Kultur

Radio-Kritik: «Du bist ein Amateur-Kabarettist»

Wenn Roger Schawinski bei Viktor Giacobbo in der Sendung zu Gast ist, wirds lustig. Im umgekehrten Fall verhält es sich etwas anders.

1/7 Schwergewichte der Schweizer Medienszene: Kabarettist Viktor Giacobbo und Medienunternehmer Roger Schawinski. Seit Jahrzehnten stossen die beiden privat und beruflich immer wieder aufeinander, wie folgende Bilder und Videos zeigen.
Bild: SF/Keystone

   

Im Februar 2010 war Schawinski letztmals in der Sendung «Giacobbo/Müller» zu Gast. Das rund fünf Minuten dauernde Gespräch war ein Highlight der Schweizer TV-Unterhaltung, wie schon öfters, wenn Schawinski in einer der Vorgängersendungen Giacobbos zu Gast war (siehe Bildstrecke oben). Schawinski geniesst es, auf die Schippe genommen zu werden; er zeigt sich zugleich selbstironisch wie auch schlagfertig – die ideale Voraussetzung für einen Gast einer Late-Night-Sendung.

Gestern auf Schawinskis Radio 1 war für einmal Viktor Giacobbo der Gast. Und in üblicher Manier provozierte Schawinski bereits im ersten Satz: Er sei ja jetzt am «theöterle» im Casinotheater, so Schawinski in der Einleitung. Obwohl ein Lied dazwischen lag, stieg Giacobbo darauf ein, sprach vom «radiöle», in einer Tonalität, dass man merkte, lustig fand er die Provokation nicht. Damit wurde schon klar, was die beiden unterscheidet: Giacobbos Fähigkeit, über sich selbst zu lachen, ist begrenzt, wenn er nach einem Angriff zum Gegenangriff ausholt, so tönt dies immer leicht pikiert.

Wer hat die schlimmeren Prostituiertenprobleme?

Zugegeben, Schawinski nimmt in seinem Zwang zur Provokation einiges an Peinlichkeiten in Kauf. Er spricht immer wieder grossmäulig Dinge an, über die er kaum informiert ist, platziert Pointen, bei denen Giacobbo den Radio-Mann zu Recht als «Amateur-Kabarettisten» abkanzelt. In ihrem Wettbewerb um Originalität und bessere Seitenhiebe schaffen es beide kaum, auch nur einen ernsthaften Satz zu sagen, zumindest einen Ansatz von Information zu vermitteln. Und so kommt es zu absurden Diskussionen, wie zum Beispiel, ob in Winterthur oder Zürich die Prostitution ausladender sei:

Schawinski meinte daraufhin, Giacobbos letzte Bemerkung sei ein «Schuss unter die Gürtellinie» gewesen, zumal er mit einem sechsstelligen Betrag «Grossaktionär des Casinotheaters» sei.

Schiisdräck verbannt

Schawinski merkte offenbar selbst, dass der Erkenntniswert das Gesprächs eher gering war:

Dass das Herumsticheln zweier Rhetorik-Giganten phasenweise trotzdem unterhaltsam sein kann, zeigt folgendes Beispiel, bei dem es um den Erfolg oder Misserfolg eines fünf Jahre alten Filmes ging:

Ähnlich tiefgründig war der Schlagabtausch darüber, ob Giacobbo in seiner Sendung zu viele billige Sprüche unter der Gürtellinie mache. Worauf Giacobbo meinte, er werde anstatt «Das isch än Schissdräck» zukünftig «Das isch ä wahnsinnigi Fäkalie» sagen:

Schawinski und Giacobbo haben gemeinsam schon für viele heitere Momente gesorgt. In dieser Radiostunde waren sie rar. Zu angestrengt war dieser Kampf um die lustigeren Bösartigkeiten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.09.2010, 10:32 Uhr

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22 Kommentare

laden franz

10.09.2010, 15:45 Uhr
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was schawi am besten kann, ist seine gegner verbal niederzuschmettern. da ist ihm keiner gewachsen. doch siehe da, giacobbo war in kampflaune und hat schawinski keinen spielraum gegeben und ihn gnadenlos ausgespielt. schawinski ist kein guter verteidiger und giacobbo ist kein guter zuhörer. am schluss war es nur noch eine schlacht. gewonnen hat das ego, der dialog hat leider darunter sehr gelitten Antworten


Christian Dürig

08.09.2010, 16:08 Uhr
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Hier in Bern wollen wir Witz. Zu sehen ist dies an den Fassaden vom Münster, Zytglogge, Kornhauskeller. Zu hören ist er mit Dällebach Kari, Mani Matter, Bundesrat. Humor ist der Schwimmgürtel des Lebens. Satire hat hier keinen Platz. Antworten


Urs Jenni

06.09.2010, 20:28 Uhr
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Genauso peinlich und belanglos wie dieses Arosa Humor-Festival. Antworten


Jasna Crossan

06.09.2010, 17:07 Uhr
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Bin mit Stefan Beugger in vielem einig. Dies war das erste Mal, dass jemand Herrn Schawinski ein erfolgreiches Kontra gegeaben hat, d.h. ihn ebenso in die Zange genommen hat, wie er das routinemässig mit anderen tut. Victor Giaccobo hat sich einfach nichts gefallen lassen, er war ein richtiger Streithahn. Wenn man bedenkt, wie oft die Gäste bei Schawinski klein beigeben, freut das einem... Antworten


