Radio-Kritik: «Du bist ein Amateur-Kabarettist»
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 06.09.2010 22 Kommentare
Im Februar 2010 war Schawinski letztmals in der Sendung «Giacobbo/Müller» zu Gast. Das rund fünf Minuten dauernde Gespräch war ein Highlight der Schweizer TV-Unterhaltung, wie schon öfters, wenn Schawinski in einer der Vorgängersendungen Giacobbos zu Gast war (siehe Bildstrecke oben). Schawinski geniesst es, auf die Schippe genommen zu werden; er zeigt sich zugleich selbstironisch wie auch schlagfertig – die ideale Voraussetzung für einen Gast einer Late-Night-Sendung.
Gestern auf Schawinskis Radio 1 war für einmal Viktor Giacobbo der Gast. Und in üblicher Manier provozierte Schawinski bereits im ersten Satz: Er sei ja jetzt am «theöterle» im Casinotheater, so Schawinski in der Einleitung. Obwohl ein Lied dazwischen lag, stieg Giacobbo darauf ein, sprach vom «radiöle», in einer Tonalität, dass man merkte, lustig fand er die Provokation nicht. Damit wurde schon klar, was die beiden unterscheidet: Giacobbos Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, ist begrenzt, wenn er nach einem Angriff zum Gegenangriff ausholt, so tönt dies immer leicht pikiert.
Wer hat die schlimmeren Prostituiertenprobleme?
Zugegeben, Schawinski nimmt in seinem Zwang zur Provokation einiges an Peinlichkeiten in Kauf. Er spricht immer wieder grossmäulig Dinge an, über die er kaum informiert ist, platziert Pointen, bei denen Giacobbo den Radio-Mann zu Recht als «Amateur-Kabarettisten» abkanzelt. In ihrem Wettbewerb um Originalität und bessere Seitenhiebe schaffen es beide kaum, auch nur einen ernsthaften Satz zu sagen, zumindest einen Ansatz von Information zu vermitteln. Und so kommt es zu absurden Diskussionen, wie zum Beispiel, ob in Winterthur oder Zürich die Prostitution ausladender sei:
Schawinski meinte daraufhin, Giacobbos letzte Bemerkung sei ein «Schuss unter die Gürtellinie» gewesen, zumal er mit einem sechsstelligen Betrag «Grossaktionär des Casinotheaters» sei.
Schiisdräck verbannt
Schawinski merkte offenbar selbst, dass der Erkenntniswert das Gesprächs eher gering war:
Dass das Herumsticheln zweier Rhetorik-Giganten phasenweise trotzdem unterhaltsam sein kann, zeigt folgendes Beispiel, bei dem es um den Erfolg oder Misserfolg eines fünf Jahre alten Filmes ging:
Ähnlich tiefgründig war der Schlagabtausch darüber, ob Giacobbo in seiner Sendung zu viele billige Sprüche unter der Gürtellinie mache. Worauf Giacobbo meinte, er werde anstatt «Das isch än Schissdräck» zukünftig «Das isch ä wahnsinnigi Fäkalie» sagen:
Schawinski und Giacobbo haben gemeinsam schon für viele heitere Momente gesorgt. In dieser Radiostunde waren sie rar. Zu angestrengt war dieser Kampf um die lustigeren Bösartigkeiten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.09.2010, 10:32 Uhr
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22 Kommentare
Bin mit Stefan Beugger in vielem einig. Dies war das erste Mal, dass jemand Herrn Schawinski ein erfolgreiches Kontra gegeaben hat, d.h. ihn ebenso in die Zange genommen hat, wie er das routinemässig mit anderen tut. Victor Giaccobo hat sich einfach nichts gefallen lassen, er war ein richtiger Streithahn. Wenn man bedenkt, wie oft die Gäste bei Schawinski klein beigeben, freut das einem... Antworten
Gut, jetzt wissen wir, dass auch Giacobbo weder lustig, witzig noch unterhaltsam ist - eben auch nur ein Möchtegern-Schnurri unter den vielen "Talenten" im Schweizerischen Unterhaltungssektor, obwohl eri mmer noch glaubt, der Beste zu sein. Vico Torriani, Kurt Felix & CO. lassen grüssen. Über Roger Schawinki muss wohl nichts mehr gesagt werden - oder? Antworten
auch wenn beide viel erreicht haben, zumindest an medialer präsenz, tu bei beiden mich fremdschämen wenn ich mal in ihre sendungen schalte. sie sind sich zu ähnlich in geist, niveau und sprüchen als dass ich da einen unterschied erkennen könnte. dass beide gemeinsam über den äther schwirren ist ein anballung an banalität. wers mag solls geniessen. ich geh einen sender weiter. Antworten
Normalerweise drehe ich eine von Schawinski moderierte Sendung ab. Herr Giacobbo hat aber sehr gut auf die Provokationen der Primadonna der Talkshow gekontert. Was ich an Schawinski nicht mag ist die Tatsache, dass er sehr gerne austeilt, aber nicht mit Kritik an seiner Person umgehen kann. Ich muss sagen 1:0 für den Satiriker Giacobbo, die rote Karte für Prinzessin Schawinski! Antworten
Schawinski hat viele Qualitäten. Interviews führen kann er aber immer noch nicht. Und zwar egal, wen er grad im Studio hat. Er ist zwar gerne provokant, aber selten hat er wirklich gut recherchiert. Eigentlich beschämend für einen alten Hasen wie Schawinski. Antworten










laden franz
was schawi am besten kann, ist seine gegner verbal niederzuschmettern. da ist ihm keiner gewachsen. doch siehe da, giacobbo war in kampflaune und hat schawinski keinen spielraum gegeben und ihn gnadenlos ausgespielt. schawinski ist kein guter verteidiger und giacobbo ist kein guter zuhörer. am schluss war es nur noch eine schlacht. gewonnen hat das ego, der dialog hat leider darunter sehr gelitten Antworten