Die schönsten TV-Serien unserer Kindheit
Von Georg Gindely. Aktualisiert am 10.02.2010
Was haben wir TV geschaut über die Feiertage! Filme. Jahresrückblicke. Dokumentationen. Und vor allem Kinderserien. Denn die Kinder durften für einmal ausgiebig fernsehen. Und wir Erziehungsberechtigten setzten uns neben sie und entdeckten: viel Lustiges. Einiges Mühsames. Und viel Altbekanntes.
Die Sendungen unserer Kindheit erfreuen sich nämlich auch heute noch grosser Beliebtheit. «Heidi» zum Beispiel: Die Zeichentrickfilm-Serie läuft im Moment im Vorabendprogramm auf dem Kinderkanal KiKa. Dort lief sie bereits vor zwei Jahren. Damals schaute sie der Sohn, jetzt schaut er sie nochmals zusammen mit seiner zwei jährigen Schwester, die noch nicht viele Worte sagen kann – aber «Heidi» schon.
Das ruft jetzt wohl Kritik von Pädagogen hervor. Aber glauben Sie mir: Der Fernseher hat nicht nur schlechte Seiten. Kinder sind nur beim Schlafen ruhiger als vor dem TV. Und manchmal sind die Eltern froh um ein bisschen Ruhe. Zudem kann das Fernsehen auch Generationen verbinden. «Heidi» gefällt den Kleinen und ruft bei den Grossen Erinnerungen wach. Und so sitzen alle friedlich vereint vor dem Fernseher – und das ist ja nicht nur schlecht, oder?
Besonders gut funktioniert das bei den folgenden Klassikern. Beginnen wir eben mit . . .
«Heidi»
Schon das Titellied von Gitti und Erika singt die ganze Familie mit. Und sie bleibt danach vor den Bildschirm gefesselt. Denn die Geschichte nach dem Buch von Johanna Spyri ist hervorragend erzählt. Kein Wunder: Hinter der 1974 in Japan entstandenen Serie stehen Isao Takahata und Hayao Miyazaki. Beide haben danach meisterhafte und preisgekrönte Animationsfilme geschaffen, Takahata zum Beispiel «Die letzten Glühwürmchen», Miyazaki unter anderem «Chihiros Reise ins Zauberland». Zurück zur Serie: Das Waisenkind Heidi erlebt in diesem Anime (so die korrekte Bezeichnung für einen in Japan hergestellten Trickfilm) in 52 Folgen à 25 Minuten spannende Abenteuer mit Alpöhi, Geissenpeter und Klara – und leidet an starkem Heimweh in Frankfurt bei Fräulein Rottenmeier. Wermutstropfen: Der Rollstuhl von Klara geht zwar zu Bruch, aber nicht, weil ihn Peter wie im Buch aus Eifersucht den Hang hinunterstösst, sondern durch einen lapidaren Unfall. Peter hilft Klara sogar beim Gehenlernen! «Blödsinn», finden die Eltern. Die Kinder hingegen werden sagen, wenn sie dereinst das Buch lesen: Das ist ja gar nicht wie im Fernsehen!
«Captain Future»
Auf den ersten Panini-Bildern, die wir in den frühen Achtzigerjahren sammelten, waren keine Fussballer zu sehen, sondern Captain Future, dessen Raumschiff und Mannschaft. Und am Samstagnachmittag gingen wir statt in die Pfadi lieber «Captain Future» schauen. Warum? So genau weiss man das beim Wiedersehen der Folgen nicht mehr. Denn so toll sind die Geschichten um den Captain und das mit ihm fliegende Hirn nicht, und auch Humor ist in den Weiten des Weltraums selten auszumachen. Umwerfend ist hingegen der Soundtrack. «Pas du tout!», schreien die Freunde aus Frankreich, die mit uns Silvester feiern. Sie finden die Musik der deutschen Fassung «merde». Der Titelsong ihres «Capitaine Flam» aber sei unschlagbar – und sie beginnen ihn gleich zu singen. Die Erwachsenen halten sich die Ohren zu, die Kinder lassen sich nicht ablenken: Sie sitzen vor dem Fernseher und schauen «Captain Future» respektive «Capitaine Flam» auf DVD. Und sie lieben ihn genauso wie wir damals.
«Wickie und die starken Männer»
Wickie, der schmächtige kleine Wikingerbub mit Köpfchen, findet für jedes Problem eine Lösung, indem er mit dem Finger so lange unter der Nase reibt, bis ihm etwas einfällt. Als Kind liebt man den schlauen Wickie, weil er trotz seiner körperlichen Unterlegenheit alle übertrumpft. Auf Erwachsene hingegen wirkt Wickie manchmal arg besserwisserisch. Doch die Bewohnerinnen und Bewohner seines Heimatorts Flake wiegen das problemlos auf: der dicke Faxe, der quasselnde Snorre, der missmutige Tjure . . . Und das Lied «Hey, hey Wickie, hey Wickie, hey, zieh fest das Segel an!» lieben sowieso alle. Die Serie ist eine deutsch-österreichisch-japanische Koproduktion, entstand ab 1972, und hat 78 Folgen. Sie läuft täglich auf SF 2.
