Kultur

SF macht Drogenfabrikanten zum Helden

Gestern lief die erste Episode von «Breaking Bad». Die rabenschwarze US-Serie um einen Chemielehrer, der Drogen herstellt, ist politisch so korrekt wie eine bekiffte «Samschtigjass»-Runde.

1/6 11 Breaking Bad 004_2648.jpg
Mobiles Drogenlabor: Chemielehrer Walter White bekommt von Dealern ungebetenen Besuch.

   

TV-Serie

«Breaking Bad»: Jeweils sonntags um 22.50 Uhr auf SF zwei.

Ein Mann steht in Unterhosen in einem Labor, im Gesicht eine Sauerstoffmaske. Vor ihm köchelt N-Methylamphetamin, besser bekannt als Crystal Meth, eine der gefährlichsten Drogen überhaupt. Dann zieht er sich an und fährt nach Hause zu Frau und Kind, um Prüfungen zu korrigieren, denn er ist hauptberuflich Chemielehrer.

Vom Guten abgefallen – so lässt sich der Titel von «Breaking Bad» eindeutschen. Die Serie stammt vom US-Sender AMC, dem bereits mit «Mad Man» ein Serienhighlight gelang. Die von Publikum und Kritik begeistert aufgenommene Produktion gewann bereits zwei Emmys, unter anderem für Hauptdarsteller Bryan Cranston.

Working Poor

Cranston spielt Walter White, ein Opfer der Wirtschaftskrise. Trotz Lehrerjob und Teilzeitstelle als Autowascher kommt dieser nicht über die Runden, Working Poor eben. Und das Schicksal hält noch mehr Ungemach für Walter bereit: Lungenkrebs in unheilbarem Stadium. Mit seinem bevorstehenden Tod konfrontiert, beschliesst Walter deshalb, seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse zu Bargeld zu machen. So will er für die Zukunft seiner Familie sorgen – selbst wenn er damit zum Verbrecher wird.

Dieses Szenario macht in erster Linie natürlich eine Menge Spass. Nur schon, wie Walter auf die Idee kommt, Drogenfabrikant zu werden: Über seinen Schwager nämlich, ein unausstehliches Grossmaul, das bei der Antidrogenpolizei arbeitet und ihm von seinen Heldentaten bei Drogen-Razzien erzählt. Oder Walters Gehilfe: Ein ehemaliger Schüler, den er von der Schule warf, und der deshalb in die Meth-Szene abrutschte.

TV-Leckerbissen

«Breaking Bad» ist aber weit mehr als schwarzer Humor. Unter der Oberfläche erzählt die Serie die Geschichte eines biederen Mannes, der gezwungen wird, sein gesamtes Weltbild zu verändern und sich in einen Menschen zu verwandeln, der ihm noch Monate zuvor unglaubliche Angst eingejagt hätte. Freilich hört die Wandlung des Walter da nicht auf. Der Chemielehrer, so suggeriert das Ende der ersten Episode, lebt in seiner neuen Rolle richtiggehend auf. Sehr zum Erstaunen seiner Frau, mit der Walter endlich wieder einmal Sex hat.

Heute schaffen Serien wie «The Wire», «Sopranos» oder «Six Feet Under», was früher bloss Romanen gelang: Komplexe Geschichten zu erzählen und Figuren bis ins letzte Detail zu durchleuchten. Wenn der erste Eindruck nicht täuscht, haben wir mit «Breaking Bad» wieder einen solchen TV-Leckerbissen vor uns. Die Serie ist komisch, tragisch, aktuell - und politisch so korrekt wie eine bekiffte Samschtigjass-Runde. Dass der produzierende Sender sich auf das Projekt eingelassen hat, gleicht einem Wunder und sollte von den TV-Zuschauern nur schon aus diesem Grund eine Chance erhalten.

Wie hat Ihnen «Breaking Bad» gefallen? Meinungen bitte unten deponieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.02.2010, 12:37 Uhr

WRITE A COMMENT







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

6 Kommentare

Paul Dettling

10.02.2010, 17:22 Uhr
Melden

Das ist eine der eindrücklichsten Serien der letzten Jahre, nicht die beste (für mich "The Wire"), aber die eindrücklichste, szenenweise kaum zu ertragen, so unerbittlich, brutal und realistisch und gleichzeitig warm und abgrundtief menschlich, das sieht man selten, braucht aber Nerven wie Stahl, im Netz sind beide Staffeln komplett verfügbar und ich kann die 3. Staffel nicht erwarten. Antworten


Danny Kinda

24.05.2009, 13:35 Uhr
Melden

Die Geschichte ist eigentlich Genial. Nur das jemand der Chemie an einer Schule Lehrt ein working poor sein soll ist in unseren Breiten eher unrealistisch. Freue mich auf die nächsten Folgen! Antworten


Manuel Limacher

18.05.2009, 15:00 Uhr
Melden

Endlich mal ein Grund, sich auf den Sonntag zu freuen. Die erste Folge verspricht jedenfalls viel. Bryan Cranston war ja schon in der kultigen "malcom in the middle" serie mit dabei........ Antworten


Marco Bischofberger

18.05.2009, 14:56 Uhr
Melden

Mit Bryan Cranston ist den Machern der Serie ein echter Glücksgriff gelungen. Kaum einer kann den gescheiterten Mittelständler besser darstellen. Trotz allem Slapstick und der teilweise sehr abgefahrenen Story vermag es die Serie, die Ängste, die Zwiespälte aber auch die verzweifelte Entschlossenheit der Hauptfigur in packenden Momenten darzustellen! Da geht man gern mal etwas später zu Bett... Antworten


Klaus Pfenniger

18.05.2009, 12:11 Uhr
Melden

Tolle 1. Folge. Eindrückliche Stimmung und - bis jetzt - eine spannende Geschichte. Antworten


Ronnie König

18.05.2009, 10:42 Uhr
Melden

Rabenschwarzer Humor? Nein, leider eine Tatsache in manchen Ländern! Ob Chemiker, Staatsanwalt oder Leichenbestatter es gibt sie alle in der realen Welt. Nur nicht wie dieser Typ, der ist eher eine Ausnahme. Aber warum nicht einmal alles mit Humor betrachten, denn das Leben ist ja sonst ernst genug. Antworten



Kultur

Populär auf Facebook Privatsphäre

Bestenlisten

Kino
Kinoeintritte Schweiz

26. Januar 2012- 01. Februar 2012

1.1Intouchables64'262
2.neuThe Descendants18'860
3.2The Girl With The Dragon Tattoo16'439
4.44Jack And Jill16'133
5.32Man On A Ledge13'482
Mehr
Musik
Schweizer Hitparade

19.Dezember 2011 - 25.Dezember 2011

1.221, Adele
2.1Lioness; Hidden Treasures, Amy Winehouse
3.6Christmas, Michael Bublé
4.3Imaginaerum, Nightwish
5.5Made In Germany 1995-2011, Rammstein
Mehr
Bücher
Bestseller

6.Februar 2012 - 12.Februar 2012

1.1Das Alphabethaus, Jussi Adler-Olsen
2.2Aleph, Paulo Coelho
3.3Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Jonas Jonasson
4.4Sündige Gier, Sandra Brown
5. WEVom Ende einer Geschichte, Julian Barnes
Mehr