Verratene Verräter
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 01.12.2010 47 Kommentare
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Und wieder steht die globale Diplomatie Kopf, weil Wikileaks-Gründer Julian Assange hochsensible Daten der US-Regierung veröffentlicht hat. Im konservativen Amerika gilt er deshalb als Verräter, als Feind der freien Welt. Für andere ist er ein Held der Pressefreiheit. Sicher aber ist Assange wohl eine Projektionsfigur für einen schwelenden moralischen Konflikt: Rechtfertigt die Forderung nach absoluter Transparenz auch Verrat? Und wenn ja, sind wir bereit, in einer absolut transparenten Welt auf Privatsphäre zu verzichten?
Verräter, so viel ist klar, müssen damit rechnen, selber Opfer eines Verrats zu werden. Dafür liefert der junge US-Soldat Bradley Manning das schönste Beispiel. Manning war die Quelle, aus der Abertausende als geheim eingestufte Dokumente stammen, die Wikileaks veröffentlicht hat. Im Mai hatte der im Irak stationierte IT-Spezialist Manning den bekannten US-Hacker Adrian Lamo kontaktiert. Die beiden unterhielten sich in einem Internet-Chat über die brisanten Informationen, auf die Manning Zugriff hatte: «Was würdest du tun, wenn du unbegrenzten Zugang zu geheimen Netzwerken hättest, 24 Stunden pro Tag, sieben Tage in der Woche und das für mehr als acht Monate?» fragte Manning. Lamos Antwort ist unbekannt, aber man weiss, was er daraufhin tat: Er alarmierte die US-Behörden, die Manning kurz darauf festnahmen. Heute sitzt Manning im Gefängnis – ungeachtet der Tatsache, dass er auch offensichtliche Kriegsverbrechen aufgedeckt hat. Dies wiederum macht ihn für andere Kreise zum Helden: Längst gibt es eine Unterstützungs-Website für ihn, Noam Chomsky nannte ihn einen Helden, Michael Moore fordert seine Freilassung.
Hochverrat ist eine Frage des Datums
Wer hat recht? Ob ein Verräter als Held gefeiert wird oder als Verbrecher verurteilt, ist oft nur eine Frage der Umstände. «Hochverrat ist eine Frage des Datums», wusste der adlige Kleriker und Aussenminister Napoleons Charles-Maurice de Talleyrand schon vor 200 Jahren. Nicht nur. Bei der Beurteilung eines Verrats spielt letztlich vor allem die Frage nach dem Zweck, den Motiven, Zielen und Wirkungen eine Rolle. Und diese zeigen sich oft erst im Nachhinein.
Vor allem die letzten 200 Jahre lieferte dafür eine Fülle von Anschauungsmaterial, schreibt Margret Boveri in ihrem 1956 erschienenen Grosswerk «Der Verrat im 20. Jahrhundert». Eine Reihe fürchterlicher Kriege, die Aufteilung der Welt in Machtblöcke, der Kampf der Ideologien schufen ein Klima, in dem der Verrat prächtig gedieh: «Der Verrat ist in unserem Leben zum Alltagsbegriff geworden, so umfassend, als habe er sein eigenes geheimes und so undurchsichtig-mächtiges Reich auf einer Ebene errichtet, die sich nicht mit Völkern, Nationen, Verfassungen, Glaubensgemeinschaften deckt, aber doch alle zerstörend oder verwandelnd durchdringt ... Heute werden als Helden oder Märtyrer die gefeiert, die gestern als Verräter gehenkt wurden», schreibt Boveri dazu. Und hat dabei Persönlichkeiten im Blick, wie etwa die Verschwörer des 20. Juli 1944, die Adolf Hitler zu stürzen versuchten, oder einen Richard Sorge, der den japanischen Angriff auf Pearl Harbor und den deutschen Überfall auf die Sowjetunion (ohne Erfolg) vorab verraten hatte und 1944 in Japan am Galgen endete.
Radikale Transparenz erstrebenswert?
