Wenn komasaufende Lölis twittern – die neuen Wörter im Duden
Aktualisiert am 07.07.2009 37 Kommentare
Standardwerk der deutschen Rechtschreibung: Die 25. Auflage des Duden erscheint am 21. Juli.
Rund 135'000 Stichwörter enthält die Neuauflage des Standardwerks der deutschen Sprache. Davon haben 5000 erstmals Aufnahme gefunden, wie der Duden-Verlag mitteilt. Einige der neuen Wörter stammen aus der Computersprache, zum Beispiel «twittern» oder «Blogosphäre», andere aus der aktuellen Nachrichtensituation. «Bad Bank» oder «Börsenzocker» hätten zum Beispiel ohne Finanzkrise kaum Verbreitung gefunden.
Aus der Schweiz stehen neu verbreitete Wörter wie «Löli», «hirnen» oder «Blaufahrer» im Duden, dass hierzulande aber jemand «Schümlikaffee» sagt oder schreibt, entspringt wohl eher Fantasie der Dudenredaktion. Nachfolgend eine Auswahl von 125 Neuaufnahmen:
A
Abwrackprämie
After-Show-Party
Angsthäsin
armutsgefährdet
aufstarten (schweiz.)
Aufstocker, Aufstockerin
ausschnapsen
austillen
B
Babyblues
Bad Bank
Barfusspfad
Bedienungstheke
Best-of
B-Führerschein
Bioethikkommission
Blaufahrer, Blaufahrerin (schweiz.)
Blogosphäre
Blu-ray®
Blutdiamant
Börsenzocker
Buschfunk
C
Campusmaut
Cem
Chardonnay
Chorizo
Citymaut
Clutch
Crema
D
Datenklau
DAU
Dopingarzt, Dopingärztin
E
Effizienzklasse
Ehrenmord
Einbürgerungstest
Einkaufsnacht
einpreisen
Energiepass
entpacken
Ersti
euroskeptisch
Exzellenzcluster
F
Fanmeile
Featurette
fehlernähren
Feinstaubplakette
Fernbeziehung
Flatrateparty
Formatfernsehen
Frauenversteher
fremdschämen
G
Gassenarbeit (schweiz.)
Gefährder, Gefährderin
Gelotologie
Gesundheitsfonds
Gigaliner
H
Handy-TV
Heizpilz
Herdprämie
hirnen (schweiz.)
Hüftgold
Hybridauto
I
Industriekletterer, Industriekletterin
Inselbegabte
Integrationsgipfel
internetaffin
Internetfernsehen
It-Girl
K
Kangchendzönga
Klimakiller
Komasaufen
Konjunkturpaket
Kreditklemme
Kuschelkurs
L
Lebensmensch (österr.)
Löli (schweiz.)
Luxese
M
Mehrgenerationenhaus
Mentoring
N
Nacktscanner
Nickname
niedrigschwellig
No-go-Area
O
Ökopunkt (österr.)
Onlinedurchsuchung
P
Partikelfilter
Phrasenschwein
Poolnudel
Prekariat
Probeführerschein
Produktpiraterie
R
Raucherkneipe
Regenbogenfamilie
Rettungsschirm
S
Sashimi
Schadstoffplakette
Schlüsselkraft
Schockfoto
Schümlikaffee
Seitenblickegesellschaft (österr.)
Skimming
slammen
Snowciety (österr.)
snowkiten
Sofortrente
Sommermärchen
Sprengstoffweste
Stehroller
Steueridentifikationsnummer
Stockbrot
T
Tankini
twittern
U
Umweltplakette
Umweltzone
urcool
V
Vätermonat
verjankern (österr.)