Hansueli Höhn

06.09.2010, 16:04 Uhr
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Man kann über Schawinski denken was man will - er hat viel bewegt und erreicht. Und der Giacobbo ist schlicht genial - ausser bei diesem Talk, das seine (unnötige) Dünnhäutigkeit frappant und irritierend bloss stellte. Schade - sehr schade. Antworten


Fabian Baum

06.09.2010, 15:59 Uhr
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Die beiden zeigen, weswegen die Deutschschweizer solche Deutschlandkomplexe haben: die Deutschschweizer sind weder schlagfertig noch witzig. Dieser billige Schwachsinn würde auf keiner deutschen Bühne bestehen. Antworten


Andy Holmes

06.09.2010, 15:48 Uhr
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Meine Güte, Roger Schawinski... alter Radiopionier. Wie tief kann man noch sinken? Erst pampt er jeden Sonntag in der Sonntagszeitung auf oberpeinliche Art und auf Tiefschlag-Niveau den Blocher und/oder die SVP an... und dann solche Auftritte... Antworten


Renzo Giambonini

06.09.2010, 15:09 Uhr
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Gut, jetzt wissen wir, dass auch Giacobbo weder lustig, witzig noch unterhaltsam ist - eben auch nur ein Möchtegern-Schnurri unter den vielen "Talenten" im Schweizerischen Unterhaltungssektor, obwohl eri mmer noch glaubt, der Beste zu sein. Vico Torriani, Kurt Felix & CO. lassen grüssen. Über Roger Schawinki muss wohl nichts mehr gesagt werden - oder? Antworten


Claudia Moser

06.09.2010, 14:55 Uhr
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auch wenn beide viel erreicht haben, zumindest an medialer präsenz, tu bei beiden mich fremdschämen wenn ich mal in ihre sendungen schalte. sie sind sich zu ähnlich in geist, niveau und sprüchen als dass ich da einen unterschied erkennen könnte. dass beide gemeinsam über den äther schwirren ist ein anballung an banalität. wers mag solls geniessen. ich geh einen sender weiter. Antworten


Roger Huber

06.09.2010, 14:46 Uhr
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Ein elendes "gechifle". Antworten


Robert Marti

06.09.2010, 14:41 Uhr
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@Carlo Hirt: Es sind nicht 2 Zürcher, die meinen, lustig zu sein, sondern 1 *Winterthurer* und 1 Zürcher. Dies scheint für die Winterthurer wichtig zu sein - nicht nur für Viktor Giacobbo, übrigens. Antworten


STefan Beugger

06.09.2010, 14:17 Uhr
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Normalerweise drehe ich eine von Schawinski moderierte Sendung ab. Herr Giacobbo hat aber sehr gut auf die Provokationen der Primadonna der Talkshow gekontert. Was ich an Schawinski nicht mag ist die Tatsache, dass er sehr gerne austeilt, aber nicht mit Kritik an seiner Person umgehen kann. Ich muss sagen 1:0 für den Satiriker Giacobbo, die rote Karte für Prinzessin Schawinski! Antworten


Max Weber

06.09.2010, 13:11 Uhr
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Schawinski ein Rhetorik-Gigant? Antworten


Rafael Correcher

06.09.2010, 12:52 Uhr
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Liebe Leute, lustig oder nicht lustig...who cares? Antworten


Kurt Aegeri

06.09.2010, 12:09 Uhr
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Schawinski hat viele Qualitäten. Interviews führen kann er aber immer noch nicht. Und zwar egal, wen er grad im Studio hat. Er ist zwar gerne provokant, aber selten hat er wirklich gut recherchiert. Eigentlich beschämend für einen alten Hasen wie Schawinski. Antworten


Gregor Spichiger

06.09.2010, 11:57 Uhr
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Danke TA für diese tolle Analyse. Ich für meinen Teil fand das Gespräch so wie es war sehr lustig. Ich konnte viel lachen und habe die Schlgabtäusche zwischen den beiden sehr genossen. Antworten


Heiri Ochsner

06.09.2010, 11:54 Uhr
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Habe die zwei Streithähne gehört. Also sogar Boppeler & Stark sind unterhaltsamer und geistreicher! Liebe Idée Suisse Konzessionäre: Bringt bitte mehr von Boppeler & Stark!! Antworten


tina baroni

06.09.2010, 11:47 Uhr
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der einzige der hier frei von humor ist, ist wohl eher der angestrengte tagi-journalist der "ums veregge" das haar in der suppe finden will und dann auf möchtegern-zereiss-investigativ-journi macht. Antworten


Marc Widmer

06.09.2010, 11:31 Uhr
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was solls. Sie werden halt einfach alt. Antworten


David Meili

06.09.2010, 11:22 Uhr
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"Rhetorik-Giganten" - da lachen die Affen im Plättli-Zoo. Ennet dem Rhein hätte der eine nicht die geringste Chance und der andere ist gescheitert. Antworten


Carlo Hirt

06.09.2010, 10:59 Uhr
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So ist es halt offenbar wenn 2 Zürcher meinen lustig zu sein. Antworten


Roger Riger

06.09.2010, 10:56 Uhr
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Einfach zuhören, geniessen, sich unterhalten lassen und z.T. lachen - das war am Sonntagmorgen von 11 bis 12 Uhr der Fall ;-) Antworten



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