«Club»-Kritik: Kommt der Klima-Kollaps nun endlich?

Von Simone Matthieu. Aktualisiert am 17.02.2010 139 Kommentare

Gibt es den Treibhauseffekt, oder ist die Klimaerwärmung eine Lüge, fragte gestern der «Club». Und: Interessiert das Mann und Frau auf der Strasse in der aktuellen Finanzkrise überhaupt?

Der Umweltschutz ist zur Glaubensfrage geworden: «Club»-Moderator Röbi Koller.

SF

Umfrage

Glauben Sie an die Klimaerwärmung durch menschlichen Einfluss?

Ja

 
57.5%

Nein

 
42.5%

1611 Stimmen


Dossiers

Stichworte

Die Positionen sind seit Jahren die gleichen: Forscher und Umweltschützer warnen vor dem Klimakollaps, der sich nur durch sofortige, drastische Verringerung des globalen CO2-Ausstosses abwenden lässt. Die Wirtschaftsvertreter führen dagegen ins Feld, für ein umweltverträgliches Leben und Arbeiten gebe es keine finanziellen Mittel. Gerade jetzt in der Krise, wo jeder an seinen individuellen Problemen zu nagen hat, kommen zusätzliche Ausgaben im Dienste des Umwelt- und Allgemeinwohls bei den Menschen nicht gut an.

Und sowieso: Solange immer noch nicht endgültig bewiesen ist, dass es tatsächlich so schlimm kommt, wie behauptet, mag niemand den Stein zu einem neuen Umgang mit den natürlichen Ressourcen ins Rollen bringen.

Unter diesen altbekannten Voraussetzungen debattierte gestern der «Club» zum Thema «Der Klimastreit - Öko gegen Eco».

Festgefahren

Die Situation ist paradox: Einerseits war Kopenhagen die erste internationale Klimakonferenz, an der so viele Staatsoberhäupter inklusive den USA teilgenommen haben, frohlockt Andreas Fischlin, Professor für Systemökologie der ETH Zürich und Friedensnobelpreisträger. Noch nie sei ein Konsens der Weltgemeinschaft über verbindliche Umweltverträge so nah gewesen. «Die Forscher-Gemeinschaft ist sich einig, dass eine solch rasche Freisetzung fossiler Brennstoffe, wie sie zurzeit stattfindet, Folgen hat», erklärt Unternehmer und ETH-Professor Anton Gunzinger. Daran gebe es nichts zu rütteln.

Trotzdem werden gleichzeitig die Zweifel an der angeblich drohenden Unweltkatastrophe immer grösser. Vor allem aus Wirtschaftskreisen werden solche Zweifel gern geschürt und Forschungen, welche den Treibhauseffekt widerlegen sollen, ins Feld geführt. «Ich kenne eine Studie, die besagt, dass die Temperaturen in den letzten zehn Jahren gesunken sind, nicht gestiegen», sagt Transportunternehmer Ulrich Giezendanner.

Besagte Studie ist eine unter vielen, welche den Sorgen der Umweltschützer gegenteilige Daten entgegenhält. «Zurzeit wird viel zu viel und überstürzt für den Umweltschutz Geld ausgegeben, ohne dass wir überhaupt wissen, wohin die Reise geht», sagt Ökonom Hans Rentsch, Autor von «Avenir Suisse».

Die Glaubensfrage

Wem soll man noch glauben? fragt Moderator Röbi Koller zu Recht. Ist die Angst vor der Klimakatastrophe ein Hype wie einst das Waldsterben? Oder wischt die Wirtschaft Fakten fahrlässig unter den Tisch nach dem Motto «Nach mir die Sintflut»?

Keiner weiss, was in zehn, zwanzig Jahren wirklich sein wird, das müssen auch die Umweltschützer zugeben. Und die Forscher betonen, dass ihre Warnungen lediglich auf Annahmen beruhen und niemand voraussagen könne, wie das Ökosystem der Erde am Ende tatsächlich reagieren wird.

Trotzdem soll man jetzt handeln, der ganzen Welt ein neues System aufzwingen, unbeschreiblich grosse Summen Geld investieren. Für SVP-Mann Giezendanner kommt das nicht in Frage. «Vor zehn Jahren hat die Forschung behauptet, 2010 liege die Schweiz unter Eis. Ich glaube den Forschern gar nichts mehr», sagt er. «Die Natur regelt das von selbst. Das war schon immer so.»