verzocken
Vogelschlag
vorglühen (vorab Alkohol trinken)
Vorratsdatenspeicherung
W
Web 2.0
Weltklimarat
Wiki
Wutrede
Z
Zwergplanet
Finden Sie richtig, dass «Löli» nun ein amtlich anerkanntes Wort ist? Welche Wörter würden Sie aufnehmen? Kommentare bitte unten anbringen. (rb)
Erstellt: 07.07.2009, 11:31 Uhr
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37 Kommentare
@Marc Sigrist: Trotz vielem keltischen im Leben hat Herr Niederberger sehr recht! Seife Rasenmäher und Hose sind keltische Errungenschaften, aber das hilft leider in der Dudenfrage nicht weiter. In der Schweiz gäbs dann noch gotische Überbleibsel (Wato/Wattenwil). So könnten wir das Weekend füllen ohne ein Ziel zu erreichen. Antworten
@Marc Siegrist: Und wenn Sie noch hunder Beispiele aufzählen: Ein paar keltischstämmige Wörter auf dem Rückzug machen unsere Sprache nicht Keltisch. Die Grundstruktur und das Grundvokabular sind klar Germanisch. Oder zählen sie Englisch auch zu den keltischen Sprachen, weil es das Wort "Crag" noch enthält? Wer Schweizerdeutsch auf die Helvetier zurückführt, ist ein Kulturromantiker. Antworten
Der überflüssigste Duden, den es je gab! Nun fehlt der nützliche Hinweis auf neu geschriebene Wörter (Rotdruck). Und was sollen diese neuen Wörter? Es geht hier um ein Rechtschreibbuch, nicht um ein Lexikon! Warum also sollte jemand, der die 24. Auflage hat, die 25. kaufen? Weil ein paar Fehler korrigiert worden sind (Tot Geglaubte, Not sein, das x-fache, Eisenbahntransversale usw.)? Wohl kaum. Antworten
Um das Löli/Löu-Dilemma zu lösen, wird man auch im Schweizerdeutschen dereinst nicht umhin können, ähnlich dem Rumantsch Grischun oder dem Niederländischen ABN eine schweizerdeutsche Dialekt-Hochsprache zu entwickeln, eine Art GallZüBaBärndütsch. Wie man allerdings da die Lötschentaler, Schaffhauser und das Häuflein aus Bosco-Gurin auch noch integrieren kann, ist mir im Moment noch schleierhaft. Antworten
Um das Löli/Löu-Dilemma zu lösen, wird man auch im Schweizerdeutschen dereinst nicht umhin können, ähnlich dem Rumantsch Grischun oder dem Niederländischen ABN eine schweizerdeutsche Dialekt-Hochsprache zu entwickeln, eine Art GallZüBaBärndütsch. Wie man allerdings da die Lötschentaler, Schaffhauser und das Häuflein aus Bosco-Gurin auch noch integrieren kann, ist mir im Moment noch schleierhaft. Antworten
@ Pat O'Neill Der Artikel / das Interview bezieht sich auf den Duden sowie sprachliche Veränderungen in unserer deutschsprachigen Schweiz und nicht auf Irland. @ Sigrist Die moderne CH ist eine multikulturelle Gesellschaft. Klar gab / gibt es keltische Wurzeln, aber der deutschsprachige Teil der Eidgenossenschaft gehört eindeutig zum deutschsprachigen Raum. Steht sogar in der Bundesverfassung! Antworten
@ Schwob. Keltisch wird noch sehr aktiv, und nicht nur in Flurnamen, im Westen Irlands gebraucht. Viele Leute geben Englisch als Fremdsprache an. Ein Wiederaufleben irischer Tradition nach Jahren der englischen Unterdrückung. Oder frei nach Gerry Adams: Sinn Fein. Antworten
@Schwob: "chris" kelt. Krisso - das Abgeschnittene. "Nidle" kelt. Nitlo - das Tuch. "Gufe" kelt. Gulba - der Stachel. "Karre" kelt. carrus - der Wagen. Das Wissen um Geschichte erfordert die Auseinandersetzung mit Fakten. Das keltische ist in unserer Sprache und Musik (nicht Jodeln und Ländler sondern urschweizer Musik (tritonus.ch) tagtäglich erlebbar, aber auch archeologisch nachweisbar. Antworten
@Künzer: Inwieweit würden Sie die Wörter "manchmal", "jedesmal", "wieviel" und inwieweit aufnehmen? Ich finde das geht zu weit, wenn jede beliebige Wortkombination aufgenommen wird. Sonst müsste man auch so obskure Wörter wie Spengler-Cup oder Abfall-Tennis dokumentieren. Es reicht dich allemal wenn wir "kunstschinken" auf der "Pizza" haben!! Antworten
@Sigrist: Schweizerdeutsch = Keltisch? Ach woher. Der ganze Grundwortschatz sowie die ganze Grammatik ist gemanisch. Keltisch existiert nur noch in einigen Flurnamen. Daneben verwenden wir arabische, türkische, spanische, französische, lateinische Wörter, aber deutsch - in eigenen Varianten - sprechen wir doch. Oder sind wir doch Araber, weil wir auf dem Sofa aus Tassen Kaffee trinken? Antworten