«Die Biene Maja»
Jetzt wird es persönlich: «Biene Maja» ist verknüpft mit meiner ersten schönen und gleichzeitig mit meiner ersten traumatischen Fernseherinnerung. Ich durfte die Serie immer samstags bei meiner Grossmutter schauen, weil wir damals keinen Fernseher hatten. Und ich liebte die Geschichten um Maja und ihren Freund Willie! Dann passierte es: Das ZDF stellte sein Samstagnachmittagsprogramm um. Statt «Biene Maja» kam plötzlich ein Kriegsfilm. Und diese Szene: Ein Verwundeter verlangt von einer Krankenschwester eine Zigarette. Nachdem er sie geraucht hat, stirbt er. Ich verliess das Fernsehzimmer fluchtartig und heulte den ganzen Abend. Deshalb hege ich «Biene Maja» gegenüber gemischte Gefühle. Die Serie ist an sich recht amüsant und pädagogisch wertvoll: Kinder können viel über Bienen, Hornissen, Ameisen, Heuschrecken und Frösche lernen. Was auffällt: Auch «Biene Maja» hat – wie «Heidi», «Captain Future» und «Wickie» – einen Ohrwurm als Titellied, gesungen von Karel Gott. Die Serie von 1975 war wiederum eine deutsch-österreichischjapanische Koproduktion.
«Der kleine Maulwurf»
Er lief bei uns einmal im Monat im Kinderkino, und wir liebten ihn, den kleinen Maulwurf. Der Sohn liebt ihn auch – er hat sogar ein Maulwurf-Stofftier. Original aus Tschechien, wo der Krtek, wie er dort heisst, herstammt. Seit 1957 hat der Prager Zeichner Zdenek Miler 63 Folgen geschaffen. Unbedingt sehenswert! Viele Folgen sind auch auf Youtube zu finden – perfekte Ruhigsteller für überdrehte Kinder. So, das war ein kleiner Ausschnitt der Klassiker des Genres, die meist der ganzen Familie gefallen. Die neueren Serien hingegen spalten die Familie oft in zwei oder noch mehr Lager: «Lauras Stern»
35-teilige deutsche Serie. Beliebt bei Sohn und Tochter. Unbeliebt bei den Eltern. Laura ist eine richtige Besserwisserin – Wickie ist harmlos dagegen. Laura hat einen Stern zum Freund und einen kleinen Bruder, den sie gerne belehrt. Subversives ist nicht ihr Ding, sie ist das pure Gegenteil von Pippi Langstrumpf. Und langweilt deshalb. Stimmt gar nicht, meckert der Sohn.
«Spongebob Schwammkopf»
Der grinsende Schwamm sorgt für grössere Auseinandersetzungen in der Familie. Vater und Sohn lieben die Serie, die Mutter hingegen schüttelt den Kopf und verlässt den Raum. Dabei ist bei «Spongebob» ein Ideenreichtum zu finden, der seinesgleichen sucht. Eine Absurdität, wie sie Kinder lieben. Und eine wunderbare Männerfreundschaft zwischen dem Schwamm Spongebob und dem Seestern Patrick. Die US-Serie läuft seit zehn Jahren, umfasst bis jetzt 236 Folgen, und ein Ende ist nicht in Sicht. Zum Glück! Übrigens: Das Durchschnittsalter der Zuschauer liegt bei 22 Jahren. «Trotzdem ein Blödsinn!», ruft die Mutter und Gattin aus der Küche. Es gibt wirklich viel Neues, schlecht Gemachtes, das über den Bildschirm flimmert – mies erzählte, jämmerlich animierte Geschichten. Oder, wie es der in Zürich lebende Illustrator François Chalet sagt: «Ich bin ein Fan der Klassiker, da sie inhaltlich einfach gut sind – im Gegensatz zu vielen modernen Kindertrickfilmen, die keine Seele haben.»
Das Problem an den Klassikern mit Seele: Lässt man über die Feiertage die Zügel schleifen, ist es wahnsinnig schwierig, danach das alte, strenge, pädagogisch wertvolle Fernsehregime wieder durchzusetzen. Die Kinder protestieren lauthals. Ehrlich gesagt: Auch uns Eltern fällt es schwer, auf Heidi & Co. zu verzichten. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.02.2010, 12:35 Uhr
Kultur
Kultur
Meistgelesen in der Rubrik Kultur
Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?
Ja, auf jeden Fall
Nein, interessiert mich nicht
Erst wenn die Geräte billiger geworden sind
Ich habe schon einen
3308 Stimmen





























































































































