Kultur

Unerreichbare Mütter

Von René Staubli. Aktualisiert am 30.05.2011 18 Kommentare

Dauernd am Reden, nur nicht mit dem eigenen Kind: Die Handy-Eltern.

Eine deutsche Studie belegt, dass Mütter durchschnittlich schon länger in ihr Handy reden als mit ihren Kleinen.

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Mütter schieben ihren Kinderwagen durch die Stadt, das Handy am Ohr. Sie unterhalten sich bestens – mit wem auch immer. Ihrem Kind schenken sie kaum Beachtung. Das ist ein Bild, das man immer häufiger sieht (seltener auch mit Vätern).

Die Mutter redet ins Leere, mit jemandem, der nicht zu sehen ist, während sie lacht, schimpft oder gestikuliert. Das Kleinkind kann mit seiner Mama keinen Blickkontakt herstellen, denn diese sieht weg oder durch es hindurch. Die Kleinen müssen sich verloren vorkommen, denkt man, verunsichert, verzweifelt. Sie schaffen es einfach nicht, ihre wichtigste Bezugsperson für sich zu interessieren.

Wenn Eltern nur halb anwesend sind

In Fachkreisen erfährt man, dass in Spitälern Frauen oder auch ihre Begleiter sogar während der Geburt am Handy hängen oder SMS verschicken. Und man stösst auf eine Broschüre, in der sich Experten wie der Schweizer Kinderarzt Remo Largo zum Thema äussern. Was sie sagen, sollten sich die Handymütter merken.

Kleinkinder leiden unter den leeren Augen einer Mutter, die nur halb anwesend ist. Sie resignieren, verschliessen sich, frieren seelisch ein. Sicherheit gibt ihnen nur eines: der enge emotionale Kontakt mit nahen Menschen. Wenn diese unerreichbar bleiben, ziehen sich die kleinen Wesen zurück, werden ängstlich und entwickeln sich weniger gut. Warum tun Mütter ihren Kleinkindern das an? Sie seien abhängig von ihren Handys oder einfach gedankenlos, sagt Maria Luisa Nüesch, welche die Broschüre verfasst hat. Viele Mütter täten sich schwer damit, das gewohnte Kommunikationsverhalten aus dem Alltag oder dem Berufsleben aufzugeben, sich ihren Babys zuzuwenden und wirklich präsent zu sein.

Handy ausschalten, Kind anschauen

Eine deutsche Studie belege, dass Mütter durchschnittlich schon länger in ihr Handy redeten als mit ihren Kleinen. Und so kommt es, dass die von Nüesch befragten Fachleute zum Selbstverständlichen raten: das Handy zumindest dann auszuschalten, wenn man das Baby wickelt oder stillt. Einen Kinderwagen zu kaufen, der den Blickkontakt ermöglicht – und das Kind beim Spazieren auch mal anzuschauen und mit ihm zu plaudern. Kleine Kinder brauchen das.

Das Faltblatt zum Thema kann gratis über folgende Adresse bestellt werden: spielraum-lebensraum@bluewin.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.05.2011, 12:53 Uhr

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18 Kommentare

Hans Berger

30.05.2011, 14:14 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Viele Frauen (seltener Männer) sollten sich besser überlegen, ob sie überhaupt Kinder haben möchten. Das ist nicht einfach so eine Nebensache, das ist eine mindestens 20 Jahre dauernde Aufgabe, in den ersten Jahren sogar ein 100% Job. Antworten


Alexander Steiner

30.05.2011, 15:39 Uhr
Melden 12 Empfehlung

Jeder Fortschritt ist ein Rückschritt für die Menschheit! Das Handy ist eine der dümmsten Erfindungen die es je gegeben hat! Man könnte meinen, ein Leben ohne Handy sei unmöglich und die dauerde Erreichbarkeit nervt extrem. Deshalb hatte ich schon "Lämpe " mit Freunden, da ich das Handy lautlos hatte und nicht gestört werden wollte! Schliesslich nimmt man kein Telefon ab, wenn man zu Besuch ist! Antworten



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