Egal ob Dialekt oder nicht, das Wort "Löli" wird hier der Sprache "Schweizerdeutsch" zugeordnet. Da diese Sprache aber weder grammatikalische Regeln noch offiziellen Rechtschreibregeln hat , ist es sinnlos ein solches Wort in den Duden aufzunehmen. Antworten
Herr Berger: Sie reden von dem Schweizerdeutsch und anderen allemanischen/deutschen Dialekten. Das ist per se falsch. Unsere Mundart entstammt dem keltischen (inklusive Süddeutscher Raum - Limes: Rhein -Donau). Erst nach dem Fall des röm. Reiches wanderten die Allemannen in die Schweiz ein. Löli wird laut de Gruyter nicht D oder A zugewiesen, sondern nur CH. Warten wir aufs Idiotikon für Klarheit. Antworten
Ui, Herr Sigrist, da liegen aber Sie auf dem Holzpfad. Es gibt keine klare Grenzen zwischen dem schweizerdeutsch und denn anderen allemannischen und deutschen Dialekten. Es besteht eine Art Dialektkontiuum, da zwei geographisch benachbarte Dialekte jeweils untereinander verständlich sind. Der einzige Unterschied ist, dass im Deutschen auch im Alltag die Standartsprache den Dialekt verdrängt. Antworten
Pat Merz liegt richtig: Unsere Mundart enstammt nicht dem Germanischen. Sie ist keltischen Ursprungs (Helvetier), gespickt mit Lateinischem und am Ende dem Allemanischen. Im De Gruyter Variantenwörterbuch ist die Herkunft von Löli ausschliesslich in CH. Im Bretonischen (keltisch) heisst Löli (Tölpel) "lochore", im Irischen (keltisch) "amlóir". Etymologisch betrachtet, gehört Löli nicht zum D-Duden Antworten
@Kude: Wenn man weiss wie man es richtig schreibt, fndet man es auch im Duden: "blauäugig" heisst soviel wie "naiv". / @ Alfonso/Stefan: Ihr irrt euch. Schweizerdeutsch ist KEIN Dialekt des Hochdeutschen. Somit ist "Löli" auch kein Dialektwort, sondern ganz klar ein Helvetismus, wenn er in Deutschland verwendet wird. Antworten
Was habt Ihr bloss gegen das "Unwort des kommenden Jahres" WOHLSTANDSVERWAHRLOSUNG? Reflektiert ES allzusehr die gesättigte Überflussgesellschaft? Inwiefern spielt Ihr mit dem Nichtwahrhabenwollen Dank "political correctness" - dem politisch korrekten Wort für Zensur? Inwieweit gewichtet Ihr den Wahrheitsgehalt der neuzeitlichen Geschichtsschreibung? Draussen geht die Post ab und Ihr verschleiert! Antworten
@ alfonso. DANKE!! Wer keine sprachlichen Veränderungen will, soll sich in Latein usw versuchen. Eine Sprache entwickelt sich nun mal mit der Zeit. Und an alle, die damit Mühe haben: im ersten Duden waren Wörter wie Computer, Forum und Blog noch nicht erfasst - heute nicht mehr aus unserem Wortschatz wegzudenken. Der, am strombetriebenen Rechner, rege Gedankenaustausch zu einem gelesenen Text.... Antworten
"Löli" ist m.M.n. auch Dialekt und kein Helvetismus. Jedoch kann ich die Kritik an der Deutschen Sprache und den "alljährlichen Änderungen" im Duden nicht verstehen. Schliesslich befindet sich Sprache im stetigen Wandel. Früher wurden eher französische Ausdrücke aufgenommen, heute sind es die Anglizismen. Wer will schon eine tote Sprache?!? Antworten
Das die Deutschen mit ihrer eigenen Sprache ein Problem haben ist seit den alljährlichen Abänderungen im Duden und den Rechtschreibereformen hinlänglich bekannt. Mit den verschiedenen Dialekten, auch die in Deutschland gesprochenen, bekunden sie so viel Mühe dass man gewissenhaft jede Mundartaussprache untertitelt. Unnützes wie Fisimatenten und pesen sind die Folge. Antworten
Ob wir uns dank den neuen Wortkreationen nun besser verstehen? Oder ist die Verwirrung Absicht, damit noch mehr Trübes entstehen kann? Bin gespannt! Viel Worte und wenig Sinn sind wir uns ja gewohnt. Macht der Duden uns zum Dödel? Eine interessante Kultur- und Sprachhistorische Entwicklung. Das Buch muss ich haben! Antworten





Peter Berger
Bisher beherrschte ich (64) die Rechtschreibung. Doch nun sind hochbezahlte Aenderer gekommen die nichts anderes zu tun haben als über Nacht einfach bisherige Normalitäten zu ändern und uns ältere als Trottel hinzustellen. Z.B. schrieb man Du gross. Danach nun klein. Nun redet man dass es wieder gross geschrieben werden soll. Müssen wir jedes Jahr einen neuen Duden kaufen uns durchlesen/-lernen. Antworten