Einfach ist es, einen Verräter postum als Helden zu feiern – dennoch bleibt er moralisch verdächtig. Denn Verrat verletzt ein fundamentales moralisches Prinzip: Das gegenseitige Vertrauen gehört zu den wichtigsten Grundwerten, die unseren gesellschaftlichen Umgang miteinander regeln. Wir gehen davon aus, dass die Dinge uns so präsentiert werden, wie sie tatsächlich sind – und vertrauen unseren Freunden, Kollegen und Mitmenschen in dieser Hinsicht. Wird dieses Vertrauen gebrochen, hat das meistens fatale Folgen – für den Belogenen, der in seinem Vertrauen erschüttert wird oder für den Verräter, sofern er auffliegt.
Moralisch kommt man hier mit Kants kategorischem Imperativ nicht weiter, stattdessen ist abwägen angesagt: Lassen sich Situationen konstruieren, in denen das Vertrauen gebrochen werden darf? Und wenn ja, nach welchen Kriterien ist ein Verrat zu beurteilen? Darf vertrauliche Information publiziert werden, wenn dabei Missstände aufgedeckt werden? Und wem nützt das publizierte Wissen letztlich? In welchen Fällen sind Transparenz und Publizität nötig, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, wem wird dabei geschadet und wem nützt es?
Menschen sind käuflich
Diese Fragen sind heute so aktuell wie nie. Im Zeitalter der digitalen Revolution ist die Forderung nach radikaler Transparenz in allen Sphären gross, ob privat, sozial, ökonomisch oder politisch. Wo Menschen käuflich sind oder idealistisch bleibt tendenziell nichts mehr geheim.
Doch heisst das auch, dass radikale Transparenz tatsächlich erstrebenswert ist? Und was bedeutet dies für die Gesellschaft? Julian Assange rechtfertigte sich in einem Interview mit «Forbes»-Magazine wie folgt zu den höheren Zielen, die Wikileaks verfolgt: «Wenn unehrliche Firmen als solche entlarvt werden, dann wird es einfacher für ehrliche Firmen, ehrlich zu bleiben und wer ehrlich geschäftet, braucht Whistleblower auch nicht zu fürchten. Das ist die ganze Idee.» Natürlich schade die unbefugte Publikation vertraulicher Daten auch ehrlichen Firmen, doch der Zweck, so Assange, heilige die Mittel. «Wenn die unehrlichen Spieler entlarvt werden, profitieren alle davon und am meisten jene, die sich an die Spielregeln gehalten haben.»
Dennoch bleibt die Forderung nach absoluter und flächendeckender Transparenz ein heikles Unterfangen – gerade auch wenn es Privatpersonen betrifft. Und damit sind nicht nur Verlautbarungen von Google oder Facebook gemeint, dass die Privatsphäre im 21. Jahrhundert abgedankt habe. Denn wenn Transparenz als höchstes Gut gewertet wird, dann war auch der Hacker Adrian Lamo im Recht, als er Whistleblower Manning an die US-Behörden verpfiff. Auch wenn es ihm zu verdanken ist, dass die US-Kriegsverbrechen publik wurden. Letztlich kann die Situation wohl nur paradox aufgelöst werden, wie im Bonmot des Altbundeskanzlers Konrad Adenauer: «Ich liebe den Verrat und ich hasse den Verräter», sagte er.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.11.2010, 13:06 Uhr
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47 Kommentare
heute geht es um die Dokumente der USA- morgen kommen Dokumente anderer Länder an die Reihe- je nach Laune und Ego von Wikileak's Assange... niemand ist sicher- Staat, Bürger- irgendwann geht es uns alle an- ist diese Art Dreck an die Oeffentlichkeit zu bringen wirklich positiv? Unsere Privatsphäre von der soviel geredet wird, wo ist sie? wer schützt uns vor Verrätern und Kriminellen? Antworten
Martin Wahl: Nur EIN Wort geändert !!!!!!! Das ist doch bestens, dass den Bankern mal wieder die Maske vom Gesicht gerissen wird! Die fühlen sich doch so erhaben gegenüber den Bürgern und meinen, sie können sich alles erlauben. Jetzt sind ihre dreckigen Spielchen wieder einmal offen gelegt. Die Angst geht um, dass nichts mehr geheim bleibt. Das ist gut so! Antworten
