Kultur

Was Muslime wirklich von Jesus halten

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 23.12.2009 57 Kommentare

Muslimische Kinder, die «Stille Nacht» nicht singen sollen und ein islamischer Hassprediger, der gegen Weihnachten wettert - historisch gesehen ist das Unsinn: Im Koran wird Jesus als wichtiger Prophet verehrt.

Christen feiern in Bab Touma, Syrien, mit Muslimen Weihnachten.

Christen feiern in Bab Touma, Syrien, mit Muslimen Weihnachten.

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«Araber und Muslime dürfen keine Weihnachtsfeste mehr erlauben», wettert Scheich Jussuf al-Kardawi aus Qatar dieser Tage in einer Fatwa, einem islamischen Rechtsgutachten. Man müsse es den Christen in den islamischen Ländern verbieten. Denn solche Feste seien «haram», verstiessen also gegen den islamischen Glauben. Auch in Zürich gab das Thema Weihnachten und Muslime zu reden – wenn auch in einer harmloseren Form. Im Kanton Zürich sollten muslimische Kinder in Schulen von christlichen Weihnachtsliedern verschont bleiben.

Inzwischen hat Bildungsdirektorin Regine Aeppli präzisiert, dass es keine Sonderregelung gebe: Alle Lieder dürfen in Schulen gesungen werden. Für den Soziologen Farhad Afshar war die Weihnachtslieder-Debatte ohnehin ein «heraufbeschworener Konflikt». Solange eine Feier nicht gebraucht wird, um jemanden zu missionieren, sieht der iranisch-schweizerische Doppelbürger Afshar kein Problem in christlichen Weihnachtsliedern: «Muslimische Kinder können gewisse Zeilen einfach nicht singen.»

«Gestern wurde ein Prophet geboren!»

Die Zürcher Weihnachtslieder-Regelung hat nicht nur für erneute Unruhe im islamisch-christlichen Zusammenleben gesorgt, sie wirft auch eine interessante Frage auf: Wie erleben Muslime in der Schweiz Weihnachten? Laut Afshar werden muslimische Familien durchaus von Christen zu Weihnachtsfeiern eingeladen – gerade auch der Kinder wegen, die dann auch Geschenke erhalten. Den Kleinen zuliebe könne es durchaus auch vorkommen, dass ein geschmückter Tannenbaum in muslimischen Wohnzimmern stehe.

Dass die Berührungsängste zwischen Muslimen und Weihnachten kleiner ist, als man denken könnte, liegt auch an der Darstellung von Jesus im Koran, wo dieser als einer der grossen Propheten erwähnt und verehrt wird. Und nicht nur der Koran erwähnt Jesu Geburt, auch Abu Hamid al Ghazali, ein persischer Philosoph aus dem 12. Jahrhundert, schrieb: Als Jesus geboren wurde, kamen die Teufel zu Satan und sagten: «Heute haben die Götzen alle ihre Köpfe gesenkt.» Satan sagte: «Etwas ist auf Eurer Welt geschehen!» Satan flog kreuz und quer über die Welt, fand aber nichts. Schliesslich fand er das Kind Jesus, das von Engeln umgeben war. Er kehrte zu den Teufeln zurück und sagte: «Gestern wurde ein Prophet geboren!»

Freilich verwirft der auf einen strengen Monotheismus abzielende Islam die Gottessohnschaft Jesu – was auch der Anlass für die Weihnachtslieder-Debatte war: In einigen christlichen Liedern wird Jesus explizit als Sohn Gottes besungen. Doch laut Fahrad Afshar ist Weihnachten in muslimischen Gemeinschaften im Bewusstsein der Menschen stark mit der Geburt Jesu und einer Würdigung Marias verknüpft. In muslimischen Ländern gratulieren Staatsführer und hohe Geistliche deshalb der christlichen Gemeinschaft jeweils zu Weihnachten. Auch gemeinsame öffentliche Feiern fänden in gewissen Ländern, etwa in Syrien, statt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.12.2009, 16:40 Uhr

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57 Kommentare

Frank Schmid

29.04.2010, 19:46 Uhr
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@Anna Schweizer, wenn Sie behaupten, dass der koran zur Toleranz anderer Religionen aufruft, dann sind Sie nicht mit dem Abrogationsprinzip im Koran vertraut. Alle toleranten Verse werden durch intolerante, neuere verse ersetzt, va. durch Vers 9.5 der zur Verfolgung andersglaeubiger aufruft. Die ganze 9. Sure ist nur ueber Verfolgen, Bestarfen und Toeten von Unglaeubigen. Antworten


Alain Mohler

23.12.2009, 14:52 Uhr
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Moderne Weltanschauung und radikaler Glaube passen nicht zusammen. Die Einsicht wird kommen, wie hoch der Preis sein wird steht noch in den Sternen. Antworten



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