Wie viele Liebhaber darf eine Frau haben?

Dominique Desseigne soll der Vater des Kindes von Rachida Dati sein. Doch statt den Test zu machen, plaudert er öffentlich über ihr ausschweifendes Liebesleben. In welchem Jahrhundert leben wir eigentlich?

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Sie ist Single und selbstbewusst. Sie weiss, was sie will und wie sie es bekommt. Und wenn ihr der Sinn nach einem Liebhaber steht, kann sie sich bei der gesellschaftlichen Crème de la Crème bedienen. Und das tut sie auch. Rachida Dati hatte innerhalb eines Jahres – schluck! – acht Liebhaber. Diese Zahl erfuhren wir vergangenes Wochenende, als das «Magazin M» der Zeitschrift «Le Monde» sie kolportierte. Die Indiskretion verfehlte ihre Wirkung nicht. Medien aus der ganzen Welt berichteten über das «ausserordentlich geschäftige Liebesleben» («Daily Mail») der ehemaligen französischen Justizministerin. Und der britische «Telegraph» bezeichnete Dati kurzerhand als «glamour puss».

Unfreiwillig geoutet

Natürlich war es nicht Dati selbst, die die Statistik ihres Liebeslebens an die Presse weiterreichte – schliesslich weigerte sie sich schon vor drei Jahren, als sie noch Justizministerin und unübersehbar in Erwartung war, den Vater des Kindes zu nennen. Doch Anfang Oktober wurde das Geheimnis gegen ihren Willen gelüftet. Sie gelangte nämlich an ein Zivilgericht im Pariser Hinterland, um den französischen Multimillionär Dominique Desseigne als Vater ihrer Tochter auszuweisen und ihn aufzufordern, sich zur Vaterschaft zu bekennen. Französische Journalisten bekamen das mit und machten den Sachverhalt publik.

Doch Desseigne denkt nicht daran, sich zur Vaterschaft zu bekennen. Zwar bat Dati via Facebook-Profil im Namen ihrer Tochter um etwas mehr Diskretion, doch Desseigne legte gleich noch einen drauf. Er wandte sich selbst an die Medien, um zu erklären, warum er sich einem Vaterschaftstest verweigere. Er habe nichts falsch gemacht, sagte er gegenüber dem «Magazin M». Schliesslich sei er nur eines von vielen Liebesabenteuern der Frau Dati gewesen, die übrigens Affären mit einem Fernsehmoderator, dem spanischen Premier-Minister, einem Bruder Sarkozys, einem Botschafter von Katar und einem Millionenerben gepflegt habe. Er könne also nicht wissen, ob er der Vater sei.

Vater oder nicht Vater?

Bestechende Logik. Interessant auch der Subtext: Ich kann nichts dafür, wenn Frau Dati eine Schlampe ist, so lautet die Botschaft, die Herr Desseigne perfiderweise über seinen Anwalt verbreiten lässt. Und weil sie das ist, muss ich auch nicht zum Vaterschaftstest antreten, so scheint sich Herr Desseigne weiter zu sagen.

Dazu gibt es zwei Dinge zu sagen. Erstens müssen wir die Logik zum Zug kommen lassen, die nach Aristoteles besagt, dass A nicht gleichzeitig Nicht-A sein kann. Das heisst, Desseigne ist entweder der Vater oder er ist nicht der Vater und das lässt sich ganz einfach mit einem Vaterschaftstest feststellen – ganz egal, wie viele Liebhaber Frau Dati hatte. Und wenn er beschlossen hat, sich einem solchen Test zu verweigern, dann hat er in Frankreich zwar das Recht dazu. Aber zur Verteidigung dieses Entschlusses über Datis andere Liebhaber zu schwadronieren, ist nicht schlechter Stil, sondern Diffamierung unter der Gürtellinie.

Ganz abgesehen davon – ist Frau Dati nicht Single und war es auch im Jahr 2008? Und wie viele Liebhaber darf eine Single-Frau während eines Jahres haben, ohne dass sie zur Schlampe wird? Sind acht Liebhaber zu viel? Bekanntlich ovulieren Frauen etwa alle vier Wochen, können also dreizehnmal pro Jahr empfangen, und auch mit acht verschiedenen Liebhabern sollte es da also möglich sein, zu wissen, wem es gelungen ist, seine Gene weiterzugeben.

Dati ist sicherlich eine geborene Selbstdarstellerin und war auch immer schon eine Ikone der «Diversité», der kulturellen und ethnischen Vielfalt Frankreichs. Nach dieser Indiskretion mit dem offensichtlichen Ziel, sie zu diskreditieren, dürfte sie auch noch zur Ikone von Single-Frauen werden, die ein Recht darauf haben, mit verschiedenen Männern zu schlafen, ohne gleich mit dem Schlampen-Vorwurf belegt zu werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 07.11.2012, 14:44 Uhr)

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