"gegenseitige Vertrauen..wichtigsten Grundwerten..unseren Umgang miteinander regeln" Diplomaten haben überhaupt kein Vertrauen. Obama,der ärmste Kerl, erbt zuerst den korrumpierten Cheney-Rumsfeld-Halliburten-Kriegs- und Wirtschaftsdreck des senior und junior Bush, den ultra-desolaten Finanzhaushalt, bemüht sich relativ aufrichtig und ist seit Carter ohnegleichen. Chance für einen Diplo-Neuanfang? Antworten
Wir sind sehr weit weg davon, Politiker und Herrscher zu haben, die wirklich das Wohl, das Gedeihen und den Frieden der Bevölkerung zum Ziel haben. Hunger, Kriege, Armut, Kriminalität sind einige Belege dafür. Es ist kein Zufall, dass Politiker keinen guten Ruf haben. - Das Wissen um Talleyrands weiser Einsicht sollte uns befähigen, gedanklich den Zeitsprung zu machen und den Helden zu feiern. Antworten
Das ist doch bestens, dass den Politikern mal wieder die Maske vom Gesicht gerissen wird! Die fühlen sich doch so erhaben gegenüber den Bürgern und meinen, sie können sich alles erlauben. Jetzt sind ihre dreckigen Spielchen wieder einmal offen gelegt. Die Angst geht um, dass nichts mehr geheim bleibt. Das ist gut so! Antworten
Ich finde es äusserst wichtig, richtig und mutig, dass irgendjemand einen Einblick hinter die Kullissen wagt. Ihn für diesen Mut bestrafen zu wollen, kann wohl bei einem mittelalterlich agierenden Staat, der auch immer noch auf die Todesstrafe und Folterungen (zwecks fragwürdiger oder falscher Geständnisse) setzt, nicht weiter überraschen. Ich für meinen Teil danke Julian Assange für seinen Mut! Antworten
''Wir gehen davon aus, dass die Dinge uns so präsentiert werden, wie sie tatsächlich sind''. Du lieber Himmel, die tägliche Zeitungslektüre belehrt uns doch eines besseren und das nicht erst seit gestern... Glauben ist ja schön und gut hat aber mit Wissen und der Realität leider recht wenig zu tun. Nun ja, wer glaubt soll ja bekanntlich selig werden. Antworten
Das war Cäsar und nicht Adenauer. Ansonsten ist Wikileaks kein Verräter. Das sind Regierungen, die mit dem Geld ihrer Bürger Krieg führen, Feudalisten bereichern, kurz: die Interessen ihrer Wähler verraten. Eigentlich ist es die Aufgabe der Medien, so etwas herauszufinden. Der Coup von Wikileaks gibt einen guten Einblick in die gewaltigen Abgründe,die zwischen Realität und Medienrealität klaffen Antworten
@Fred Büchi: Vielleicht wird es so kommen, nur, wer übernimmt dann diese 'Rolle'? Die Chinesen? So sieht es zumindest aus, dass dann aber 'alles besser' wird, wage wahrscheinlich nicht nur ich zu bezweifeln! Wenn ich die Wahl zwischen diesen beiden hätte, würde ich mich trotz allem für die USA entscheiden, da herrscht doch schon noch mehr Transparenz als in China..... Antworten
Die Frage, ob die absolute Transparenz erstrebenswert sei, ist in der Praxis völlig irrelevant, weil sie gar nicht möglich ist. Was Wikileaks publiziert, ist eine winzige Auswahl, die zufällig oder durch Manipulationen zustande gekommen ist. Aus diesen Enthüllungen Schlüsse über das Verhalten oder Denken gewisser Akteure zu ziehen, ist somit fragwürdig und sicher unseriös. Antworten
Wer nichts zu verbergen hat, muss auch keine "Whistleblower" wirklich fürchten. Leider sind ganze Völker (z.B. Süditalien..) so korrumpiert, dass eigentlich niemand Interesse daran hat, etwas zu ändern. Doch ein humaner freier Staat kann nur funktionieren, wenn es Transparenz gibt, alles andere ist schlicht SCHLECHT!Ich habe volle Achtung vor diesem Mann. Unrecht bleibt Unrecht, auch für Mächtige! Antworten
