Kultur

«Wir haben ein Zeitungs-Konzept für Basel bereits in der Schublade»

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 23.11.2010 12 Kommentare

In Basel sind Bestrebungen im Gang, eine neue Zeitung als Alternative zur BaZ zu gründen. Ist das realistisch? Der Verleger und Zeitungsgründer Urs Gossweiler erklärt, was es für eine neue Zeitung braucht.

Sieht für eine grosse BaZ-Alternative keine ökonomische Perspektive: Verleger Urs Gossweiler. (Bild: Keystone )

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Seit bekannt wurde, dass Christoph Blocher bei der «Basler Zeitung» als Berater tätig ist und auch schon beim Kauf durch Tito Tetamanti und Martin Wagner involviert war, ist in der Rheinstadt der Zeitungsgründungsaktivismus ausgebrochen. Eine Alternative muss her zur BloZ, wie die BaZ seit dem Aufruhr scherzhaft genannt wird.

Gemäss dem Basler Internet-Portal Onlinereports.ch stehen zurzeit zwei Projekte ernsthaft zur Debatte. Im Auftrag «von verschiedenen Privatpersonen in Basel und Umgebung» prüft der frühere BaZ-Chefredaktor Ivo Bachmann mit seinem Beratungsunternehmen Bachmann Medien AG die Realisierung einer neuen Zeitung für Basel. Und auch ein «Bündnis» um die Jungsozialisten plane eine Print- und Online-Zeitung.

Bloss Quartierzeitungen?

Für ein breiteres Publikum dürfte eine Publikation von Jungsozialisten kaum eine ernstzunehmende Alternative zur BaZ sein. Bleibt das Projekt von Ivo Bachmann. Die Rede ist von einer wöchentlich erscheinenden Zeitung, die von einer aktuellen Online-Ausgabe begleitet wird. Das tönt ähnlich wie das Konzept der Mikrozeitungen, die Verleger Urs Gossweiler in der Jungfrau-Region («Jungfrau-Zeitung») und seit diesem Jahr auch in der Innerschweiz («Obwalden und Nidwalden Zeitung») erfolgreich umgesetzt hat. Die Angebote umfassen eine tagesaktuelle Online-Plattform, zweimal wöchentlich erscheinen dieselben Inhalte in einer gedruckten, kostenpflichtigen Zeitung. Mikrozeitungen soll es in Zukunft auch in weiteren Regionen der Schweiz geben.

Wäre ein solches Projekt auch für Basel umsetzbar? «Wir haben das fertige Zeitungs-Konzept für Basel bereits in der Schublade», sagt Verleger Urs Gossweiler. Man habe den Markt genau analysiert: «Wir würden in der Stadt Basel fünf neue Zeitungstitel einführen, für jedes Quartier einen.» Fünf Quartierzeitungen anstatt eine Alternative zur BaZ? «Alles andere wäre hinausgeworfenes Geld», so Gossweiler. Seine Idee: Lieber in jedem Quartier die Nummer eins sein und so für lokale Werbetreibende attraktiv sein als mit einer grossen Zeitung die Nummer zwei oder, wenn die Gratiszeitungen hinzugerechnet werden, die Nummer drei.

Mäzene gefragt

Für die Lancierung der fünf Zeitungstitel rechnet Gossweiler mit Investitionen von 15 bis 20 Millionen Franken. Allerdings habe eine Expansion nach Basel zurzeit keine Priorität, trotz des Wirbels um die BaZ. Einem Alternativprojekt wie jenem von Ivo Bachmann räumt Gossweiler kaum Chancen ein: «In Basel gehen zurzeit die Emotionen hoch. Emotionen bilden aber keine Basis für ein tragfähiges Businesskonzept.» Möglich sei eine Lancierung einer ernsthaften Alternative zur BaZ nur, wenn sich Mäzene engagieren und die Wirtschaftlichkeit nicht im Vordergrund stehe. Dafür gibt es durchaus Vorbilder: Zum Beispiel wurde 1996 nach der grossen Zeitungsfusion in der Innerschweiz die «Zuger Presse» gegründet, als «zweite Stimme» gegen das drohende Pressemonopol in Zug. Die Zeitung rentierte nie, finanziert wird das Blatt bis heute von «Zugs reichstem Linken», dem Landis-und-Gyr-Erben Daniel Brunner.

Ob in Basel ein Projekt mit Mäzenen im Vordergrund steht oder ob man an ein ökonomisch tragfähiges Projekt glaubt, ist nicht bekannt. Bisher haben bei einer Online-Petition über 16'000 Personen gegen das Blocher-Engagement ihren Namen eingetragen. Sollten sie alle das Zeitungsprojekt unterstützen, steht der Zeitung wohl nichts im Weg. Nur: Im Affekt ein Online-Formular ausfüllen geht leichter, als das Portemonnaie für ein unsicheres Projekt zu öffnen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.11.2010, 16:14 Uhr

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12 Kommentare

Gerhard Engler

23.11.2010, 16:49 Uhr
Melden 1 Empfehlung

@Max Meier: Die Basler fühlen sich wohl ähnlich, wei wenn die NZZ vom Axel Springer Verlag aufgekauft würde (was aufgrund der Aktien-Vinkulierung allerdings gar nicht möglich ist). Da würden wohl auch in Zürich die Emotionen hochgehen. Antworten


Max Meier

23.11.2010, 16:40 Uhr
Melden

Ist es denn dermassen schlimm, wenn jemand eine Pleitezeitung kauft und Arbeitsplätze erhält? Ich versteh das ganze nicht. Muss man dafür Basler sein? Antworten



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