Wann Schweizer den Wurm schlucken

Hierzulande redet man nicht gern übers Geld. Doch jetzt haben Zehntausende eine Ausnahme gemacht.

Die Ausstellung «Geld» im Lenzburger Stapferhaus ist noch bis zum 25. Juni geöffnet.

Die Ausstellung «Geld» im Lenzburger Stapferhaus ist noch bis zum 25. Juni geöffnet. Bild: Keystone

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Seit dem 14. November 2014 ist die Ausstellung «Geld» im Lenzburger Stapferhaus offen. Knapp 50’000 erwachsene Besucher haben Geld-Fragen beantwortet. Tagesanzeiger.ch/Newsnet präsentiert hier exklusiv eine Auswertung des anonymisierten Datensatzes (Stand: 15. Februar 2016).

«Würden Sie zum Spass einen Regenwurm essen?»
Die Antwort der Ausstellungsbesucher auf die provokante Frage fiel eindeutig aus: Nur jeder Zehnte würde das Tier aus Jux verspeisen.

Doch wenns Geld gäbe? Eine Mehrheit der Neinsager, 62 Prozent, bleibt beim Nein: «Für kein Geld in der Welt.» Einige Tausend lassen sich aber doch umstimmen. Jeder fünfte würde den Wurm essen, wenn er dafür 10’000 Franken bekäme.

(Grafiken: Ruedi Lüthi)

Umfrage

Würden Sie für 10'000 Franken einen Wurm essen?




«Füttern Sie für 100 Franken ein paar Tage die Katze Ihres Nachbarn?»
Die Mehrheit der Besucher gibt sich selbstlos. 71 Prozent würden die Katze füttern, das Geld aber zurückweisen. Frauen sind deutlich solidarischer: 75 Prozent von ihnen füttern die Katze gratis, bei den Männern sinds 65 Prozent.

Nur sechs Prozent aller Besucher finden das Angebot des Nachbarn normal und nehmen das Geld ohne Skrupel. Bei den Skrupellosen ist der Anteil der unter 25-Jährigen besonders hoch. Von ihnen nehmen 28 Prozent das Geld ohne Bedenken. Weitere 21 Prozent der Jungen nehmen das Geld ebenfalls, finden den Deal allerdings «seltsam».

«Was sagen Sie zur Höhe Ihrer Steuerrechnung?»
Die Antwort fiel milder aus, als man denken könnte. 62 Prozent erachten die Höhe angemessen. Zu tief finden ihre Steuerrechnung allerdings auch nur wenige – bloss fünf Prozent.

«Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut?»
Hier zeigt sich eine bemerkenswerte Unschlüssigkeit: 53 Prozent verneinen, 47 Prozent bejahen die Aussage. Was meinen Sie?

Umfrage

Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut?




«Ist das Geld in der Schweiz gerecht verteilt?»
Sehr viel klarer antworten die Besucher auf die Frage, ob das Geld in der Schweiz gerecht verteilt sei. Nur 18 Prozent finden, dass dies der Fall ist.

Besucher mit grossem Vermögen sind hier überproportional vertreten: Von den 8352 Besuchern, die die heutige Verteilung gerecht finden, besitzen 12 Prozent Vermögen von über einer Million Franken; der Anteil der Über-eine-Million-Besitzenden an der Gesamtbesucherzahl beträgt aber bloss sieben Prozent.

Als noch unfairer stufen die Besucher die globale Geldverteilung ein: 94 Prozent halten sie für ungerecht.

«Wären Sie glücklicher, wenn Sie mehr Geld hätten?»
51 Prozent der Ausstellungsbesucher verneinen, 30 Prozent geben sich unsicher. 19 Prozent nehmen an, dass sie glücklicher wären mit mehr Geld. Von diesen 8740 Besuchern verdienen 28 Prozent weniger als 50’000 Franken im Jahr. Das ist nur leicht mehr, als der Anteil an der Gesamtbesucherzahl annehmen liess; 24 Prozent der Besucher verdienen laut Eigendeklaration weniger als 50’000 Franken.

Umfrage

Wären Sie glücklicher, wenn Sie mehr Geld hätten?




«Was brauchen Sie für ein glückliches Leben?»
Bei der Frage, was ein glückliches Leben in erster Linie ausmache (drei Nennungen), antworten je 30 Prozent mit «Gesundheit» und «Beziehungen», 16 Prozent mit «Natur». Es folgen «Arbeit», «Hobbys» und «Spiritualität», dann erst, mit lediglich 2,5 Prozent: «Reichtum».

Es ist ein Dokument grosser Behaglichkeit, dieser Datensatz der Lenzburger Museumsgänger. Einzig die globalen und nationalen Ungleichheiten erscheinen ihnen problematisch. Die Besucher sind ansonsten mit ihrem individuellen Einkommen und Vermögen zufrieden, ebenso mit der Steuerbelastung. Ungewöhnliche Geldangebote weisen sie zumeist ab.

Allerdings ist zu vermuten: Würden die Angebote konkret, würden einige Besucher dem Funkeln des Mammons womöglich leichter verfallen als angenommen – in der Praxis würde der ominöse Wurm vermutlich ein wenig akzeptabler und die Frankenscheine ein bisschen verlockender wirken als in der grauen, hehren Museumstheorie. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 19.02.2016, 08:38 Uhr)

Die meisten würdens nicht tun, aber einige schon: Für Geld einen Wurm essen. (Bild: Youtube)

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