Die Musik ging durch ihn wie Strom
Von Jean-Martin Büttner. Aktualisiert am 26.06.2009
Man hatte ihn als Kombination aus Roboter und Tanzpuppe erwartet, eine vollkommen künstliche Figur, die in den Spezialeffekten seiner eigenen Show untergehen würde. Als Michael Jackson aber in Basel spielte, es war der 16. Juni 1988, kam es zu einer Überraschung. Er bot nämlich kein Musical, sondern ein aufregendes, stellenweise grossartiges Konzert, das sowohl die Künstlichkeit der Inszenierung wie auch die Stadiondistanzen spielend überwand.
Musik, Rhythmus und Bewegung waren eins bei ihm
Einiges klang nach kalter Pracht, eindrücklich zwar, aber doch distanziert. Dann aber sang er «Human Nature», die verschwommene Ballade aus seinem Erfolgsalbum «Thriller». Er sang sie unverschämt weich, aber sehr genau, seine Diktion war makellos, man hörte jede einzelne Silbe und alle Japser und schweren Atmer, die ihn berühmt gemacht haben. Dazu tanzte er, als könne er nicht anders, man sah ihn sozusagen singen, als er die Stimme an seinen Armen abfliessen liess und sich zusammenfaltete, bis es ihn fast nicht mehr gab auf der riesigen Bühne im St. Jakobsstadion.
Tanz und Musik, Rhythmus und Bewegung waren eins bei ihm, die Musik ging wie Strom durch seinen Körper. Und man realisierte mit einem Mal, dass vor den Kameras und hinter der Schminke, jenseits der Ankündigungsrhetorik und trotz der beschädigten, beschämenden Biographie ein grosser Künstler vor uns stand. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.06.2009, 14:14 Uhr





