SF macht Drogenfabrikanten zum Helden

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 10.02.2010 6 Kommentare

Gestern lief die erste Episode von «Breaking Bad». Die rabenschwarze US-Serie um einen Chemielehrer, der Drogen herstellt, ist politisch so korrekt wie eine bekiffte «Samschtigjass»-Runde.

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Mobiles Drogenlabor: Chemielehrer Walter White bekommt von Dealern ungebetenen Besuch.

   

TV-Serie

«Breaking Bad»: Jeweils sonntags um 22.50 Uhr auf SF zwei.

Ein Mann steht in Unterhosen in einem Labor, im Gesicht eine Sauerstoffmaske. Vor ihm köchelt N-Methylamphetamin, besser bekannt als Crystal Meth, eine der gefährlichsten Drogen überhaupt. Dann zieht er sich an und fährt nach Hause zu Frau und Kind, um Prüfungen zu korrigieren, denn er ist hauptberuflich Chemielehrer.

Vom Guten abgefallen – so lässt sich der Titel von «Breaking Bad» eindeutschen. Die Serie stammt vom US-Sender AMC, dem bereits mit «Mad Man» ein Serienhighlight gelang. Die von Publikum und Kritik begeistert aufgenommene Produktion gewann bereits zwei Emmys, unter anderem für Hauptdarsteller Bryan Cranston.

Working Poor

Cranston spielt Walter White, ein Opfer der Wirtschaftskrise. Trotz Lehrerjob und Teilzeitstelle als Autowascher kommt dieser nicht über die Runden, Working Poor eben. Und das Schicksal hält noch mehr Ungemach für Walter bereit: Lungenkrebs in unheilbarem Stadium. Mit seinem bevorstehenden Tod konfrontiert, beschliesst Walter deshalb, seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse zu Bargeld zu machen. So will er für die Zukunft seiner Familie sorgen – selbst wenn er damit zum Verbrecher wird.

Dieses Szenario macht in erster Linie natürlich eine Menge Spass. Nur schon, wie Walter auf die Idee kommt, Drogenfabrikant zu werden: Über seinen Schwager nämlich, ein unausstehliches Grossmaul, das bei der Antidrogenpolizei arbeitet und ihm von seinen Heldentaten bei Drogen-Razzien erzählt. Oder Walters Gehilfe: Ein ehemaliger Schüler, den er von der Schule warf, und der deshalb in die Meth-Szene abrutschte.

TV-Leckerbissen

«Breaking Bad» ist aber weit mehr als schwarzer Humor. Unter der Oberfläche erzählt die Serie die Geschichte eines biederen Mannes, der gezwungen wird, sein gesamtes Weltbild zu verändern und sich in einen Menschen zu verwandeln, der ihm noch Monate zuvor unglaubliche Angst eingejagt hätte. Freilich hört die Wandlung des Walter da nicht auf. Der Chemielehrer, so suggeriert das Ende der ersten Episode, lebt in seiner neuen Rolle richtiggehend auf. Sehr zum Erstaunen seiner Frau, mit der Walter endlich wieder einmal Sex hat.

Heute schaffen Serien wie «The Wire», «Sopranos» oder «Six Feet Under», was früher bloss Romanen gelang: Komplexe Geschichten zu erzählen und Figuren bis ins letzte Detail zu durchleuchten. Wenn der erste Eindruck nicht täuscht, haben wir mit «Breaking Bad» wieder einen solchen TV-Leckerbissen vor uns. Die Serie ist komisch, tragisch, aktuell - und politisch so korrekt wie eine bekiffte Samschtigjass-Runde. Dass der produzierende Sender sich auf das Projekt eingelassen hat, gleicht einem Wunder und sollte von den TV-Zuschauern nur schon aus diesem Grund eine Chance erhalten.

Wie hat Ihnen «Breaking Bad» gefallen? Meinungen bitte unten deponieren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.02.2010, 12:37 Uhr

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6 Kommentare

Klaus Pfenniger

18.05.2009, 12:11 Uhr
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Tolle 1. Folge. Eindrückliche Stimmung und - bis jetzt - eine spannende Geschichte. Antworten


Ronnie König

18.05.2009, 10:42 Uhr
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Rabenschwarzer Humor? Nein, leider eine Tatsache in manchen Ländern! Ob Chemiker, Staatsanwalt oder Leichenbestatter es gibt sie alle in der realen Welt. Nur nicht wie dieser Typ, der ist eher eine Ausnahme. Aber warum nicht einmal alles mit Humor betrachten, denn das Leben ist ja sonst ernst genug. Antworten



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