Von Rohrs Copy/Paste-Kolumne

Chris von Rohr kopierte aus dem Internet. Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet verteidigt sich der Rocker.

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«Beim Bezahlen an der Kasse im Supermarkt...» So beginnt der Text, der seit zwei Jahren eifrig geteilt wird von Usern, die neuen Umweltschutzbemühungen skeptisch gegenüberstehen. Es ist die Geschichte einer alten Dame, die von einer jüngeren Verkäuferin gerügt wird, weil sie statt einer Einkaufstasche eine Plastiktüte benutzt. Für die Verkäuferin ist das Verhalten typisch für die nachlässige Einstellung der Älteren gegenüber dem Umweltschutz. Die alte Dame setzt darauf zu einer langen Rede an und erklärt, dass ihre Generation vielleicht von «Umweltschutz» keine Ahnung gehabt habe, dafür aber sparsam und sorgfältig gelebt habe. Ein klassischer «Früher war die Welt noch in Ordnung»-Text.

Chris von Rohr, der als Bassist der Hardrock-Band Krokus bekannt geworden ist und sich in den letzten Jahren als Rechtsaussen der Schweizer Musikszene profiliert hat, gefällt der Text offensichtlich ebenfalls. Von Rohr hat ihn für seine Kolumne «Stromlügen» vom 7. April in der «Schweizer Illustrierten» verwendet – er, von SVP-Patron Christoph Blocher einst mit dem Bundeshaus-Badge ausgestattet, kritisiert im Anschluss an die Copy-Paste-Passage die «Energiestrategie 2050». Gut die Hälfte seines Textes ist abgeschrieben, ohne Deklaration. Am Wochenende war die Kopierübung in den sozialen Medien aufgeflogen.

Nun nimmt von Rohr gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet Stellung. Ein Freund habe ihn auf die Geschichte aufmerksam gemacht. «Die Passage kursiert frei im Netz, hat keinen bestimmten Autor, kein Copyright. Zudem steht sinngemäss jeweils am Ende des Textes: ‹Bitte teile diese wunderschöne Geschichte mit Freunden.› Genau das habe ich gemacht. Bin ich jetzt deswegen ein Datendieb?» Er habe die Geschichte passend zum Thema gefunden «und darum habe ich sie wie gewünscht schriftlich ‹weitergeleitet›». Er deklariere immer alle fremden Zitate. Zudem: «Meine Musik wird auch die ganze Zeit for free gedownloaded und man kennt sogar die Autoren. Mit dem muss ich leben.» Weiter verteidigt sich der Solothurner mit «Abgabestress»: «Dann musst du auf ein Flugzeug jumpen, ein Fehler!»

Ganz wohl ist von Rohr allerdings nicht. «Ich hätte wohl am Anfang des Textes schreiben sollen: ‹Ein Freund von mir hat mir ein Youtube-Video gezeigt, und da kam diese Geschichte vor ...›» Doch er habe eine Lehre aus der Sache gezogen: «Aber sehen wirs positiv: Alle, die mich schon immer einen widerlichen, fehlgeleiteten Nichtsnutz fanden, dürfen heute jubilieren, und ich habe etwas dazugelernt.» Die «Schweizer Illustrierte» erklärt auf Nachfrage, am Freitag auf ihrer Leserbriefseite ein «Mea Culpa» von Rohrs zu drucken und die Entschuldigung zudem online zu stellen. «Mit dieser Erklärung ist für die Chefredaktion der ‹Schweizer Illustrierten› die Sache erledigt», sagt der Co-Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten», Werner De Schepper. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.04.2017, 12:09 Uhr

Chris von Rohr, Rockmusiker und Kolumnist. (Bild: zVg)

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