«Thiels Auftritt empfand ich als viel härter»

SRF will den Auftritt von Satiriker Serdar Somuncu am Arosa-Humorfestival nicht zeigen. Zensur? Tagesanzeiger.ch/Newsnet zeigt die Darbietung und sprach mit Festivaldirektor Frank Baumann.

Serdar Somuncus Auftritt am Arosa-Humorfestival.

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«Arschblocher» und «aufrichtige Schweizer Nazis»: Ist das Satire, die auf SRF gezeigt werden sollte?
Das waren bloss zwei Begriffe aus dem Programm von Serdar Somuncu, die nun prominent kursieren. Besonders lustig fand ich die auch nicht. Der Rest des Programms war ein ganz anderes Kaliber.

Hatte Somuncu eine Garantie, dass er in die Best-of-Sendung kommt?
Nein. Er hatte nur die Zusicherung, in der Vorstellung auftreten zu können. Aber er war halt sehr erstaunt über den Entscheid des Fernsehens. Aus Sicht des Künstlers verstehe ich seinen lautstarken Ärger. Obwohl er privat ein nachdenklicher Mensch ist.

Wie lief der Auftritt genau ab?
Nach Plan. Somuncu erschien zur Probe, wo das Fernsehen dabei war. Auch der Auftritt ging wie geplant über die Bühne, seine Darbietung kam beim Publikum an. Der Entscheid, ihn nicht in die Best-of-Aufzeichnung zu nehmen, wurde später beim Fernsehen gefällt.

Wieso hat SRF seinen Auftritt nicht ins Best-of-Programm genommen?
Das ist tatsächlich die Frage. Man könnte ja auch sagen, wir mischen unbeschwerte Komik mit politischem Kabarett. Andreas Thiel empfand ich persönlich übrigens als wesentlich härter, und der kommt im Best-of-Programm vor. Aber darüber müssten Sie mit dem Redaktor reden, der für die Zusammenstellung verantwortlich ist. Vielleicht war er nicht vollständig mit dem Werk von Somuncu vertraut. Denn so viel steht fest: Serdar ist kein plumper Komiker, sondern ein bitterböser Satiriker.

SRF sagt, Somuncu passe nicht in den «Sendungsmix». «Politische Zensur!», sagt Somuncu. Ihre Meinung?
Natürlich ist er politisch. Der Mann stellt Fragen, sucht die Debatte. Bekannt wurde er ja mit seiner szenischen Lesung «Nachlass eines Massenmörders», in der er ausgewählte Textstellen aus Hitlers «Mein Kampf» vortrug. Und das als Deutsch-Türke, manchmal vor 300 Rechtsradikalen. Sie wurde insgesamt 1428-mal aufgeführt. Der Mann ist bekannt. Wenn man ihn im Best-of-Schnitt drin gelassen hätte, würden wir jetzt nicht miteinander reden und ich könnte jetzt Ski fahren gehen. Das SRF ist unnötigerweise in einen Lawinenhang gefahren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 05.01.2016, 11:01 Uhr)

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