Keine Lösung in Sicht

«Nur weil bisher nichts passiert ist, heisst das nicht, dass nie etwas passieren wird», sagt Anton Gunzinger. «Wir dürfen die sichtbaren Warnhinweise nicht einfach ignorieren. Irgendwann ist es soweit. Und dann wird es schlimm für uns alle.» Trotzdem hat auch er kein Rezept parat, wie man wirtschaftliche Interessen und Umweltschutz unter einen Hut und die Menschen zu einem umweltfreundlicheren Verhalten anhalten kann.

Hans Rentsch glaubt, dass Kopenhagen so wenig bringen wird wie seinerzeit Kyoto. «Es ist eine Illusion, 188 Staaten unter ein Dach bringen zu wollen. Die Interessen der Länder sind zu unterschiedlich. Klimapolitik ist nur national möglich, da jedes Land andere Bedürfnisse hat.»

Der einzige, der eine Lösung für dieses Dilemma Eco vs. Öko präsentiert, ist Unternehmer Gunziger: «Die Schweiz sollte ein Pionierstaat sein. Umweltfreundliche Technologien gibt es längst. Und mit ihnen kann man Geld machen. Das sollten wir am nächsten Klimagipfel in Mexiko der Welt zeigen.» Bleibt nur die Frage: Glaubt man ihm, dass umweltfreundliche Technologie tatsächlich ein rentables Geschäft ist? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.02.2010, 16:49 Uhr

139

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

139 Kommentare

Susi Fried

17.02.2010, 11:32 Uhr
Melden

Also liebe Luzia Keller. So etwas Flaches sollten Sie lieber für sich behalten. Was heisst das denn nun? Gibt es im Mittel keinen Temperaturanstieg. Und wenn das "Pendel" stillsteht, ist es dann gut? Soll die Erde als die Temperatur von 1897 haben? Warum denn? Was war damals gut? Die irische Nahrungsmittelkrise oder was, weil es so kalt und regnerisch war? Denken in grossen Zyklen ist angesagt. Antworten


Alois Tobler

17.02.2010, 10:49 Uhr
Melden

Ich erinnere an das Waldsterbe-Thema vor etwa 20 Jahren bei dem uns suggeriert wurde, bis ins Jahr 20xx werden wir in einer Steppenlandschaft leben. Der Nachweis einer Beeinflussung des Klimas durch den Menschen steht meiner Meinung nach auf wackligen Füssen, aber es schadet bestimmt nicht den Fokus auf alternative Energien zu richten, zumal die fossilen Brennstoffe endlich sind. Antworten



Kultur

Populär auf Facebook Privatsphäre

Meistgelesen in der Rubrik Kultur

Bestenlisten

Kino
Kinoeintritte Schweiz

17.Mai 2012- 23. Mai 2012

1.14The Dictator52'345
2.1Dark Shadows18'047
3.3The Avengers13'622
4.2American Pie: Reunion13'491
5.28Salmon Fishing In The Yemen6'807
Mehr
Musik
Schweizer Hitparade

19.Dezember 2011 - 25.Dezember 2011

1.221, Adele
2.1Lioness; Hidden Treasures, Amy Winehouse
3.6Christmas, Michael Bublé
4.3Imaginaerum, Nightwish
5.5Made In Germany 1995-2011, Rammstein
Mehr
Bücher
Bestseller

14.Mai 2012 - 20.Mai 2012

1.1Mein Weg zu dir, Nicholas Sparks
2.2Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand, Jonas Jonasson
3.3Delikatessen, Martin Walker
4.4Spaziergänge, Franz Hohler
5.5Die Tränen der Maori-Göttin, Sarah Lark
Mehr

Internet auf dem Fernsehen: Der Trend geht klar in diese Richtung. Werden Sie sich einen Smart TV kaufen?

Ja, auf jeden Fall

 
15.1%

Nein, interessiert mich nicht

 
40.2%

Erst wenn die Geräte billiger geworden sind

 
35.1%

Ich habe schon einen

 
9.7%

3308 Stimmen