J. Assange ist kein Verräter. Er publiziert Informationen, die Andere an ihn herangetragen haben. Solange Whistleblower mit Ihren Tätigkeiten das Unrecht ans Licht bringen, sind sie für mich Helden. Sie sollten auch so behandelt werden. Es ist befremdlich, wenn Whistleblower gehetzt; aber die Täter von jeglicher Verantwortung und den Konsequenzen zu ihren Handlungen befreit werden. Antworten
Sich die absolute Transparenz zu wünschen ist vergleichbar naiv wie der Kinderwunsch nach Weihnachten an jedem Tag. Aber eben, USA ist gross und mächtig, muss nicht soviel Rücksicht auf Kleinere Staaten nehmen wie man sich wünschen würde. Da freut sich die kleinkarierte Seele, dass man es "denen gezeigt hat". Die Welt ist durch Wikileaks nicht besser oder sicherer geworden, im Gegenteil. Antworten
Finde Herr Assange einen super geilen ober coolen Typen. Hoffe, dass er noch ganz viele solche brandheissen Nachrichten über die sogenannten Saubermänner und Krieger für den Weltfrieden veröffentlichen kann. Die Menschen sollen den Glauben an die Machthaber verlieren. Antworten
Er ist ja auch kein Verräter. Er ist ein "wisthleblower". Der-mit-den-Menschen-redet. Im Ernst, im Grunde geht es ja um Normen und um Recht: die US haben offenbar a) nationales wie internatioinales Recht gebrochen & b) auch allg. gültige moralische Grundsätze verletzt. Dem Juristen fällt dazu ein: volenti non fit iniuria bzw. kann sich der der Rechtsbrecher nicht selber auf Rechtsbruch berufen. Antworten
Sind wir doch einfach froh darüber nicht alles zu wissen. Ich denke manches Weltbild würde massivst zusammenbrechen. Fände man überhaupt noch einen Politiker, der nicht in der einen oder anderen Form korrupt ist, egal ob links oder rechts? Und was würden wir daraus machen? Antworten
Warum das ganze so abstrakt betrachten? "Nationale Interessen" sind wohl nur ein schwacher Trost für Opfer von amerikanischen Menschenrechtsverletzungen. Wegen der paar indiskreten Äusserungen einiger Politiker befreundeter Nationen werden nicht gleich diplomatische Beziehungen abgebrochen. Wie Rom in Dürrenmatts "Romulus": Die USA haben ihre Macht missbraucht und gehören als Weltpolizist abgesetz Antworten
Es gibt durchaus Infos, welche ein Staat geheim halten sollte und muss. Jedoch haben die Veröffentlichungen auch die Kriegsverbrechen der USA dokumentiert was gut ist, denn schliesslich haben sie durch vorspielen falscher Tatsachen einen Krieg zur Wahrung von US Interessen vom Zaun gebrochen. Auch habe ich Fragen zur Qulität von Diplomaten, die solche Depechen verfassen. Antworten
Zuerst sollte mal gesagt werden, dass es absolute Transparenz nie geben wird - höchstens als geschriebener Satz! Leider sollten wir in der westlichen Welt einsehen, dass Wikileaks nötig ist. Bei so vielen offiziellen Medien-Lügen wie im Falle des Irakkrieges bin ich froh, dass es wenigstens einige Blogs gibt, die nötige Dinge ansprechen - welche offiziellen Medien verpassen (z.B. Finanzkrise)! Antworten
Verrat, wird es nicht oftmals durch die betroffenen als Verrat geächtet, wenn ihre schäbigen Lügereien ans Tageslicht getragen werden und sie sich dadurch "entehrt" fühlen? Vielleicht sollte der Hang wieder mehr zur Offenheit und Ehrlichkeit gehen, dann würde man weniger verraten müssen. Ist schon lustig, dass man den Petzer an den Pranger stellt, obwohl der Lügner der Schuldige ist. Antworten
Wenn absolute Transparenz nicht erstrebenswert ist, weshalb lehrt man an der HSG neu auch Ethik und Moral? Weshalb gibt es eine Justiz? Wikileaks entlarvt Schönfärberei und Lippenbekenntnisse. Die Plattform ist die einzige Instanz, welche das Volk nicht für dumm und unreif erklärt. Vieles ist unbequem und heikel, aber nur weil man an der Oberfläche anders scheint als man zugegeben ist. Antworten
