Exklusiv

Mit der Waffe vor dem Gemächt

Vor allem Frauen ziehen sich für einen guten Zweck gerne aus. Nun wirbt Jung-SVPler Xavier Schwitzguébel mit nackten Tatsachen gegen die Waffeninitiative. Rohrkrepierer oder Dienst an den Frauen?

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Manch Jungspund hat sich wohl ausgemalt, wie er dereinst ausziehen werde, für eine gerechte Sache zu streiten. Und konnte dabei nicht ahnen, dass er bald in einen Strudel von Politik und Medienwahnsinn gezogen werden würde, in dem das ganz wörtlich zu nehmen ist: ausziehen für die Politik.

Nackt-Demos sind ja nichts Neues. Viele engagierte Frauen zögern nicht, sich im Sinne der Weltverbesserung die Kleider vom Leib zu reissen: Lieber nackt als mit Pelz, heisst etwa eine Kampagne der Tierschutzorganisation «PETA», für die solariumgebräunte Schönheiten die Waffen einer Frau in Stellung bringen. Nackte Radler schwingen sich diesseits und jenseits des Atlantiks auf ihre Drahtesel, um fürs Velo oder gegen die Umweltverschmutzung zu demonstrieren. Globalisierungsgegner und Studenten verhelfen ihren Anliegen hüllenlos zu mehr Aufmerksamkeit. Vergangenes Jahr formierte sich in den USA mit dem «Topless-March» gar eine Frauenbewegung, die für genau das Recht demonstrierte, sich mit nacktem Oberkörper zu zeigen – natürlich oben ohne.

Sixpack ist Sixpack

Bislang taten sich zwar vor allem Frauen in der Disziplin hervor. Aber in der Schweiz sind wir in dieser Hinsicht fortschrittlich. Für grosses Aufsehen sorgte vor drei Jahren Bastien Girod, der mit seinem Sixpack gegen den «Striptease auf dem Polizeiposten» vorging und sich mit Sex-Appeal und Anti-Offroader-Initiative bei den Grünen in die Pole-Position manövrierte. Und es scheint, als hätte der politische Gegner sich davon inspirieren lassen. Anlässlich der anstehenden Waffeninitiative hat der Präsident der jungen SVP-Genf, Xavier Schwitzguébel die Gelegenheit ergriffen und sich nackt mit Waffe ablichten lassen. Das Schiesseisen züchtig vor dem Gemächt arrangiert. Eingedenk der Volksweisheit, dass Waffen für viele Männer eine Art Penis-Prothese sind, erscheint uns das doch etwas heikel - zumal die SVP die Initiative ja auch als «Entwaffnungsinitiative» zu bezeichnen beliebt. Das spricht doch Bände.

Ganz abgesehen von der Moralfrage, denn im rechtskonservativen Umfeld könnte das leicht zum politischen Rohrkrepierer werden. «Wir hoffen, damit Stimmen der Frauen gewinnen zu können», äusserte sich sich Schwitzguébel dazu. Nett. Das sind wohl die neuen Männer und wir Frauen sagen dazu: Aber gern! Nur zu! Und noch erfreulicher ist, dass nicht irgendwelche Coiffeure und KV-Angestellte sich für uns ausziehen, sondern die kommenden Herren der Welt. Oder zumindest der Schweiz. Klar, sollten die Männer nun wirklich den Weg der Frauen gehen und jede Gelegenheit ergreifen, sich die Kleider vom Leib zu reissen, um nackt in Boulevard- und Lifestyleblättern zu posieren, werde ich meine Worte vielleicht noch bereuen.

Bis dahin lehnen wir uns gerne zurück nach dem Motto: Sixpack ist Sixpack – es darf auch ein bisschen braun sein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.01.2011, 14:09 Uhr

Lesen Sie auch

Sponsored

Ein Hauch Kalifornien in der Westschweiz

Lausanne wird immer wieder mit San Francisco verglichen. Was daran stimmt, sagt Yves Béhar, Designer des 100-Dollar-Laptops.

Kommentare

Blogs

Mamablog 20 Spielideen für den Strand
Blog Mag Essen als Kult
Politblog Barbaren unter uns

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Erinnert an einen Pizzaiolo: Auf riesigen Tellern lässt diese Frau in der chinesischen Provinz Jiangxi Chilischoten, Spargelbohnen und Chrysanthemum-Blüten an der Sonne trocknen. (21. Juli 2017)
Mehr...