort weiterfahren, wo wir einst waren.» Migros-Spots sollen wieder Kult werden.

Die Migros-Werbung soll wieder Freude machen

Der orange Riese ist sich bewusst, was seine «Das kauft man besser in der Migros»- und andere Kampagnen bewirkt haben: Image-Werbung, die dermassen gut ankommt, hat Auswirkungen auf den Geschäftsgang des Unternehmens. «Oft entscheidet der Kunde gefühlsmässig, wo er einkauft», sagt Bosshard. «Gute Werbung macht eine Firma für den Kunden sympathisch, er denkt: Die haben Humor, das gefällt mir, hier kaufe ich ein.»

Offenbar will sich die Migros mit einem Paukenschlag zurück im Bewusstsein der Konsumenten melden. Sowohl beim Detailhändler selber als auch bei Jung von Matt / Limmat ist höchste Geheimhaltungsstufe angesagt. Kein Detail über die neue Image-Kampagne soll nach draussen gelangen. «Wir wollen ja mit unserer Kampagne überraschen», sagt «Jung von Matt / Limmat»-Chef Dominique von Matt zu Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Da dürfen wir ja gespannt sein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.03.2009, 15:36 Uhr

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20 Kommentare

Stefan Baumann

13.03.2009, 11:54 Uhr
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Interessanter Artikel, da staune ich nur wie man die TV-Werbungen der letzten ein, zwei Jahre überhaupt vom Stapel lassen konnte und dass es solange ging bis man nun endlich das Ruder rumreisst um zu einem solchen Fazit (siehe letzter Abschnitt) zu kommen. Mich haben diese inszenierten Chaos-Szenen aus den Migros-Läden einfach nur genervt und die Message habe ich irgendwie nie verstanden... Antworten


Thomi Horath

13.03.2009, 11:31 Uhr
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Ich kaufe in der Migros ein, weil es dort gute Qualität zu angemessenen Preisen gibt. Die Werbung beeinflusst mich da überhaupt nicht. Kürzlich hat die Migros aber das Schlossbrot aus dem Sortiment genommen. Jetzt muss ich mir überlegen, ob ich mir eine kleine Mühle kaufen soll und dann das Brot selber backen. Antworten




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