Frau Binswanger interpretiert den "Verrat" etwas oberflächlich. Wer das Vertrauen eines anderen missbraucht ist ein Verräter? Wenn ein Verbrecher einem unerkannten Zivilpolizisten in einem Spunten eine Straftat erzählt, ist der Polizist dann ein Verräter? Ist Hr, Lamo ein Verräter, weil er Manning verraten hat? Nicht jeder Vertrauensbruch ist ein Verrat. Antworten
Schauen wir uns doch mal unmittelbare, lokale "Helden" oder "Verraeter" an. Sei es der UBS-Meili, die indiskreten Sozialamt-Mitarbeiterinnen oder die Aufdecker der Klaerschlamm-Affaere. So richtig toll finden wir die doch alle nicht, trotz Prix-Courage usw. Wahrheit und Aufrichtigkeit sind eben nicht sexy und der Ruch der "Kameradenschweine" bleibt immer irgendwie haften, sei die Tat noch so hehr. Antworten
Das Problem ist, dass man unseren Regierungen und Grosskonzernen nicht mehr vertrauen kann. Auch den Medien nur teilweise. Die Menschen haben aber ein gewisses Recht auf die Wahrheit. Natürlich sollte es irgendwie reglementiert ablaufen, aber wenn es so chaotisch abläuft, nun ja, vielleicht besser, wenn es passieren kann. Dann sind alle ein bisschen vorsichtiger mit was sie tun und sagen. Antworten
Was heisst absolute Transparenz? Ist es das, was der Nacktscanner am Flughafen produziert? ...Schön, dass wir alle gleich sind - und manche gleicher. Ähnlich wie bei den Superreichen. Die bleiben nur wegem finanziellen Profit in der Schweiz. Und wir finden es gut. Und den Ausländern machen wir das zum Vorwurf. Soviel zu logisch nachvollziehbaren Argumenten in öffentlichen Debatten. Antworten
An alle die für mehr Transparenz sind: Wer von euch schaut im Restaurant zuerst in die Küche? Ist es wirklich erstrebenswert, immer alles zu wissen? Es gibt sicher Nutzniesser dieser Kampagne - die Rüstungsindustrie, wenn es gelingt die Staaten gegeneinander aufzuhetzen und die Regierungen auszuschalten - Brand schwarz und ebenso dubios wie Wikileaks!? Antworten
Ich weiss nicht wieso Frau Binswanger sich die US-Sicht zu eigen macht, dass es sich bei Enthüllung von Kriegsverbrechen o.ä. um Verrat handelt. Z.B. berechtigt das deutsche Grundgesetz mit dem Widerstandrecht als Verfassungsartikel jeden dazu Widerstand zu leisten, wenn die Demokratie gefährdt ist, und keine andere Abhilfe möglich ist. Was sind Kriegsverbrechen anderes als Demokratie-gefährdend. Antworten
Hierbei ist strikt zwischen Individuum und politischer Institution zu trennen: Da Demokratien dazu verpflichtet sind, im öffentlichen Interesse zu handeln, ist die Forderung nach transparenter Regierungsführung in offenen Gesellschaften nur logisch, insbesondere wenn es um Geheimniskrämerei oder gar politische Verbrechen geht. Das Individuum hingegen ist gegen Einsicht von aussen zu schützen. Antworten
Wenn ein Mann meint, alles und wirklich alles, ob geheim oder vertraulich veröffentlich werden muss, dann ist er wohl nicht mehr ganz normal. Ich hoffe, dass er bald gefunden und vor Gericht gestellt wird, ob nun in USA oder Australien. Bei uns käme es schon zu einer Revolution in einer Firma, wenn die Löhne öffentlich wären. Die USA müssen sich natürich überlegen,wie sie das verhindern in Zukunft Antworten
Das Volk ist der Souverän, nicht der Staat! Gegenüber dem Souverän hat der Staat kein grundsätzliches Recht, Informationen vorzuenthalten. Die reklamierten "Sicherheitsinteressen" können kaum ein Argument sein. Der Souverän hat sich nicht freiwillig in Unsicherheit begeben. Insofern kann hier niemals von Verrat gesprochen werden. Nicht der Bürger sondern der Staat sollte transparent sein. Antworten
