Willkommen in der Realität, Barbie!

Klein, kurvig, gross: Barbie hat neue Figuren. Klicken Sie sich durch über 50 Jahre Barbie.

(Bilder: maedchen.de)


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«Barbies gibts in unserem Haus nicht!», sagte mein Vater, und damit war die Diskussion beendet. Diese unrealistischen Puppen seien für die Entwicklung junger Mädchen nicht gut und würden ein falsches Frauenbild fördern. Doch was ist eigentlich so verwerflich an dieser langbeinigen, dünnen Puppe, die immer High Heels trägt? Lassen sich Mädchen von der dünnen Taille der Barbie inspirieren?

Genau diese These bestätigen diverse Studien. Unter anderem die Untersuchung der englischen Forscherin Helga Dittmar von der University of Sussex. Sie stellte fest, dass sich Mädchen mit Barbiepuppen in ihrem eigenen Körper weniger wohl fühlen als solche, die sich mit anderen Spielsachen beschäftigen. Im echten Leben wäre Barbie nicht lebensfähig. Ihre Wespentaille würde ihr das Atmen unmöglich machen, und in ihren Bauch würden gar nicht alle Organe hineinpassen.

Die unrealistischen Körperformen der beliebten Puppe und deren Einfluss auf junge Mädchen wird seit ihrer Erscheinung 1959 kritisiert – doch das kümmerte die Herstellerfirma Mattel kaum. Bis heute. Denn ab März 2016 kommen 33 neue Modelle auf den Markt, darunter auch eine kleinere Puppe und eine Barbie mit Kurven. Mattel bringt zum ersten Mal verschiedene Körpertypen in die Läden und will so der immer kritischeren Kundschaft entgegenkommen. Müssen also Spielwaren heute politisch korrekt sein?

Von der Revolution zum veralteten Modell

In den 80er-Jahren war Barbie ein Vorbild. Nicht wegen ihres Aussehens, sondern vielmehr wegen ihrer verschiedenen Berufe. Sie war Astronautin, Ärztin oder auch Präsidentschaftskandidatin. So sollte die Kultfigur den Mädchen aufzeigen, dass sie jeden erdenklichen Beruf erlernen können. Damals war das revolutionär. In der heutigen Gesellschaft ist diese Message bereits veraltet. Dass sich Barbie weiter verändern und der Realität angleichen muss, ist also nur eine logische Folge des gesellschaftlichen Wandels.

Der Trend zur Natürlichkeit ist nicht nur bei den Spielsachen festzustellen. Den Hang, die Realität möglichst genau abzubilden, findet man auch auf dem Laufsteg wieder. Heute sind nicht mehr nur die klassischen Schönheitsideale gefragt, sondern auch Menschen mit auffälligen Merkmalen. Da ist es nicht weit hergeholt, dass diese Entwicklung zu mehr Authentizität auch auf die Darstellung von Spielzeug abfärbt. Die Barbie ist nun also in verschiedenen Hautfarben, im Rollstuhl und auch in unterschiedlichen Körpermassen erhältlich. Doch wo sind hier die Grenzen? Bemühungen, Barbies mit körperlichen Beeinträchtigungen auf den Markt zu bringen, gibt es schon lange. Bis heute hat es aber nur die Puppe im Rollstuhl in den Verkauf geschafft.

Verkaufszahlen sind im Keller

Eine Frage, die sich zudem stellt: Wieso genau jetzt? Mattel erklärt in einer Mitteilung, dass sie auf die Kritik reagieren würden und deshalb eine zweijährige Studie durchgeführt hätten. Die Kritik scheint aber nicht die einzige Antriebskraft zu sein. Zwischen 2012 und 2014 sank der Umsatz von Barbie über 20 Prozent. Die neuen Figuren sollen sich also nicht nur dem Zeitgeist anpassen, sondern auch den Verkauf vorantreiben.

Ob die neuen Puppen nun einen besseren Einfluss auf junge Mädchen haben, wird sich weisen. Die Barbies, die uns der Samichlaus ohne das Wissen meines Vaters eines Abends gebracht hat, haben uns jedenfalls nicht wirklich geschadet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 29.01.2016, 19:23 Uhr)

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