Couchepin feiert magere Bilanz als Erfolg
Dossier
Kinoeintritte/Anteil CH-Film
Heftige Kritik an Filmförderung
Zwei Filmproduzentenverbände haben im Vorfeld des Filmfestivals Locarno eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Filmförderung des Bundes eingereicht. Hauptvorwurf ist die Verletzung der Ausstandspflicht. Kommissionsmitglieder, die in ein zu beurteilendes Projekt involviert wareb, sollen an Sitzungen begewohnt haben. Das Bundesamt für Kultur (BAK) weist die Vorwürfe zurück. Die Verbände sprechen von «mangelhafter Geschäftsführung», der Filmemacher Samir wirft dem BAK «Filz» vor.
Die «kohärente Politik» des Bundes in der Filmpolitik trage Früchte, erklärte Couchepin am Freitag vor den Medien in Locarno: «Der Schweizer Film ist ein Gesprächsthema geworden - und für einige auch ein Grund, Stolz auf die Schweiz zu empfinden.»
Er räumte ein, dass die Annäherung von Kunst und Markt heikel bleibe. Damit seien auch einige der Konflikte in der Filmpolitik zu erklären. Couchepin betonte jedoch, dass die Filmförderung des Bundes seit Beginn seiner Amtszeit als Kulturminister 2003 deutlich erhöht worden sei - von 31 auf 45 Millionen Franken. Der Erfolg lässt allerdings auf sich warten. Seit dem Rekordjahr 2006, als der Schweizer Film in den Kinos einen Marktanteil von knapp 10 Prozent erreichte, ist der Schweizer Film im Sturzflug (siehe Grafik). Notabene griff das neue Förderkonzept 2006 noch nicht. Dieses Jahr dürfte der Marktanteil allerdings wieder etwas steigen.
Märkte im Ausland
Viel habe er auch getan, um dem Schweizer Film Märkte im Ausland zu erschliessen, sagte Couchepin. Mit Frankreich, Italien und Belgien seien neue Verträge über Koproduktionen vereinbart worden.
Mit Deutschland und Österreich werde über ein tripartites Abkommen diskutiert - «eine Weltpremiere» laut dem Bundesamt für Kultur (BAK). Couchepin kündigte ausserdem an, dass ab Herbst auch TV-Serien von der Förderung des BAK profitieren könnten.
Lob von Solari
In Locarno zumindest ist Couchepin mit seiner Politik auf positive Resonanz gestossen. Als «Kulturminister zum Einrahmen» bezeichnete ihn der Präsident des Filmfestivals, Marco Solari, nachdem Couchepin seinen Rücktritt bekanntgegeben hatte. Hinter dem Lob Solaris stecken allerdings handfeste Interessen: Das Filmfestival Locarno hofft auf eine kräftige Subventionserhöhung aus Bern. (rb/sda)
Erstellt: 07.08.2009, 13:45 Uhr
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