Die Frage, ob radikale Transparenz erstrebenswert ist erübrigt sich spätestens dann, wenn ein paar Terroristen eine publizierte Schwäche in der Bewachung einer Chemiefabrik / Atomkraftwerk / Flughafen etc ausnutzen und einen harten Schlag verüben. Spätestens dann wird es dem naivsten Idioten dämmern, dass Geheimnisse absolut legitim sind. Antworten
Ich frage mich immer wie die Amerikaner von Verrat sprechen können. Julian Assange ist kein US-Staatsbürger. Das sich die USA als Garant der sogenannten "Freien Welt" hält ist schon fast pervers. Jeder der die Geschichte der USA genau kennt weiss, dass dem nicht so ist. Die USA spioneren nicht nur ihre Gegner aus, nein sogar ihre befreundeten Nationen. Die USA als Moralapostel haben ausgedient. Antworten
Verrat ist angesichts der konstanten Desinformation der Bürger der falsche Ansatz. Zudem, "alle" sprechen doch immer vom Selbstständigen und Selbstdenkenden Bürger und Demokratsichen Verhältnissen welche als absolut für moderne Gesellschaften eingestuft werden. Sieht aber so aus, wie wenn diese Ansichten nur so lange gültig sind wie sie gewissen Interessen dienen. Nicht den Bürgern 2ter. Klasse. Antworten
Wikileaks ist sicher ein gute Einrichtung, allerdings fragt man sich schon, ob diese ungefilterte Publikation von Informationen Sinn macht. Es werden ja nicht nur Verbrechen aufgedeckt, sondern auch massenhaft Belanglosigkeiten über Leute, die nichts Böses getan haben. Dennoch, der Platz in den Geschichtsbüchern dürfte Assange schon aufgrund der Menge des publizierten Materials sicher sein. Antworten
Natürlich ist jeder Verrat moralisch problematisch. Man muss aber unterscheiden, ob dem Verräter die vertrauliche Information bewusst in die Hand gegeben wurde, oder ob Informationen gestohlen wurden. Letztendlich hat der Verrat von persönlichen Details im Internet System und keinen stört es. Wenn aber mächtige Firmen das Ziel sind und Staaten, dann wird es schon spannend wie man damit umgeht. Antworten
Zu veröffentlichen was US Diplomaten über Merkel ect. schreiben ist völlig idiotisch. Da gibt es auch im besten Betrieb Streit, wenn ich täglich in der Kaffeepause, den ganzen Tratsch und Gerüchte der Belegschaft den Betreffenden ausplaudere... völlig trivial und indiskret und was soll es nützen? Da gibt es wohl wichtere Dinge aufzudecken wie zB Kriegsverbrechen oder geplante Anschläge. Antworten
Es ist ja wohl ein grundlegender Unterschied ob es um das offen legen institutioneller Daten oder um die Privatsphäre von Personen geht. Menschen haben das Recht und Bedürfnis auf Privatsphäre, auf Intimität. Staaten z.B. sind hingegen keine "Persönlichkeiten", die solche emotionalen Bedürfnisse geltend machen können. Wikileaks verfolgt doch in keiner Weise die Abschaffung der Privatsphäre. Antworten
Die Vermischung der Privatsphäre von Individuen mit der Transparenz von Handlungen von Regierungen ist für micht nicht nachvollziehbar. Der einzelne hat das Recht alles über den Staat zu wissen, wie sonst kann eine Regierung demokratisch legitimiert sein? Gerade in jüngster Vergangenheit hat sich die Presse leider nur allzuoft zur Marionette von Mächtigen machen lassen. Deshalb danke Wikileaks! Antworten







Jean Weiss
Also, Julien ist quasi der "Spion der Öffentlichkeit". Welcher Staat hat schon keine Spione? Wenn Deutschland und Amerika beispielsweise geklaute Bankdaten kaufen und diese verwenden, alleine um den Haushalt aufzustocken, dann kann man Julien wirklich nichts vorwerfen, oder? Der Staat sollte vorleben was rechtens ist. Antworten