Schweizer Sesselbahn ist der Renner in Shanghai
Artikel zum Thema
Durchschnittlich rund 7600 Besucherinnen und Besucher lang war die Schlange vor dem Eingangstor des Schweizer Expo-Pavillons. Vor keiner anderer Länder-Ausstellung war die Warteschlange am Samstagabend länger, wie die offizielle Statistik der Expo zeigt. «Am ersten Tag der Weltausstellung besuchten rund 9000 Personen den Schweizer Pavillon», sagte die Sprecherin des Schweizer Projekts, Clenia Kanai.
Es könnten noch mehr sein: Die Kapazität des Pavillons mit seiner Fläche von 4000 Quadratmetern ist eingeschränkt wegen der Sesselbahn, die nur rund 1000 Besucher pro Stunde befördern kann. Während den sechs Expo-Monaten können somit nur 2,5 Millionen Menschen, oder drei Prozent aller erwarteten Expo-Besucher, die Schweizer Ausstellung sehen. Zum Vergleich: Die Betreiber des französischen Projekts erwarten sechs Mal so viele Leute.
Pavillon-Direktor Manuel Salchli verspricht Abhilfe: «Wir können die Kapazität des Sessellifts erhöhen, er findet bei den Chinesen viel mehr Anklang als erwartet. Unser Ziel ist es, innerhalb der nächsten zwei Wochen diesen enormen Andrang besser zu bewältigen.»
Bis zu vier Stunden warten
«Ich habe so viele gute Dinge über die Schweiz gehört, nun wollte ich mir selber einen Augenschein machen», erzählt die Kanada-Chinesin Gloria Zhao vor dem Pavillon. Tausende stehen am Samstag wie Zhao bei strahlendem Sonnenschein geduldig in der Schlange - die Wartezeit beträgt zwischen drei und vier Stunden.
Das Gelände der Schweiz figuriert bei vielen ganz oben auf dem Expo-Besuchsprogramm - in erster Linie wegen der Sesselbahn, über die in chinesischen Medien breit berichtet wurde. Wer es auf das Gelände geschafft hat, steuert oft zuerst die riesige IMAX- Projektion mit Schweizer Berglandschaften an.
Deutlich weniger interessant scheinen die zwölf Schweizerinnen und Schweizer zu sein, die auf Bildschirmen in Lebensgrösse über ihr Leben erzählen.
Die 50 Ferngläser mit dreidimensionalem Ausblick auf Schweizer Erfolgsgeschichten sind wiederum beliebt, aber klarer Favorit bei den Besuchern ist die Sesselbahn, welche auf das Dach der Schweizer Anlage führt.
Städte-Ausstellung hat schweren Stand
Ziemlich verlassen wirkt der integrierte Pavillon von Zürich, Basel und Genf. «Er befindet sich ein bisschen Abseits vom Haupteingang», erklärt der Projektverantwortliche für Genf, Sami Kanaan. «Wir erwarten mehr Leute in den nächsten Tagen, sobald sie die Signalisation und die Sichtbarkeit der Anlage verbessert haben.»
«Der Grossteil des Publikums kommt, um sich zu amüsieren und um auf angenehme Art etwas zu lernen», begründet Pavillon-Generalkommissär Uli Sigg den spielerischen Ansatz des Schweizer Projekts. Für den eher didaktisch konzipierten Städte-Pavillon wird es daher schwierig, die Publikumsgunst zu gewinnen. (vin/sda/)
Erstellt: 02.05.2010, 16:11 Uhr




