«Breaking Bad»

Die rabenschwarze US-Serie um einen Chemielehrer, der Drogen herstellt, ist politisch so korrekt wie eine bekiffte «Samschtigjass»-Runde.

Vom Chemielehrer zum Drogenfabrikant: Walter White.

Vom Chemielehrer zum Drogenfabrikant: Walter White.

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«Breaking Bad» auf DVD: erste Staffel (Ländercode 2), ca. 63 Fr., zweite Staffel (Ländercode 1), ca. 70 Fr.; eine dritte Staffel wird gedreht.

Darsteller in erfolgreichen TV-Serien sind rasch einmal auf ihre Rolle festgelegt. Der Erfolg einer Figur erweist sich nicht selten als Karrierensackgasse für den Schauspieler. Wer kann sich schon an Leonard Nimoy in einer anderen Rolle als jener des Spocks erinnern? Bryan Cranston ist dem internationalen Publikum vor allem als Familienvater bekannt. Diesen mimte er jahrelang und äusserst erfolgreich in «Malcom mittendrin». Cranston ist das Kunststück gelungen, in einer anderen Serie erneut den Familienvater zu spielen, jedoch dermassen anders, dass keinerlei Verwechslungsgefahr besteht. In «Breaking Bad» ist er Walter White, Chemielehrer, Vater eines leicht körperlich behinderten Sohnes und Ehemann einer immer noch attraktiven Frau. Diese ist gerade wieder schwanger, ungeplant. Die Hauptsorge von Cranstons Figur gilt erneut ganz seiner Familie.

Doch damit enden die Gemeinsamkeiten. Schwarze Flecken auf den Röntgenbildern seiner Lunge leiten eine Wandlung ein, die mitzuverfolgen pures Vergnügen ist. Lungenkrebs lautet die Diagnose, Lebenserwartung ein paar wenige Monate. Fortan kennt Walter White nur noch ein Ziel: in der knappen Zeit, die ihm bleibt, noch so viel Geld wie möglich zu verdienen, damit seine Familie auch ohne ihn versorgt ist. Und besonders viel Geld, das verraten ihm die Lokalnachrichten, verdient man im Drogenhandel. Wer sich an «Weeds» erinnert fühlt, jene Serie, in der eine junge Witwe ihre Familie durchbringt, indem sie mit Gras dealt, dem sei versichert, dass «Breaking Bad» um einiges böser und ätzender ist und der Humor viel schwärzer. Statt in der netten kalifornischen Suburbia befinden wir uns hier in der wahren Provinz, in Albuquerque, New Mexico.

Gemeinsam mit Jesse, einem ehemaligen Schüler, der sich als erfolgloser Dealer durchschlägt, beginnt Walter, Methamphetamin zu «kochen». Mit seinem Fachwissen entspringt ihrer Küche das reinste und hochkarätigste Crystal Meth des ganzen Südwestens der USA, ihre Ware schlägt auf dem Drogenmarkt ein wie ein Hammer.

Doch ganz ohne Hindernisse verläuft die Verwandlung vom braven Familienvater White zum Drogenboss Heisenberg, so sein Pseudonym, selbstverständlich nicht. Vielmehr läuft so ziemlich alles schief, und daraus bezieht die Serie sowohl ihre Spannung wie auch ihren trockenen Humor. Für seine Darstellung des todgeweihten Chemikers hat Bryan Cranston bereits zweimal den Emmy erhalten, wohlverdient. Kaum ein anderer hätte die Metamorphose zum Drogenboss so überraschend hinbekommen als einer, den das Publikum als netten Papi kennt.

Einen weiteren Dreh erhält die Geschichte in der zweiten Staffel, als sich allmählich abzeichnet, dass Walters Lungenkrebs ihn doch nicht ganz so schnell dahinraffen wird, wie alle gedacht hatten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2010, 15:57 Uhr

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