Radio-Kritik: Alles Roger

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 16.03.2010 32 Kommentare

Radio-1-Chef Roger Schawinski und «Weltwoche»-Patron Roger Köppel streiten sich neu einmal die Woche im Äther. Gestern war Premiere von «Roger vs. Roger».

«Du wiederholst dich, nein du»: Roger Köppel, Roger Schawinski.

«Du wiederholst dich, nein du»: Roger Köppel, Roger Schawinski.

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Sendung

«Roger vs. Roger» läuft jeweils am Montag nach sechs Uhr auf Roger Schawinskis Privatsender Radio 1.

«Es gibt niemanden, der so zuverlässig eine andere Meinung hat wie ich», sagte Schawinski im Vorfeld. Er sollte nicht ganz recht behalten. Zum Auftakt der Sendung empörte sich der Radio-1-Chef über Oswald Grübels Optionsprogramm, das dem UBS-Boss 24 Millionen einspielte: «Eine Frechheit!» Köppel allerdings sah das ähnlich: Angestellte sollen sich nicht selber bedienen. Es müsse an den Aktionären sein, zu bestimmen, wer wie viel Gehalt bekomme.

Ansonsten allerdings nahm das Gespräch seinen geplanten Lauf. Köppel wetterte über Bundesbern und die SP, Schawinski über schamlose Manager. Auch beim zweiten Thema, dem Schweizer Bankgeheimnis, war man sich schön uneinig. Köppel bezeichnete die Weissgeld-Strategie der FDP als «fatalen Irrweg». Schawinski brachte das Argument des «Rechtsstaats, der Unrecht schützt» ins Spiel.

«Roger vs. Roger» – der Name ist Programm – soll ein Rede-Duell sein. Letztlich geht es darum, einen Sieger zu eruieren. Jedoch muss Schawinski, um das Gespräch in Gang zu halten, auch den Part des Moderators übernehmen – was dazu führt, dass man sich als Hörer schnell in einem Interview wähnt. Hier der angriffige Fragensteller, dort der Gast, der sich verteidigen muss. Wobei gesagt werden muss, dass Köppel diese Rolle stets mit Bravour spielt: Attacken pariert er nicht nur, sondern startet sogleich, aus der Verteidigung heraus, zur Gegenattacke.

Zu allem eine Meinung

Freunden der Rhetorik wird das Format somit durchaus Spass machen. Wem es um Inhalte geht, der wird enttäuscht. Was daran liegt, dass die beiden Rogers zu allem eine Meinung haben, bloss selten eine vertiefte. Klassische Allrounder - böse Zungen könnten auch sagen: Halbwissende. Und so bestand das gestrige Gespräch zwangsläufig aus einer Schlagwort-Parade: «Nicht erpressen lassen», «Standortvorteil verteidigen» oder «Schreckschuss-Politik» etc. Daran mag auch das Konzept schuld sein: Wenn zwei Alphatierchen des einheimischen Journalismus, die sich obendrein gerne selber reden hören, während 15 knappen Minuten diskutieren, sind nun mal keine grossen Erkenntnisse zu erwarten.

Im Ton vergriffen sich die beiden Streithähne kaum. Schärfer wurden die Attacken erst, als die Sendung zu Ende ging. Köppel bezeichnete Schawinski als «Frank A. Meyer». Schawinski gab mit «Blocher» zurück. Schliesslich warfen sie sich etwas genervt vor, dass man sich wiederhole («du wiederholst dich» – «nein, du dich»). In diesem Sinne lautet der Zwischenstand von «Roger vs. Roger» nach der ersten Runde 1:1. Wir bleiben dran.

Wie hat Ihnen die Sendung gefallen? Meinungen bitte unten eintragen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.03.2010, 12:28 Uhr

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32 Kommentare

Tom Katzenbach

16.03.2010, 16:12 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Peinlich: Roger Köppel argumentierte auf dem Niveau eines Mauro Tuena. Antworten


Tom Berger

16.03.2010, 07:35 Uhr
Melden

Beide sind seit Jahren sowohl in Talkshows als auch in Zeitungsinterviews omnipräsent. Beide sind ausgesprochene Selbstdarsteller und gewiefte Unternehmer. Ich habe den Eindruck, dass ihnen an den jeweiligen Themen gar nicht so viel liegt, sondern, dass sie vorallem sich und dadurch indirekt auch ihre Produkte im Gespräch halten möchen. Antworten



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